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Parlamentskorrespondenz Nr. 931 vom 23.07.2021

Themenfelder:
Kultur/​Kunst
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/​Berichte/​Kogler/​Mayer

Kunst- und Kulturbericht zeigt Umfang der Fördermaßnahmen für den Kulturbereich im Pandemiejahr 2020

Reguläres Budget für Kunst und Kultur stieg 2020 auf 447 Millionen Euro

Wien (PK) – Der Kunst- und Kulturbericht über das Jahr 2020 sei "nicht nur ein Bericht über Lockdowns und eingeschränkten Betrieb, Verschiebungen und Absagen, sondern auch einer über die Energie und Kreativität, mit der sowohl Künstlerinnen und Künstler als auch die Kulturinstitutionen in unserem Land auf diese Pandemie reagiert haben", halten die Staatssekretärin für Kunst und Kultur, Andrea Mayer, und Vizekanzler Werner Kogler, Bundesminister für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, in ihrem gemeinsamen Vorwort fest (III-375 d.B.). In den intensiven, arbeitsreichen und herausfordernden Monaten seit den Tagen des ersten Lockdowns im März 2020 hätten Kunst und Kultur mit Kreativität und Einfallsreichtum selbst während der Lockdowns Wege zum Publikum gesucht und gefunden, heben Staatssekretärin Mayer und Vizekanzler Kogler hervor. Zudem habe die Bundesregierung bereits 2020 begonnen, über die Zeit nach der Pandemie nachzudenken und Maßnahmen aufzusetzen, um den Neustart 2021 zu unterstützen.

Budget für Kunst und Kultur 2020 weiter gestiegen

Auf rund 447 Mio. € belief sich laut dem Kunst- und Kulturbericht 2020 das reguläre Budget für Kunst- und Kulturförderungen im Vorjahr. Damit lag es über dem Budget von 2019 von rund 439,46 Mio. €. Dazu kamen 2020 noch zusätzliche Budgetmittel in dreistelliger Millionenhöhe aus dem Covid-19-Krisenbewältigungsfonds der Bundesregierung. Insgesamt wurden für den Kulturbereich 221,13 Mio. € in diesem Hilfsfonds budgetiert. Zum 31. Dezember 2020 waren davon bereits rund 146,77 Mio. € ausbezahlt worden. Die Zahlungen gingen direkt an KünstlerInnen sowie an die Bundesmuseen, an die Nationalbibliothek und an den Bundestheater-Konzern. Unterstützt wurden auch Non-Profit-Organisationen im Bereich Kunst, Kultur und Denkmalpflege. Dazu kamen noch Mittel, die Kunst- und Kulturinstitutionen über breitere Wirtschaftshilfen wie den Härtefallfonds, den Fixkostenzuschuss oder den Lockdown-Umsatzersatz abrufen konnten, sowie zusätzliche Gelder aus dem Budget der Kunst- und Kultursektion für Bereiche wie Film, Verlagswesen oder Kinos. Die Kunst- und Kulturbranche konnte auch von den allgemeinen Maßnahmen wie der Kurzarbeit, der Mehrwertsteuersenkung, der Gutscheinlösung für abgesagte Veranstaltungen und geschlossene Kultureinrichtungen, dem Verlustrücktrag und -ersatz, den staatlichen Garantien und der Möglichkeit von Ratenzahlungen und Stundungen im Steuer- und Sozialversicherungsbereich profitieren.

Aufschlüsselung der Kunst- und Kulturförderungen nach LIKUS-Systematik

Der Kunst- und Kulturbericht 2020 stellt die umfangreiche Tätigkeit der Sektion für Kunst und Kultur im Bundeskanzleramt vor. Um größtmögliche Transparenz über den Einsatz der Fördermittel zu erreichen, schlüsselt der jährlich erstellte Bericht die Unterstützungsleistungen des Bundes für Kunst und Kultur in Österreich im Detail auf. Um eine Vergleichbarkeit des Budgets für die einzelnen Bereiche über die Jahre hinweg zu gewährleisten, ordnet der Kunst- und Kulturbericht die Förderungen nach der auch von der Statistik Austria und den Bundesländern verwendeten LIKUS-Systematik (Länderstatistik Kulturinitiative) ein.

