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Parlamentskorrespondenz Nr. 673 vom 13.06.2018

Themenfelder:
Bildung
Format:
Plenarsitzungen des Nationalrats
Stichworte:
Nationalrat/Dringlicher Antrag/Zentralmatura/NEOS

Nationalrat spricht sich einstimmig für Evaluierung der Zentralmatura aus

Keine Mehrheit für Dringlichen Antrag der NEOS

Wien (PK) – Der Nationalrat hat sich in seiner heutigen Sitzung einstimmig für eine Evaluierung der Zentralmatura ausgesprochen. Zwar gibt es zwischen den Fraktionen unterschiedliche Meinungen, was den notwendigen Umfang der Reform betrifft, die Abgeordneten sind sich aber darin einig, dass Bildungsminister Heinz Faßmann einen genaueren Blick auf die Praxistauglichkeit der Prüfungsaufgaben richten und dabei auch die Besonderheiten der verschiedenen Schularten berücksichtigen soll. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Mathematikmatura sowie auf die von den PrüferInnen anzuwendenden Beurteilungskriterien gelegt werden.

Angestoßen wurde die Debatte von den NEOS, die mit einem Dringlichen Antrag ihrer Forderung nach einer Reform der Zentralmatura Nachdruck verliehen. Deren bisherige Geschichte stelle eine Serie von Pannen dar, lautet der Befund der AntragstellerInnen. Gefordert wird unter anderem, die Zentralmatura abzuschlanken und zu vereinheitlichen und die Prüfungsarbeiten extern auszuwerten. Zudem solle die Reform als Sprungbrett für eine planvolle Schulentwicklung genutzt und den Schulen ermöglicht werden, ihre eigenen Schwerpunkte einzubringen. Dieser Antrag fand bei der Abstimmung allerdings keine Mehrheit. Basis für die oben erwähnte Entschließung bildete eine ÖVP-FPÖ-Initiative, die im Rahmen der Debatte von Abgeordneter Gertraud Salzmann eingebracht wurde.

Strolz: Zentralmatura vereinheitlichen und Ergebnisse für Schulentwicklung nutzen

Seit zehn Jahren gebe es die Zentralmatura, führte NEOS-Klubobmann Matthias Strolz im Rahmen der Begründung des Dringlichen Antrags aus. Grundsätzlich bestehe Einigkeit, dass sie ein vernünftiges Instrument sei, unbestritten ist für ihn aber auch, dass sie immer noch für alle Beteiligten mit Unsicherheiten behaftet ist. Mit seinem Vorschlag zu einer Reform wolle er seine parlamentarische Arbeit abschließen, sagte Strolz. Er hoffe, dass der Nationalrat das vorgeschlagene Paket weiter bearbeiten werde. Wichtig sei es, aus den Fehlern und den Pannen, die die Geschichte der Zentralmatura charakterisiert hätten, zu lernen. Heuer habe besonders das Fach Mathematik Anlass zu Beschwerden gegeben. Die mediale Wahrnehmung der Zentralmatura sei weiterhin schlecht. Es gelte, Klarheit zu schaffen, bevor der nächste Maturajahrgang antritt. Dazu reiche es nicht, an ein paar Stellschrauben zu drehen, es müsse grundlegende Änderungen geben.

Die Zentralmatura müsse abgeschlankt und vereinheitlicht werden, indem sie sich auf einen gemeinsamen Kern jener Fächer konzentriert, die zur allgemeinen Hochschulreife notwendig sind. Derzeit sei auch die Einheitlichkeit der Prüfungen nicht gegeben. Die Auswertung solle bundesweit und schultypenübergreifend extern erfolgen. Er sei mit seinen Forderungen auch nicht allein, auch ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner habe ähnliche Vorschläge zur Neustrukturierung der Matura in einen "Pflicht-" und in einen "Kürteil" gemacht.

Die Schule müsse darüber hinaus auch zeitgemäßen Anforderungen wie Medienkompetenz mehr Raum einräumen, forderte Strolz. Daher sollte auch die Nutzung des Internets und der Nachweis der Kritikfähigkeit in die Reifeprüfung integriert werden. Ein gewaltiges Potenzial ortet der NEOS-Chef außerdem für die Weiterentwicklung der Schulen. Die Reform der Matura müsste als Sprungbrett für planvolle Schulentwicklung genutzt werden. Die Zentralmatura liefere jedes Jahr viele Daten, die man für Schulentwicklung nützen sollte. Strolz verwies auch auf den in den skandinavischen Ländern praktizierten Grundsatz, dass in der Schule kein Kind beschämt werden sollte. Im Mittelpunkt müsse die Entfaltung der Kinder sowie die stetige Verbesserung der Schulstandorte stehen. Er sei zuversichtlich, dass Bildungsminister Faßmann ein Bündnispartner für die angestrebten Veränderungen sei.

