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Seite ' Denkmalschutz und Energieeffizienz schließen einander nicht aus (PK-Nr. 954/2020)' teilen



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Parlamentskorrespondenz Nr. 954 vom 29.09.2020

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/​Veranstaltung/​Bauten/​Denkmalschutz/​Klima/​Sobotka

Denkmalschutz und Energieeffizienz schließen einander nicht aus

Diskussionsveranstaltung "Nachhaltige Baukultur: Denkmalschutz ist Klimaschutz" im Parlament

Wien (PK) – Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und die Initiative.DENKmal.KULTUR luden gemeinsam zur Diskussionsveranstaltung "Nachhaltige Baukultur: Denkmalschutz ist Klimaschutz" ins Parlament. Sobotka betonte in seiner Eröffnungsansprache, dass Energieeffizienz im Bereich des Denkmalschutzes leichter zu erreichen sei, als dass Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden könnten, denn historische Bauten seien per se ökologisch. Der Ruf nach Differenzierung, der Erhalt von Kulturgut auf der einen Seite und Nachhaltigkeit auf der anderen Seite seien zentrale Anliegen im Denkmalschutz, so der Nationalratspräsident. Martin Böhm, Sprecher der Initiative.DENKmal.KULTUR appellierte in seinem Statement, dass Denkmalschutz sowohl die Bevölkerung als auch die EigentümerInnen brauche.

Normen: Regeln oder Hindernisse?

Böhm forderte, dass Normen "ein bisschen flexibler" ausgelegt werden müssten und kein Druck auf die EigentümerInnen ausgeübt werden dürfe. Burghauptmann Reinhold Sahl meinte dazu, dass Normen sich oftmals widersprechen würden und der Freiraum bei der Sanierung von Objekten dadurch geringer werde. "Es gibt keine Norm, die so woanders auch funktionieren würde", so Sahl, man müsse klein anfangen, es gebe keine standardisierten, sondern nur individuelle Lösungen. Als Beispiel für einander ausschließende Normen nannte Sahl die beiden Hauptschwerpunkte beim Denkmalschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Sahl hielt in seiner Keynote "Historische Objekte - Energiefresser oder das Gegenteil?" zudem fest, dass der Wert von historischen Objekten für die Kultur sehr hoch sei und dass ein Objekt, das man unter den Glassturz stellt, erst recht einen Angriffspunkt darstelle. Wenn man es schaffen würde, die Normenvielfalt wegzubekommen, wäre ein großes Problem gelöst, so der Burghauptmann. Architekt András Pálffy nannte als Beispiel dafür die Brandschutzverordnungen in historischen Gebäuden.

Energieeffizienz oder Energiefresser?

Historische Objekte seien keine Energiefresser, so Sahl, das Gegenteil sei der Fall. Die Verwendung von naturnahen, lokal verfügbaren Baumaterialien seien das Kennzeichen heimischer Baukultur, sagte er. Zudem sei der lange Lebenszyklus ein Garant für Nachhaltigkeit. Sahl nannte als Beispiel die Alte Burg, die bereits über 700 Jahre alt ist. Er gab zu bedenken, dass auch ein Gebäudeabriss energieintensiv sei, in Lebenszyklen denken sei die Kernaufgabe.

Der Burghauptmann führte auch aus, dass das Arbeiten an der Gedankenwelt in diesem Zusammenhang wichtig sei, denn beispielsweise führe ein energieeffizientes Haus erst recht dazu, dass man mit Energie leichtfertig umginge. Bei der Sanierung von historischen Objekten seien nicht so sehr die handwerklichen Fähigkeiten gefragt, sondern eher Managementqualitäten. So würde etwa die Optimierung von Heizungspumpen eine Einsparung von rund 30% bringen oder etwa eine entsprechende Beschichtung von Blechdächern zu einer nachfolgenden Kühlung führen.

Der Abgeordnete der Grünen und Obmann des Umweltausschusses, Lukas Hammer, wies darauf hin, dass sich der Energieverbrauch in den letzten 10 Jahren verdoppelt habe, dass aber gleichzeitig der Denkmalschutz herangezogen würde, wenn es etwa darum gehe, Hausdächer in Bergdörfer mit Fotovoltaikanlangen auszustatten.

Aus der Geschichte lernen

Sahl forderte, aus der Bauweise historischer Objekte zu lernen. Wichtig sei es, das Wissen von damals in die heutige Zeit zu transferieren. Die Digitalisierung würde eine Chance bieten und die Möglichkeit, die Systeme zu beherrschen. Dem schloss sich auch Astrid Huber, die Leiterin des Informations- und Weiterbildungszentrums Baudenkmalpflege der Kartause Mauerbach an. Es sei wichtig, bautechnisch richtig zu arbeiten, damit Gebäude in die Zukunft gerettet werden können, sagte Huber. Moderne Materialien seien meist nicht kompatibel mit altem Material, so Huber, das Motto müsse "Care and repair" sein.

Lukas Hammer bezeichnete Denkmäler als "Quellen, die zeigen, wie man bauen kann" und wies darauf hin, dass bei historischen Objekten 95% des Bauschuttes wiederverwendet werden könne, was vergleichsweise etwa bei modernen Gebäuden nur bei zirka 5% der Fall sei. Architekt András Pálffy betonte die Wertschätzung für historische Gebäude und wies darauf hin, dass der Erhalt auch ein Mittel gegen die Bodenversiegelung durch zu starken Neubau sei. Vieles, so Pálffy, sei auch eine Einstellungsfrage.

Die Rolle der Politik

Hammer wies darauf hin, dass PolitikerInnen die Rahmenbedingungen festlegen müssten. Eine der entscheidenden Fragen sei auch, den Normierungsprozess transparenter zu machen. Eine steuerliche Absetzbarkeit müsse diskutiert werden, ebenso sozial verträgliche Anreize im Steuersystem. (Schluss) ibe

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Rückschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie auf der Website des Parlaments.