Zu den besonders großen Förderbereichen der österreichischen Kunst- und Kulturpolitik zählten nach den LIKUS-Kategorien die Musik mit 9.338.063,45 € (2019: 9.051.510,80 €) und die darstellende Kunst, worunter auch die Förderungen an die Bundestheater fallen, mit 187.747.978 € (2019: 185.561.834 €). Die bildende Kunst und Fotografie wurden 2020 mit 9.438.824,85 € gefördert (2019: 9.568.168,88 €). Für Film, Kino und Medienkunst stellte der Bund im Berichtsjahr 27.543.917,11 € bereit (2019: 26.305.898,57 €). An Kulturinitiativen gingen 4.817.792,68 € (2019: 4.794.643,32 €). Für internationalen Kulturaustausch wurden 1.097.528 € aufgewendet (2019: 1.644.484,06 €). In Festspiele und Großveranstaltungen flossen 17.236.029 € (2019: 14.842.100 €).

Weiters erhielten Museen, Archive und Wissenschaft 2020 insgesamt 114.864.017,69 € (2019: 113.212.204,80). Baukulturelles Erbe und Denkmalschutz wurden mit 32.192.343,94 € gefördert (2019: 31.607.749,69 €), Heimat- und Brauchtumspflege mit 503.500 € (2019: 502.000 €). Im Bereich der Literatur flossen 10.991.138,30 € (2019: 10.220.054,97 €) für vielfältige Unterstützungsmaßnahmen wie Förderungen für Vereine, Veranstaltungen und Projekte, Publikationsförderung, Stipendien und Prämien, Literaturübersetzung und Preise. Das Bibliothekswesen wurde mit 28.150.253,73 € (2019: 29.460.836,09 €) und der Bereich Presse mit 972.464,00 € gefördert (2019: 919.904 €). Für soziale Maßnahmen wendete der Bund 2.120.130,20 € auf (2019: 1.765.238,92 €). In Summe ergab sich daraus ein Kunst- und Kulturbudget von 447.013.980,95 € für 2020 (2019: 439.456.628,10 €).

Gender Budgeting: Frauen konnten bei Förderungen zu Männern aufschließen

Um die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit bei der Verteilung der Kunstförderungsmittel zu beantworten, werden seit dem Jahr 2007 finanzielle Transferleistungen, die direkt an einzelne Künstlerinnen und Künstler gehen, nach genderbezogenen Kriterien ausgewertet. Das umfasst sowohl Stipendien und Projekte als auch Zahlungen für Kunstankäufe, Preise und Prämien. Zusätzlich wird die Besetzung von Beiräten und Jurys, die in der Kunstförderung aktiv sind, nach Gender erhoben.

Beim Verhältnis der Förderverteilung zwischen Männern und Frauen zeigt sich laut dem Kunst- und Kulturbericht über die letzten Jahre tendenziell eine Verschiebung zugunsten der Frauen. Im Jahr 2020 hat sich bei den Förderungen von Einzelpersonen das Verhältnis sogar erstmals umgekehrt. 2020 wurden 1.430 Finanzierungen von Einzelpersonen mit einem Gesamtaufwand von € 7.972.662 bewilligt. Davon gingen 665 Finanzierungen (47%) an Männer, 765 Finanzierungen (53%) an Frauen. In absoluten Zahlen sind das € 3.579.554 (45%) an Männer und € 4.393.108 (55%) an Frauen. Pro Finanzierung wurden für Männer durchschnittlich € 5.383, für Frauen € 5.743 aufgewendet.

Im Vergleich dazu gingen 2019 von insgesamt 1.399 Einzelförderungen mit 7.697.801 € Gesamtaufwand 700 Finanzierungen an Männer und 699 an Frauen, womit sich in diesem Berichtsjahr erstmals seit Erhebungsbeginn 2007 ein de facto ausgewogenes Verhältnis Männer/Frauen von 50% zu 50% ergab. Was die durchschnittliche Finanzierung pro Person angeht, waren bis 2019 Frauen noch leicht im Nachteil. Im Berichtsjahr 2019 wurden für Männer durchschnittlich 5.535 €, für Frauen 5.470 € aufgewendet. (Schluss) sox