Bildungsminister Faßmann sieht Zentralmatura auf gutem Weg

Die Matura sei eine wichtige Einrichtung, da sie den SchülerInnen die Hochschulreife mit einem offiziellen Dokument bescheinige, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann. Er begrüße daher die Debatte über das Thema grundsätzlich. Die mediale Diskussion spiegelt für ihn allerdings nicht die ganze Realität wider. Das Maturajahr 2018 sei kein Pannenjahr gewesen, wie der Antrag suggeriere, das gelte auch für die Mathematikmatura, betonte Faßmann. Die Zentralmatura sei mittlerweile sehr gut organisiert, die standardisierte Reifeprüfung biete eine faire Prüfung. Die Kompensationsprüfung stelle eine sinnvolle Weise dar, um schlechte Noten noch zu verbessern. Faßmann erwartet sich nach Abschluss aller Prüfungen einen normalen Maturajahrgang.

Um zu überprüfen, welche Punkte der Mathematikmatura verbessert werden könnten, habe er eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie werde überprüfen, ob man die Formulierung von Beispielen nachschärfen und das Bewertungssystem verbessern könnte. Auch der Katalog der Grundkompetenzen könnte neu bewertet werden. Außerdem sei es für ihn denkbar, die Beispiele besser an den Schultypus anzupassen. Die Arbeitsgruppe werde hier den Blick von außen einbringen, betonte der Minister.

Faßmann stimmte Strolz zu, dass die Zentralmatura wertvolles Datenmaterial bietet, das man auch den Schulen zur Verfügung stellen sollte. Vorsicht hält der Minister allerdings bei der geforderten Reduktion der Fächer geboten. Hier hätten auch die Hochschulen etwas mitzureden, was Teil der Zentralmatura sein solle. Auch die Veröffentlichung schulspezifischer Ergebnisse sei mit Vorsicht zu betrachten. Der Antrag formuliere insgesamt gute Anliegen, die sein Ressort bereits bearbeite, sagte Faßmann abschließend.

Gamon: Zweite Chance bei schriftlicher Matura statt mündlicher Kompensationsprüfung

Claudia Gamon (NEOS) teilte die Auffassung des Bildungsministers nicht, wonach die Zentralmatura nun in ruhigem Fahrwasser sei. Insbesondere die Mathematikmatura habe heuer ein Debakel geliefert. Die Sofortmaßnahmen des Ministers, wie etwa Kompensationsprüfungen, widersprechen aus ihrer Sicht den eigentlichen Zielen der Zentralmatura, sie seien zudem auch schlecht organisiert gewesen. Es sei daher wichtig, das Thema jetzt zu thematisieren, damit es nicht kommendes Jahr dieselben Probleme gebe. Ein Herunterschrauben der Ansprüche könne jedenfalls nicht die Antwort sein.

Das ursprüngliche Ziel der Zentralmatura, nämlich die Vergleichbarkeit, müsse wiederhergestellt werden, unterstrich Gamon. Unterschiedlichkeit der Schulen an sich sei aber nichts Schlechtes, sie sollte die Basis der Profilbildung sein. Die Antwort liegt für sie in einer teilzentralen Matura. Kernbereiche sollten einheitlich sein, die Schulen aber zusätzliche eigene Schwerpunkte setzen. Statt einer mündlichen Kompensationsprüfung fordert Gamon eine zweite Chance in Form einer schriftlichen Prüfung.

