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Parlamentskorrespondenz Nr. 862 vom 02.09.2020

Themenfelder:
Parlament allgemein/​Bildung
Format:
Vermischtes
Stichworte:
Parlament/​Sobotka/​Antisemitismus

NR-Präsident Sobotka: Bildung ist wesentliches Mittel gegen Antisemitismus

Sekundäranalyse der Antisemitismus-Studie 2018 des Parlaments liegt vor – Bildung und ökonomische Zufriedenheit relevante Faktoren

Wien (PK) - Mit der im Auftrag der Parlamentsdirektion von IFES – Institut für empirische Sozialforschung durchgeführten "Sekundäranalyse" der Antisemitismus-Studie 2018 des Parlaments liegt eine vertiefende Studie zur Analyse antisemitischer Einstellungen vor. "Die Studie ermöglicht durch den Einsatz statistischer Methoden und Analysen erweiterte Blicke auf die Antisemitismus-Studie 2018 bezüglich der Einflussfaktoren auf Antisemitismus", so Projektleiterin Eva Zeglovits. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Beforschung antisemitischer Stereotype: "Die vertiefende wissenschaftliche Aufarbeitung ist mir ein besonderes Anliegen. Der fundierte Blick auf die Realität antisemitischer Stereotype ist unverzichtbar für deren wirkungsvolle Bekämpfung. Wir werden daher die Antisemitismusforschung aktiv fortsetzen."

Höhere Bildung, weniger Antisemitismus

Im Rahmen der Studie wurden Dimensionen des Antisemitismus und ihre Zusammenhänge erfasst. Die Analyseergebnisse stärken die These eines latenten bzw. manifesten Antisemitismus. Die Sekundäranalyse betont auch die Bedeutung von Bildung: Wer über höhere formale Bildungsabschlüsse verfügt, äußert sich in allen Dimensionen weniger antisemitisch als formal niedriger Gebildete. "Vor diesem Hintergrund ist im Kampf gegen Antisemitismus sowohl die Arbeit mit jungen Menschen zentral, als auch die Ansprache jener, die über niedrige Bildungsabschlüsse verfügen. Bildung ist ein wesentliches Mittel im Kampf gegen Antisemitismus", erklärt Sobotka. Antisemitische Einstellungen sind zudem stärker, wenn man sich im demokratischen System nicht wohl fühlt, so die Analyse.

Wirtschaftliche Situation und Religion als Einflussfaktoren

Bei den türkisch- und arabischsprachigen Befragten der Antisemitismusstudie 2018 zeigt die Sekundäranalyse, dass die ökonomische Situation auf mehrere Dimensionen des Antisemitismus Einfluss hat. "Je zufriedener die Menschen mit der ökonomischen Situation ihres Haushalts sind, desto weniger antisemitisch denken sie", so der Analysebefund. Während Religiosität bei der Gesamtbevölkerung keine signifikante Rolle für Antisemitismus spielt, ist dies bei den Türkisch- und Arabischsprachigen – in schwach ausgeprägter Form – der Fall. Die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen liegt bei Türkisch- und Arabischsprachigen generell deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung.

Antisemitismus-Studie 2020

Die wissenschaftliche Forschung im Auftrag des Parlaments wird fortgesetzt, noch heuer startet eine weitere umfassende empirische Erhebung. Die Antisemitismus-Studie 2020 fokussiert inhaltlich auf den Einfluss sozialer Medien sowie fremdsprachiger Medien und auf die Affinität zu Verschwörungstheorien.

Die Sekundäranalyse der Antisemitismusstudie 2018 des Parlaments steht auf www.antisemitismus2018.at zum Download zur Verfügung. (Schluss) red