Bundesrat Stenographisches Protokoll 624. Sitzung / Seite 43

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die Aktion "Töchter können mehr" wieder ins Leben gerufen wird, möchte ich ihr sagen, daß die ganze Aktion wahrscheinlich nichts nützen wird oder nutzlos sein wird, wenn nicht von der Wirtschaft gleichzeitig die entsprechenden Lehrplätze angeboten werden. Denn wo nichts ist, wo keine Lehrplätze vorhanden sind, kann man auch mit einer solchen Aktion keine schaffen!

Hohes Haus! Die Arbeitslosigkeit Jugendlicher stellt ein gesellschaftliches Problem dar und muß eine gesellschaftspolitische Herausforderung erster Ordnung sein, denn die Jugendarbeitslosigkeit von heute ist die Sockelarbeitslosigkeit von morgen. Das Problem Jugendarbeitslosigkeit muß lösbar sein! Der Rückzug der österreichischen Betriebe aus der Lehrlingsausbildung muß gestoppt werden!

Ich habe bereits von den neuen Rahmenbedingungen gesprochen. Was wir aber weiters dringend brauchen, ist ein neues Image, ein neuer gesellschaftlicher Stellenwert für Lehrlinge, für Facharbeiter, für Ausbildner in Betrieb und Schule, aber vor allem auch eine Anerkennung der bedeutenden Ausbildungsleistungen unserer Betriebe für unsere Jugend.

Der gesellschaftliche Stellenwert ist für mich deshalb so wichtig, weil die Zahl der neuen Lehrberufe in den letzten Jahren äußerst niedrig war. Wir sind einerseits mit einem qualitativen Rückgang bei den traditionellen Lehrberufen konfrontiert, andererseits kommen keine oder fast keine neuen Lehrberufe nach. Die Lehre wurde und wird auf die traditionellen Wirtschaftsbereiche zurückgedrängt. Eine Anpassung an die neue Arbeitswelt hat kaum oder gar nicht stattgefunden.

Heute haben wir in der Fragestunde von der Frau Bundesministerin erfahren, daß gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium ein Schwerpunkt gesetzt wird, um die neue technologische Arbeitswelt vermehrt in die Lehrlingsausbildung einzubeziehen. Ich hoffe, daß diese Chance von den Eltern und Jugendlichen angenommen wird, gleichzeitig hoffe ich aber auch, daß Bereitschaft auf seiten der Unternehmen besteht, entsprechende Lehrplätze anzubieten.

Meine Damen und Herren! Wir leben in einer Zeit der Hektik, des Umbruchs und des Wandels, die viele Probleme, aber auch neue Chancen bringt. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, zu erkennen, daß politische Lösungen viel sensibler angegangen werden müssen. Unsere Gesellschaft braucht nicht für alles und jedes ein Gesetz, das alles genau normiert und vorschreibt und damit jeden Handlungs- und Entscheidungsspielraum einschränkt. (Beifall bei der ÖVP.) Wir brauchen vielmehr neue Rahmenbedingungen, die Entscheidungen und Entwicklungen zulassen und von der Verantwortung, vor allem von der sozialen Verantwortung des einzelnen gegenüber dem anderen, getragen sind. Auch diesen Bewußtseinsbildungsprozeß haben wir in einer Zeit des Wandels zu verstärken.

Hohes Haus! Abschließend möchte ich noch auf die Beteiligung von Berufsschülern am Programm "Leonardo da Vinci" zurückkommen. Im Ausschuß haben wir erfahren, daß alle vier Teilbereiche der vorgesehenen Gemeinschaftsmaßnahmen im Rahmen dieses LEONARDO-Programms von den österreichischen Berufsschülern voll angenommen wurden und daß im letzten Jahr sogar Mittel umgeschichtet werden mußten, um den Wünschen der Teilnehmer nachkommen zu können. Dieses Interesse zeigt, daß unsere Jugend die Notwendigkeit erkannt hat, über die nationalen Grenzen hinaus europäische Angebote und Möglichkeiten der Berufsausbildung anzunehmen.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Das gesamte Programm "Leonardo da Vinci" läuft mit 31. Dezember 1999 aus. Ich hoffe sehr, daß dieses Programm weitergeführt werden kann, und wünsche mir im Interesse unserer jungen Menschen, daß in Zukunft noch mehr das füge ich vorsichtig hinzu solcher Möglichkeiten geschaffen werden, und zwar verstärkt für alle Bereiche: für Lehrlinge, Schüler, Studenten und alle anderen, die Interesse und Bedarf daran haben.

Frau Bundesministerin! Vielleicht könnte die entscheidende Weichenstellung dafür bereits im kommenden Jahr erfolgen, wenn Österreich die Präsidentschaft in der EU übernommen hat und Sie als zuständige Ressortministerin in diesem Bereich den Vorsitz führen. Die internationalen Erfahrungswerte können für den jungen Menschen neben den beruflichen Entwicklungs- und


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