Taschner sieht Verbesserungsmöglichkeiten bei Mathematikmatura

ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner sieht die Zentralmatura grundsätzlich als gute Idee. Allerdings sei sie zur Spielwiese didaktische Konzepte geworden, was bei der Mathematikmatura zu Textlastigkeit und unnötiger Kompliziertheit der Beispiele geführt habe. Gleichzeitig sei nicht mehr sichergestellt, dass angehende StudentInnen in technischen Fächern auch die nötigen mathematischen Grundkenntnisse haben. Er sei Bildungsminister Faßmann dankbar, dass er die Chance ergreife, über den eingeschlagenen Weg nachzudenken und Veränderungen herbeizuführen. Taschner plädierte für einen breiten Nachdenkprozess unter Einbindung der ExpertInnen für den Mathematikunterricht. Die Matura müsse einerseits das Vorhandensein von ausreichendem Wissen überprüfen. Sie sei aber auch ein Leistungsnachweis für junge Menschen, um ihre besonderen Fähigkeiten zu beweisen.

Hammerschmid: Zentralmatura hat Kinderkrankheiten überwunden

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sieht die Ziele der Zentralmatura, nämlich Fairness, Transparenz, Objektivität und Vergleichbarkeit, weitgehend erreicht. Die Kinderkrankheiten des Systems seien grundsätzlich überwunden, sie sehe keine Veranlassung, es grundsätzlich zu verändern, wie es sich die NEOS wünschen. Alle Maturafragen würden von PraktikerInnen des Schulsystems erstellt, es gebe eine Qualitätsprüfung und Feldprüfungen, hielt sie den KritikerInnen entgegen. Der Vollausbau der Zentralmatura habe im Übrigen bisher erst drei Jahrgänge erfasst, diese sei damit ein junges Projekt, das noch weiter verbessert werde. Als Unterrichtsministerin habe sie bereits begonnen, die gewonnenen Daten für Lernprozesse zur Schulentwicklung einzusetzen, sie unterstütze dieses Projekt selbstverständlich weiter.

Mölzer: Fairness und Vergleichbarkeit der Prüfungen sichern

Das Thema Matura tauche jedes Jahr erneut auf, sagte Wendelin Mölzer (FPÖ). Eine Evaluierung sei sinnvoll, hier sollte man aber nichts übers Knie brechen. Im Vergleich zur Vergangenheit habe es keine großen Pannen gegeben. Die Textlastigkeit der Mathematikbeispiele sollte hinterfragt werden. Auch sollte mehr Rücksicht auf die verschiedenen Schultypen genommen werden. Die Schule müsse auch durchaus selektiv sein und sicherstellen, dass SchülerInnen die erforderliche Hochschulreife tatsächlich besitzen. Fairness bei den Prüfungen ist für Mölzer wichtig, die Evaluierung der Mathematikmatura solle dazu beitragen, dass die Matura auch in den nächsten Jahren gute und vergleichbare Ergebnisse liefert.

Cox: Antrag der NEOS enthält richtige Ansätze

Grundsätzliche Überlegungen zur Matura stellte Stephanie Cox an. Wenn die Matura die Reife zur Hochschule überprüfe, sehe sie einen Widerspruch zu den zusätzlichen Zugangsprüfungen an den Hochschulen. Wenn man zusätzliche Eignungsprüfungen brauche, sei die Frage zu stellen, ob die Matura noch als Hochschulreife zu bewerten sei. Die Zentralmatura sei grundsätzlich der richtige Weg, nun stehe man mit ihr an einer Weggabelung, an der man sich fragen müsse, wohin es weitergehen solle. Der Antrag der NEOS enthalte viele wichtige Punkte, etwa eine Weiterentwicklung in Richtung Prüfung der Medienkompetenz. Als richtigen Ansatz sieht sie auch, die Daten der Matura für die Weiterentwicklung der Schulen zu nutzen.

NEOS: SchülerInnen für Digitalisierung rüsten

Im Verlauf der weiteren Debatte drängte Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) darauf, in die geplante Reform nicht nur ExpertInnen, sondern auch die SchülerInnen selbst einzubinden. Eine detailliertere Offenlegung der Maturaergebnisse würde es seiner Meinung nach außerdem erleichtern, die Schuldebatte auf Basis von Daten und Fakten zu führen. Generell wichtig ist ihm mehr Schulautonomie: "Wir brauchen eine Schule, in der Vielfalt eine Rolle spielt."

Die Schule müsse Kinder in die Lage versetzen, mit der Digitalisierung umzugehen, sagte Irmgard Griss (NEOS). Sie bräuchten nicht nur entsprechende technische Kompetenzen, sondern auch die Fähigkeit, Informationen einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Sinnvoll wäre es nach Meinung von Griss auch, bei der Zentralmatura die Verwendung eines Laptops zuzulassen.

