Bundesrat Stenographisches Protokoll 630. Sitzung / Seite 79

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Ich bringe dazu ein Beispiel: Der Europarat schreibt immer wieder Wettbewerbe für Schulen aus, um das Interesse der Jugend für Europa zu wecken. Aus einem solchen Filmwettbewerb sind heuer auch drei höhere Schulen aus Österreich als Preisträger hervorgegangen. Abordnungen dieser Schulen, Schüler und Lehrer, aus dem Burgenland, aus Kärnten und der Steiermark wurden nach Straßburg eingeladen und konnten an Ort und Stelle die Arbeit des Europarates beziehungsweise auch die Stadt Straßburg näher kennenlernen.

Das Besuchsprogramm umfaßte unter anderem eine Einladung beim Botschafter, ein Führung durch das Europapalais, die Teilnahme an einer Plenarsitzung, Gespräche mit Mitgliedern der österreichischen Delegation und vieles andere mehr. Peter Schieder als unser Delegationsleiter hat unsere Gäste herzlich begrüßt und sie kurz über die Tätigkeit des Europarates informiert. Die ebenfalls anwesenden weiteren Mitglieder  ich weiß nicht, ob Frau Kollegin Dr. Riess auch dabei war, ich kann mich nur an Dr. Schwimmer und Kollegen erinnern  führten einen intensiven Dialog mit den Lehrern und Schülern. Es war ein wirklich interessantes Frage- und Antwortspiel.

Kurz nach meiner Rückkehr aus Straßburg las ich dann in einer Zeitung einen Bericht über die Reise einer dieser ausgezeichneten Preisträger-Schulen. Es wurde vom Europaparlament gesprochen, das sie besichtigt hätten, von den EU-Parlamentariern, mit denen sie einen Dialog geführt hätten und vielem anderem mehr. Es wurde in diesem Bericht wirklich alles verwechselt, wobei zu erwähnen ist, daß dieser Bericht von den Schülern beziehungsweise Lehrern dieser höheren Schule selbst verfaßt wurde.  Warum sage ich all das?

Meine Damen und Herren! Ich sage das deshalb, weil ich glaube, daß die Bevölkerung in Österreich viel zu wenig Informationen über Europa bekommt. Es werden zwar bestimmte Europathemen, die die Menschen vor Ort betreffen und direkt berühren, wie zum Beispiel die Einführung des Euro, die gemeinsame Sicherheitspolitik oder Beschäftigungspolitik, überall sehr intensiv diskutiert. Europa ist aber viel mehr! Wir müssen daher versuchen, die Begeisterung für Europa auch auf anderen Ebenen zu wecken, vor allem betreffend die Jugend und deren Chancen in der Zukunft.

Ich denke mir, daß in diesem Zusammenhang vor allem auch dem ORF eine besondere Stellung im Rahmen seines Bildungsauftrages zukommen müßte. Im zuständigen Ausschuß für Bildung und Kultur ist verstärkt zum Ausdruck gekommen, daß in manchen Ländern dieser Bildungsauftrag des staatlichen Rundfunks stark vernachlässigt wird, und ich stehe nicht an zu sagen, daß sich auch Österreich darunter befindet. In vielen anderen Ländern gibt es im Fernsehen verschiedenste Sendungen, die sich mit Europa beschäftigen, die auch bestimmte Regionen in den medialen Mittelpunkt stellen beziehungsweise deren Aktivitäten mit Regionen in anderen Ländern aufzeigen.

Gelingen könnte uns das aber auch über die Gemeinden. Als Mitglied des Ausschusses für die Verleihung von Europadiplomen und Ehren-Europafahnen hatte ich heuer mehrmals die Möglichkeit, an solchen Verleihungen teilzunehmen, beziehungsweise konnte ich in einer Gemeinde in Bayern selbst diese Europafahne für besondere Aktivitäten auf dem Gebiet des Jugend- und Kulturaustausches mit anderen Ländern übergeben. Dabei war es für mich erfreulich, feststellen zu können, mit welcher Begeisterung in manchen Orten für das gemeinsame Europa gearbeitet wird.

Österreichische Gemeinden sind bei den Bewerbungen um solche vom Europarat verliehene Preise nur sehr spärlich vertreten. Es gibt zwar sehr viele Gemeinden in Österreich, die bereits seit vielen Jahren Partnerschaften mit Gemeinden in allen Teilen Europas haben. Diese erbringen meist die notwendigen Voraussetzungen für ein Europadiplom aufgrund von verschiedenen gegenseitigen Besuchen von Kultur- und Sportvereinen beziehungsweise auch von Schüleraustauschprojekten. Ich glaube, es wäre angebracht, gegebenenfalls über den Städte- und Gemeindebund, vermehrt auf diese Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Denn gerade auf dieser Ebene ist die Idee "Europa" noch am wenigsten aufgegriffen worden. Europaratsauszeichnungen auch auf der Ebene der Gemeinden würden viel zu einer Begeisterung für Europa beitragen, da sich die Begegnungen ja vor Ort abspielen.


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