Bundesrat Stenographisches Protokoll 650. Sitzung / Seite 38

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Ich möchte Sie, sehr geschätzte Damen und Herren, auch bitten, in der politischen Debatte zum Sanitätergesetz klarzustellen, daß es dabei in keiner Weise darum geht, Ehrenamtlichkeit zu erschweren oder in Frage zu stellen oder in irgendeiner Form zu behindern. Im Gegenteil, es geht darum, den Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen sowie den Organisationen im Sinne der Patienten eine ordentliche Rechtsgrundlage zu liefern, damit alle ihre Tätigkeit auch rechtlich abgesichert, qualitativ und mit entsprechender Ausbildung ausüben können. Den Eindruck zu erwecken, daß alle im Sanitätsdienst Tätigen ein Ausbildungsvolumen von 1 600 Stunden benötigen würden, ist eine bewußte Falschmeldung, eine bewußte Irritation. Diese sogenannten 1 600 Stunden bedeuten das maximale Ausmaß an Ausbildungsquantität für einen kleinen Prozentsatz, die hauptamtlich ganz spezifisch in diesem Bereich tätig sind.

Ich halte es für ein ganz wichtiges Gesetz und bitte Sie daher wirklich um Ihre Unterstützung dabei, die sachliche Diskussion so weiter zu führen, daß wir zu einem guten Ergebnis kommen können.

Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach: Danke, Frau Bundesministerin.

Wünschen Sie eine Zusatzfrage?  Bitte.

Bundesrätin des Bundesrates Irene Crepaz (SPÖ, Tirol): Ja! Meine Zusatzfrage geht in Richtung Arbeitsplätze.

Frau Ministerin! Welchen Stellenwert werden denn die Gesundheitsberufe in Zukunft, im Hinblick eben auf neue Arbeitsplätze haben?

Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach: Bitte, Frau Bundesministerin.

Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales Eleonora Hostasch: Sehr geschätzte Damen und Herren! Ich gehe wie auch andere Kolleginnen und Kollegen davon aus, daß die demographische Entwicklung in unserer Bevölkerung die Annahme zuläßt, daß gerade in den Gesundheitsberufen zusätzlicher Bedarf entstehen wird, und daher sehen wir dort zusätzliche Beschäftigungschancen. Man muß jedoch gerade bei Gesundheitsberufen darauf verweisen, daß jene Damen und Herren, die sich für einen derartigen Beruf entscheiden, auch die entsprechende Persönlichkeit, Charakter, auch Kraft und die innere Einstellung haben müssen, denn jeder, der schon einmal in diesem Bereich gearbeitet hat, weiß, was es bedeuten kann, andere zu pflegen, zu betreuen, mit aufgrund ihrer Verfassung schwierigen Personen zu Rande zu kommen. Dazu gehören nicht nur Idealismus, sondern auch die entsprechende Ausbildung und Eignung.

Auf den Punkt gebracht: Ich sehe zusätzliche Chancen, und wir haben auch eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die erarbeiten soll, welche Voraussetzungen wir zusätzlich zu schaffen haben, um diese neuen Berufschancen zu nützen.

Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach: Danke, Frau Bundesministerin.

Eine weitere Zusatzfrage wird von Herrn Bundesrat Dr. Königshofer gestellt.  Bitte.

Bundesrat DDr. Franz Werner Königshofer (Freiheitliche, Tirol): Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Im Bereich der Gesundheitsberufe herrscht die Tendenz zu immer höheren Qualifizierungen  siehe Sanitätergesetz, ich verweise auch auf das Hebammengesetz, eines der ersten Gesetze, welches ich hier im Bundesrat miterleben durfte und in dem verlangt wird, daß eine Hebamme mindestens Maturaniveau haben, eine dreijährige Hebammenakademie besuchen muß und so weiter. Diese Höherqualifizierung bedingt aber dann auch eine Verteuerung dieser Leistungen der qualifizierten Personen und führt zu Kostenerhöhungen für die Träger der Anstalten, die diese Leistungen zu bezahlen haben. Diese Höherqualifizierungen und Kostenerhöhungen werden von Fachleuten auch des öfteren in Frage gestellt.


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