ÖVP: Kind nicht mit dem Bade ausschütten

Gertraud Salzmann (ÖVP) sprach sich dafür aus, ergebnisoffen in den Nachdenkprozess hineinzugehen. Nach dreijähriger Praxis ist es für sie jedenfalls an der Zeit, sich Vorteile und Nachteile der Zentralmatura anzuschauen. Salzmann warnte allerdings sowohl vor einem Schnellschuss als auch vor einer Abwertung der Reifeprüfung.

Auch Salzmanns Fraktionskollege Alois Rosenberger (ÖVP) äußerte sich, was den Umfang der notwendigen Reform anlangt, zurückhaltend. Man solle das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, meinte er und trat in diesem Sinn für eine kontinuierliche Weiterentwicklung, nicht aber für tiefgreifende Änderungen ein. Angesichts des hochspezialisierten Schulwesens in Österreich sieht er es insbesonders als große Herausforderung, zentralisierte Fragestellungen zu finden, die alles abdecken. Angeregt wurde von Rosenberger ein "Bonusticket" für jene MaturantInnen, die ein besonders gutes Ergebnis abliefern.

Angelika Kuss-Bergner (ÖVP) wies darauf hin, dass einige Punkte des NEOS-Antrags bereits umgesetzt seien. Hinterfragt wurden von ihr die derzeit unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den Schulen bei der Matura, in manchen Schulen würden Laptops gestattet, in anderen nicht.

FPÖ hält einzelne Vorschläge der NEOS für diskussionswürdig

Nach drei Jahren Zentralmatura könne man sagen, dass diese in den Schulen angekommen sei, hielt FPÖ-Abgeordneter Christian Schandor (FPÖ) fest. Auch die anfänglichen organisatorischen Probleme sind seiner Meinung nach inzwischen beseitigt. Notenschwankungen würden wohl immer ein Thema bleiben. Dem einen oder anderen Vorschlag der NEOS kann Schandor trotzdem etwas abgewinnen, auch eine Evaluierung der Mathematikmatura, etwa in Bezug auf Punkteverteilung und Notenschlüssel, liege auf der Hand.

Erfreut über den gestarteten Evaluierungsprozess äußerte sich Gerald Hauser (FPÖ). Man sei MaturantInnen Fairness schuldig, betonte er. Diese müssten die Chance haben, die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Wenn man Fragen stelle, die nicht verstanden werden, wie bei der diesjährigen Mathematikmatura, sei das nicht fair. Vorstellen kann sich Hauser, künftig nur Teile der Matura zentral vorzugeben, wie dies die NEOS vorgeschlagen haben.

SPÖ: Antrag der NEOS geht zu weit

Strolz: Zentralmatura vereinheitlichen und Ergebnisse für Schulentwicklung nutzen

Seit zehn Jahren gebe es die Zentralmatura, führte NEOS-Klubobmann Matthias Strolz im Rahmen der Begründung des Dringlichen Antrags aus. Grundsätzlich bestehe Einigkeit, dass sie ein vernünftiges Instrument sei, unbestritten ist für ihn aber auch, dass sie immer noch für alle Beteiligten mit Unsicherheiten behaftet ist. Mit seinem Vorschlag zu einer Reform wolle er seine parlamentarische Arbeit abschließen, sagte Strolz. Er hoffe, dass der Nationalrat das vorgeschlagene Paket weiter bearbeiten werde. Wichtig sei es, aus den Fehlern und den Pannen, die die Geschichte der Zentralmatura charakterisiert hätten, zu lernen. Heuer habe besonders das Fach Mathematik Anlass zu Beschwerden gegeben. Die mediale Wahrnehmung der Zentralmatura sei weiterhin schlecht. Es gelte, Klarheit zu schaffen, bevor der nächste Maturajahrgang antritt. Dazu reiche es nicht, an ein paar Stellschrauben zu drehen, es müsse grundlegende Änderungen geben.

Die Zentralmatura müsse abgeschlankt und vereinheitlicht werden, indem sie sich auf einen gemeinsamen Kern jener Fächer konzentriert, die zur allgemeinen Hochschulreife notwendig sind. Derzeit sei auch die Einheitlichkeit der Prüfungen nicht gegeben. Die Auswertung solle bundesweit und schultypenübergreifend extern erfolgen. Er sei mit seinen Forderungen auch nicht allein, auch ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner habe ähnliche Vorschläge zur Neustrukturierung der Matura in einen "Pflicht-" und in einen "Kürteil" gemacht.

