Bundesrat Stenographisches Protokoll 637. Sitzung / Seite 147

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wurde binnen Jahresfrist nach den Donau-Auen der zweite Nationalpark in Niederösterreich "amtlich".

Neben den regionalpolitischen Vorteilen des Nationalparks tragen Initiativen wie dieses bilaterale Projekt dazu bei, die jahrzehntelange Erstarrung an den Grenzen zu den Reformländern aufzuweichen. Denn neben der Verantwortung, die Naturjuwele des Landes zu erhalten, sind die Zukunftsperspektiven für die Region, die vier Jahrzehnte durch den Eisernen Vorhang ins Abseits gedrängt war, sehr wichtig. Durch 30 bis 50 Millionen Schilling zusätzliche Kaufkraft jährlich sind wichtige Impulse zu erwarten. Diese erwartete Umwegrentabilität und der wirtschaftliche Nutzen für die Region sprechen eindeutig für den Nationalpark. Immerhin sind mittel- bis langfristig 40 000 bis 110 000 Besucher beziehungsweise Tagesgäste pro Jahr und 6 000 bis 12 000 Nächtigungen mit entsprechenden zusätzlichen Umsätzen in der Region zu erwarten.

Das Nationalparkgesetz soll am 1. Jänner 1999 in Kraft treten. Die für die Verwaltung des Areals zuständige Nationalparkgesellschaft wird am 1. Jänner 1999 eingesetzt, und die Eröffnung ist für Anfang 2000 geplant. Der Nationalpark Thayatal soll in der Anfangsphase 1 330 Hektar umfassen und später auf bis zu 1 700 Hektar anwachsen. Ab Anfang 2000 werden auch die Zoneneinteilung und die Grenzen des Nationalparks Thayatal gelten. Die Verwaltung des Nationalparks übernimmt eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, deren Anteile der Bund und das Land Niederösterreich je zur Hälfte halten.

Diese Nationalparkgesellschaft Thayatal GesmbH soll die Errichtung und Verwaltung des Nationalparks Thayatal durchführen und wird mit 1. Jänner 1999 gegründet. Geplant ist, einen regionalen Beirat einzurichten. Die Errichtungskosten werden mit bis zu 12 Millionen Schilling festgelegt, der laufende Betrieb darf höchstens 8 Millionen Schilling pro Jahr kosten. Die jährlichen durchschnittlichen Kosten für den laufenden Betrieb des Nationalparks Thayatal werden für den Bund rund 4 Millionen Schilling betragen.

"Das Thayatal zählt zu den letzten naturnahen Tallandschaften Mitteleuropas", heißt es in einem Gutachten von Gerhard Heiss, Mitglied der internationalen Nationalpark-Kommission. "Das Gebiet hebt sich unter den bestehenden europäischen Nationalparks einzigartig durch das geomorphologische Phänomen eines beeindruckend ausgeprägten Umlaufberges heraus, das bisher noch mit keinem europäischen Nationalpark geschützt ist", wird in der IUCN-Studie ausgeführt. Das Thayatal verdient also als Teil des weltweiten Naturerbes höchsten Schutz. Auch wegen der Vielzahl an Lebensräumen und des großen Artenreichtums  im Thayatal wurden über 700 Pflanzenarten und über 80 Brutvogelarten, darunter der so seltene Schwarzstorch, nachgewiesen  wurde das Gebiet als nationalparkwürdig eingestuft.

Hier heimische Vertreter gefährdeter Tierarten sind unter anderem der Fischotter, der Wanderfalke, der Wespenbussard, die Äskulapnatter, die Smaragdeidechse sowie mehrere Käfer- und Schmetterlingsarten, darunter der Thayatal-Apollofalter. Zu den seltenen Pflanzenarten gehören Orchideenarten wie das Kleine Knabenkraut und das Brand-Knabenkraut, die auf ebenfalls selten gewordenen Trockenrasen wachsen. Im Thayatal ist die Vielfalt der Lebensräume auf engstem Raum beachtlich. Sie reicht von flußbegleitenden Augehölzen und Wiesen über verschiedene Typen von Laubmischwäldern bis hin zu Komplexen aus Felsfluren, Trockenrasen und Gebüschen.

Aus raumordnungspolitischer Sicht kommt dem Nationalpark Thayatal als wichtigem Imageträger der Region zentrale Bedeutung zu. Hardegg ist mit 80 Bewohnern und 125 Häusern Österreichs kleinste Stadt (Bundesrat Meier: Falsch!), blickt aber auf eine kulturhistorisch sehr interessante Vergangenheit zurück. Die Großgemeinde Hardegg besteht aus neun Gemeinden und hat zusammen 1 800 Einwohner. Neben den touristischen Attraktionen der Nationalparkregion auf österreichischer Seite  Burg Hardegg, Schloß Riegersburg, Stadt Retz, Stift Geras  sind auch Ausflugsziele auf tschechischer Seite  Burg und Stausee Vranov, Stadt Znajm  in der Regionalentwicklung von Interesse.

Bereits seit Jahren liegt eine gemeinsame Rad- und Wanderkarte auf. Schon jetzt gibt es innerhalb der Region mehrere Aktivitäten, die sich die Förderung von qualitätsorientiertem Fremden


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