Bundesrat Stenographisches Protokoll 649. Sitzung / Seite 73

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Da muß ich wieder ein Lob an Ihren Herrn Dr. Piller  er ist gerade hier  aussprechen. Vor drei Jahren habe ich mit verschiedensten Hoteliers in Ihrem Ressort vorgesprochen, und ich kann nur sagen, sehr viele Sanierungen von Betrieben wären gelungen, volkswirtschaftliches Kapital wäre nicht in den Sand gesetzt worden, hätte sich Herr Dr. Piller durchgesetzt. Die Banken waren immer diejenigen, die einer erfolgreichen Sanierung im Wege gestanden sind. Noch einmal herzlichen Dank an Ihr Ministerium.

Der zweite Punkt sind für mich die zu kurzen Saisonzeiten. Sie haben das heute  auch dem Bericht in der "Presse" war dies so zu entnehmen  ebenfalls erkannt, dies hängt nämlich unmittelbar zusammen. Das ist natürlich der Grund, aus dem die Betriebe nicht mit den Kosten zurechtkommen. Die Betriebe haben zwölf Monate Kosten zu tragen, haben aber teilweise, egal ob Sommer- oder Winterbetrieb, nur drei bis vier Monate aktive Saison. Die wenigsten Betriebe sind Zweisaisonenbetriebe. Aus diesem Grund muß ich sagen, die einzig rentablen Hotelbetriebe sind die Stadthotels, die Kur- oder die sonstigen Ganzjahresbetriebe. Diese haben zumindest die Chance, aufgrund der Erträge die Kosten in den Griff zu bekommen.

Aber ich glaube, überall dort, wo die Chancen schlecht sind, ist man gezwungen umzudenken, was wiederum positiv ist. So kommt es nicht von ungefähr, daß sehr erfolgreiche Hoteliers gerade diejenigen waren, deren Hotels nicht eine Traumlage direkt am Wörthersee, gleich vorne am Ufer, oder direkt an der Schipiste hatten. Da hat man sich nämlich in den fetten siebziger und achtziger Jahre  ich weiß es von uns  sehr leichtgetan. Die Betriebe waren ohnehin ausgebucht. Diejenigen, die etwas abseits waren, haben sich da schon einiges überlegen müssen.

So ist etwa die Babyregion mit Siegi Neuschitzer bei uns in Kärnten nur aufgrund einer schlechten Lage entstanden. Man denkt einfach nach, was man an einem solchen Standort machen kann, um eine längere und gute Auslastung zu haben.

Herr Minister! Es sollte nicht Ihre Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß der Tourismus eine Saisonverlängerung erfährt. Das wäre unmöglich, da wären wir Touristiker selbst gefordert.

Die Ist-Situation sollen oder müssen wir zur Kenntnis nehmen und einfach darauf aufbauend Tourismus betreiben. Oder wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß sich eben einiges verändert hat. Wie ich vorhin schon erwähnte: Betten allein reichen nicht mehr, sondern Freundlichkeit, Innovation und vielleicht auch ein neuer Einstieg- oder Aufbruchgedanke sind notwendig.

Somit bin ich jetzt beim dritten Punkt, der für die schlechte Situation verantwortlich ist, das ist die Ertragsschwäche der Tourismusbetriebe. Das heißt, die Kosten in den Betrieben stehen in keiner Relation mehr zu den Erträgen. Ich weiß schon, daß der Markt nicht unbedingt die Erträge liefern kann, die der Betrieb brauchen würde, also muß man versuchen, das irgendwie in Einklang zu bekommen. Man könnte jetzt natürlich sagen, daß Österreich hohe Wettbewerbsnachteile hat wie eben  fangen wir wieder bei den alten Dingen an  die Getränkesteuer und die Anzeigensteuer diese ärgert mich persönlich übrigens auch sehr, denn eine Anzeigensteuer für Werbung ist wirklich einzigartig in Europa , die zu hohen Lohnnebenkosten und so weiter, also all die Faktoren, die Sie, Herr Minister, teilweise beeinflussen oder verbessern könnten. Wir hoffen eben weiterhin darauf, daß Sie auch in diesen Bereichen etwas machen werden.

Jedoch selbst wenn all diese Kosten zumindest auf einem einheitlichen europäischen Niveau wären, gäbe es immer noch Wettbewerbsnachteile, und zwar horrende Energiekosten, Stromkosten, Abwasser-, Kanalkosten und so weiter. Wir stehen aber im Wettbewerb mit Ländern, die diese Kosten eben nicht oder zu einem geringeren Anteil haben. Die Heizungskosten auf den Kanarischen Inseln oder in Kuba sind, so meine ich, gleich Null. Wenn ich in Hamburg in den Flieger steige und nach Kuba fliege, wird es mich genauso viel kosten, wie wenn ich ins Auto steige und zum Schiurlaub nach Österreich fahre, zumindest was die Spritkosten betrifft.

Aber die Chancen auf dem Markt sind mehr als nur intakt für den österreichischen Tourismus, da, wie ich meine, die Möglichkeit, Schnee vorzufinden und Schi zu fahren, eher begrenzt ist.

Ich habe einen sehr interessanten Artikel eines von mir sehr geschätzten Werbegurus, nämlich Dr. Puttner von Puttner & Bates, gelesen, der für Kärnten folgendes als Marketingüberlegung


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