Die Schule müsse darüber hinaus auch zeitgemäßen Anforderungen wie Medienkompetenz mehr Raum einräumen, forderte Strolz. Daher sollte auch die Nutzung des Internets und der Nachweis der Kritikfähigkeit in die Reifeprüfung integriert werden. Ein gewaltiges Potenzial ortet der NEOS-Chef außerdem für die Weiterentwicklung der Schulen. Die Reform der Matura müsste als Sprungbrett für planvolle Schulentwicklung genutzt werden. Die Zentralmatura liefere jedes Jahr viele Daten, die man für Schulentwicklung nützen sollte. Strolz verwies auch auf den in den skandinavischen Ländern praktizierten Grundsatz, dass in der Schule kein Kind beschämt werden sollte. Im Mittelpunkt müsse die Entfaltung der Kinder sowie die stetige Verbesserung der Schulstandorte stehen. Er sei zuversichtlich, dass Bildungsminister Faßmann ein Bündnispartner für die angestrebten Veränderungen sei.

Bildungsminister Faßmann sieht Zentralmatura auf gutem Weg

Die Matura sei eine wichtige Einrichtung, da sie den SchülerInnen die Hochschulreife mit einem offiziellen Dokument bescheinige, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann. Er begrüße daher die Debatte über das Thema grundsätzlich. Die mediale Diskussion spiegelt für ihn allerdings nicht die ganze Realität wider. Das Maturajahr 2018 sei kein Pannenjahr gewesen, wie der Antrag suggeriere, das gelte auch für die Mathematikmatura, betonte Faßmann. Die Zentralmatura sei mittlerweile sehr gut organisiert, die standardisierte Reifeprüfung biete eine faire Prüfung. Die Kompensationsprüfung stelle eine sinnvolle Weise dar, um schlechte Noten noch zu verbessern. Faßmann erwartet sich nach Abschluss aller Prüfungen einen normalen Maturajahrgang.

Um zu überprüfen, welche Punkte der Mathematikmatura verbessert werden könnten, habe er eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie werde überprüfen, ob man die Formulierung von Beispielen nachschärfen und das Bewertungssystem verbessern könnte. Auch der Katalog der Grundkompetenzen könnte neu bewertet werden. Außerdem sei es für ihn denkbar, die Beispiele besser an den Schultypus anzupassen. Die Arbeitsgruppe werde hier den Blick von außen einbringen, betonte der Minister.

Faßmann stimmte Strolz zu, dass die Zentralmatura wertvolles Datenmaterial bietet, das man auch den Schulen zur Verfügung stellen sollte. Vorsicht hält der Minister allerdings bei der geforderten Reduktion der Fächer geboten. Hier hätten auch die Hochschulen etwas mitzureden, was Teil der Zentralmatura sein solle. Auch die Veröffentlichung schulspezifischer Ergebnisse sei mit Vorsicht zu betrachten. Der Antrag formuliere insgesamt gute Anliegen, die sein Ressort bereits bearbeite, sagte Faßmann abschließend.

Gamon: Zweite Chance bei schriftlicher Matura statt mündlicher Kompensationsprüfung

Claudia Gamon (NEOS) teilte die Auffassung des Bildungsministers nicht, wonach die Zentralmatura nun in ruhigem Fahrwasser sei. Insbesondere die Mathematikmatura habe heuer ein Debakel geliefert. Die Sofortmaßnahmen des Ministers, wie etwa Kompensationsprüfungen, widersprechen aus ihrer Sicht den eigentlichen Zielen der Zentralmatura, sie seien zudem auch schlecht organisiert gewesen. Es sei daher wichtig, das Thema jetzt zu thematisieren, damit es nicht kommendes Jahr dieselben Probleme gebe. Ein Herunterschrauben der Ansprüche könne jedenfalls nicht die Antwort sein.

Das ursprüngliche Ziel der Zentralmatura, nämlich die Vergleichbarkeit, müsse wiederhergestellt werden, unterstrich Gamon. Unterschiedlichkeit der Schulen an sich sei aber nichts Schlechtes, sie sollte die Basis der Profilbildung sein. Die Antwort liegt für sie in einer teilzentralen Matura. Kernbereiche sollten einheitlich sein, die Schulen aber zusätzliche eigene Schwerpunkte setzen. Statt einer mündlichen Kompensationsprüfung fordert Gamon eine zweite Chance in Form einer schriftlichen Prüfung.

Taschner sieht Verbesserungsmöglichkeiten bei Mathematikmatura

ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner sieht die Zentralmatura grundsätzlich als gute Idee. Allerdings sei sie zur Spielwiese didaktische Konzepte geworden, was bei der Mathematikmatura zu Textlastigkeit und unnötiger Kompliziertheit der Beispiele geführt habe. Gleichzeitig sei nicht mehr sichergestellt, dass angehende StudentInnen in technischen Fächern auch die nötigen mathematischen Grundkenntnisse haben. Er sei Bildungsminister Faßmann dankbar, dass er die Chance ergreife, über den eingeschlagenen Weg nachzudenken und Veränderungen herbeizuführen. Taschner plädierte für einen breiten Nachdenkprozess unter Einbindung der ExpertInnen für den Mathematikunterricht. Die Matura müsse einerseits das Vorhandensein von ausreichendem Wissen überprüfen. Sie sei aber auch ein Leistungsnachweis für junge Menschen, um ihre besonderen Fähigkeiten zu beweisen.

Hammerschmid: Zentralmatura hat Kinderkrankheiten überwunden

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sieht die Ziele der Zentralmatura, nämlich Fairness, Transparenz, Objektivität und Vergleichbarkeit, weitgehend erreicht. Die Kinderkrankheiten des Systems seien grundsätzlich überwunden, sie sehe keine Veranlassung, es grundsätzlich zu verändern, wie es sich die NEOS wünschen. Alle Maturafragen würden von PraktikerInnen des Schulsystems erstellt, es gebe eine Qualitätsprüfung und Feldprüfungen, hielt sie den KritikerInnen entgegen. Der Vollausbau der Zentralmatura habe im Übrigen bisher erst drei Jahrgänge erfasst, diese sei damit ein junges Projekt, das noch weiter verbessert werde. Als Unterrichtsministerin habe sie bereits begonnen, die gewonnenen Daten für Lernprozesse zur Schulentwicklung einzusetzen, sie unterstütze dieses Projekt selbstverständlich weiter.

Mölzer: Fairness und Vergleichbarkeit der Prüfungen sichern

Das Thema Matura tauche jedes Jahr erneut auf, sagte Wendelin Mölzer (FPÖ). Eine Evaluierung sei sinnvoll, hier sollte man aber nichts übers Knie brechen. Im Vergleich zur Vergangenheit habe es keine großen Pannen gegeben. Die Textlastigkeit der Mathematikbeispiele sollte hinterfragt werden. Auch sollte mehr Rücksicht auf die verschiedenen Schultypen genommen werden. Die Schule müsse auch durchaus selektiv sein und sicherstellen, dass SchülerInnen die erforderliche Hochschulreife tatsächlich besitzen. Fairness bei den Prüfungen ist für Mölzer wichtig, die Evaluierung der Mathematikmatura solle dazu beitragen, dass die Matura auch in den nächsten Jahren gute und vergleichbare Ergebnisse liefert.

Cox: Antrag der NEOS enthält richtige Ansätze

Grundsätzliche Überlegungen zur Matura stellte Stephanie Cox an. Wenn die Matura die Reife zur Hochschule überprüfe, sehe sie einen Widerspruch zu den zusätzlichen Zugangsprüfungen an den Hochschulen. Wenn man zusätzliche Eignungsprüfungen brauche, sei die Frage zu stellen, ob die Matura noch als Hochschulreife zu bewerten sei. Die Zentralmatura sei grundsätzlich der richtige Weg, nun stehe man mit ihr an einer Weggabelung, an der man sich fragen müsse, wohin es weitergehen solle. Der Antrag der NEOS enthalte viele wichtige Punkte, etwa eine Weiterentwicklung in Richtung Prüfung der Medienkompetenz. Als richtigen Ansatz sieht sie auch, die Daten der Matura für die Weiterentwicklung der Schulen zu nutzen.

NEOS: SchülerInnen für Digitalisierung rüsten

Im Verlauf der weiteren Debatte drängte Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) darauf, in die geplante Reform nicht nur ExpertInnen, sondern auch die SchülerInnen selbst einzubinden. Eine detailliertere Offenlegung der Maturaergebnisse würde es seiner Meinung nach außerdem erleichtern, die Schuldebatte auf Basis von Daten und Fakten zu führen. Generell wichtig ist ihm mehr Schulautonomie: "Wir brauchen eine Schule, in der Vielfalt eine Rolle spielt."

Die Schule müsse Kinder in die Lage versetzen, mit der Digitalisierung umzugehen, sagte Irmgard Griss (NEOS). Sie bräuchten nicht nur entsprechende technische Kompetenzen, sondern auch die Fähigkeit, Informationen einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Sinnvoll wäre es nach Meinung von Griss auch, bei der Zentralmatura die Verwendung eines Laptops zuzulassen.

ÖVP: Kind nicht mit dem Bade ausschütten

Gertraud Salzmann (ÖVP) sprach sich dafür aus, ergebnisoffen in den Nachdenkprozess hineinzugehen. Nach dreijähriger Praxis ist es für sie jedenfalls an der Zeit, sich Vorteile und Nachteile der Zentralmatura anzuschauen. Salzmann warnte allerdings sowohl vor einem Schnellschuss als auch vor einer Abwertung der Reifeprüfung.

Auch Salzmanns Fraktionskollege Alois Rosenberger (ÖVP) äußerte sich, was den Umfang der notwendigen Reform anlangt, zurückhaltend. Man solle das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, meinte er und trat in diesem Sinn für eine kontinuierliche Weiterentwicklung, nicht aber für tiefgreifende Änderungen ein. Angesichts des hochspezialisierten Schulwesens in Österreich sieht er es insbesonders als große Herausforderung, zentralisierte Fragestellungen zu finden, die alles abdecken. Angeregt wurde von Rosenberger ein "Bonusticket" für jene MaturantInnen, die ein besonders gutes Ergebnis abliefern.

Angelika Kuss-Bergner (ÖVP) wies darauf hin, dass einige Punkte des NEOS-Antrags bereits umgesetzt seien. Hinterfragt wurden von ihr die derzeit unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den Schulen bei der Matura, in manchen Schulen würden Laptops gestattet, in anderen nicht.

FPÖ hält einzelne Vorschläge der NEOS für diskussionswürdig

Nach drei Jahren Zentralmatura könne man sagen, dass diese in den Schulen angekommen sei, hielt FPÖ-Abgeordneter Christian Schandor (FPÖ) fest. Auch die anfänglichen organisatorischen Probleme sind seiner Meinung nach inzwischen beseitigt. Notenschwankungen würden wohl immer ein Thema bleiben. Dem einen oder anderen Vorschlag der NEOS kann Schandor trotzdem etwas abgewinnen, auch eine Evaluierung der Mathematikmatura, etwa in Bezug auf Punkteverteilung und Notenschlüssel, liege auf der Hand.

Erfreut über den gestarteten Evaluierungsprozess äußerte sich Gerald Hauser (FPÖ). Man sei MaturantInnen Fairness schuldig, betonte er. Diese müssten die Chance haben, die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Wenn man Fragen stelle, die nicht verstanden werden, wie bei der diesjährigen Mathematikmatura, sei das nicht fair. Vorstellen kann sich Hauser, künftig nur Teile der Matura zentral vorzugeben, wie dies die NEOS vorgeschlagen haben.

SPÖ: Antrag der NEOS geht zu weit

Als zu weitgehend qualifizierte SPÖ-Abgeordneter Christian Kovacevic den Antrag der NEOS. Dass die Zentralmatura weiterentwickelt gehöre, sei klar, meinte er, tiefschneidende Änderungen seien aber nicht notwendig. Auch die Kritik an der diesjährigen Mathematikmatura war seiner Meinung nach überschießend. Zum Entschließungsantrag der Koalitionsparteien merkte Kovacevic an, gegen eine Evaluierung der Zentralmatura sei grundsätzlich nichts einzuwenden.

Das letzte Wort in der Debatte hatte wieder Matthias Strolz: Er zeigte sich über die konstruktive Diskussion erfreut und forderte in diesem Sinn eine stärkere Einbindung der Abgeordneten in künftige Bildungsreformen. Bei der Abstimmung wurde der Dringliche Antrag der NEOS abgelehnt, der Entschließungsantrag der Koalitionsparteien einstimmig angenommen. (Fortsetzung Nationalrat) sox/gs