Bundesrat Stenographisches Protokoll 662. Sitzung / Seite 86

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

Frauenpolitik lässt die Emotionen wieder einmal hochkommen. (Bundesrat Dr. Nittmann: Aber nur positive!) Mich wundert es nur, dass ich als einziger Mann zu diesem Thema rede und die Meinung vieler meiner Kollegen nur in Zwischenrufen einfließt. (Beifall bei der SPÖ. – Bundesrätin Schicker: Dafür kriegst du einen Applaus!)

Ich habe mich deshalb zu diesem Thema zu Wort gemeldet, weil ich glaube, dass Frauenpolitik Gesellschaftspolitik ist und Gesellschaftspolitik sowohl Männer als auch Frauen etwas angeht. Die Gesellschaft ist in vielen Bereichen in einem Umbruch begriffen, und zwar im Sinne einer fortschrittlichen Frauenpolitik. Dies ist dank einer fast 30-jährigen sozialistischen Frauenpolitik so. (Beifall bei der SPÖ.)

Heute wurde schon mehrmals gesagt, dass es von marginaler Bedeutung ist, ob Frauenangelegenheiten in einem eigenen Ministerium angesiedelt sind. Dazu muss ich sagen: Ich bin der Meinung, dass die Politik auch von Symbolen lebt, und die Bildung eines eigenen Frauenministeriums oder Staatssekretariates ist ein Symbol – ein Symbol dafür, dass Frauenfragen alle etwas angehen, also sowohl Frauen als auch Männer, und ein Symbol für die Wichtigkeit des gesellschaftspolitischen Aspektes. Leider wurde dieses Symbol – salopp ausgedrückt – mit einem Federstrich vernichtet.

Es wird nun wesentlich schwieriger sein, die auch von Kollegin Fuchs zitierte Sensibilisierungsarbeit in diesem Bereich voranzutreiben, aber ich glaube, dass gerade die Sensibilisierungsarbeit vonnöten ist. Sie ist deswegen vonnöten, weil die Frauen in den letzten Jahren und Jahrzehnten selbständiger und selbstbewusster geworden sind. Sie haben sich zu einem großen Teil vom konservativen Gesellschaftsbild – ich skizziere es ein wenig übertrieben: Der Mann verdient, und die Frau kocht, putzt und erzieht die Kinder – verabschiedet. Frauen lassen sich immer weniger in die Abhängigkeit drängen. (Beifall bei der SPÖ.)

Sehr geehrte Frau Ministerin! Ich weiß aus meiner Erfahrung als Bürgermeister: Vielfach haben wir Männer damit ein Problem. (Bundesrätin Mag. Trunk: Starker Mann!) Wir haben vielleicht kein finanzielles Problem, aber wir haben ein psychologisches Problem (Heiterkeit des Bundesrates Steinbichler )  – und da können Sie lachen, so viel Sie wollen, Kollege Steinbichler! Wir –ich nehme mich da nicht aus – sind anders erzogen worden, wir sind in einem typischen Rollenklischee erzogen worden. (Zwischenruf des Bundesrates Steinbichler. ) – Du kannst dich gerne zu Wort melden, ich mache das Rednerpult gleich frei.

Ich glaube, Frau Ministerin, dass gerade wir Männer auch Ihre Unterstützung brauchen, und ich glaube, dass es viele Männer gibt, die gerade im psychologischen Bereich Hilfe brauchen. Ich bitte Sie auch darum, weil ich der Meinung und auch der Überzeugung bin, dass Männer bei der Trennung von Frauen größte Schwierigkeiten haben, und zwar nicht nur bei einer Ehe, sondern auch bei einer Partnerschaft ist es so. Und wenn man sich die diesbezüglichen Statistiken der letzten Jahre und Jahrzehnte ansieht, dann weiß man, wie hoch die Trennungsrate ist.

Zum Zweiten: Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es wurde schon viel über Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergartenplätze gesprochen. Kollegin Grander hat gemeint – vielleicht kann sie mir kurz zuhören –, dass es vielen am liebsten wäre, die Kinder vom Kreißsaal gleich in die Kinderbetreuungseinrichtung zu geben – wenn ich das richtig verstanden habe. (Zwischenruf der Bundesrätin Grander. ) Oder dass sie das Gefühl hat.

Ich glaube nicht, dass das auch nur eine Mutter oder ein Vater haben möchte, nur: Tatsache ist, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir im Jahr 1999 fast 380 000 Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher hatten, die rund 520 000 Kinder zu betreuen hatten. Im Jahr 2015 – darauf möchte ich ganz besonders hinweisen, weil das auch für den künftigen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen sehr wichtig ist – werden es laut einer ÖSTAT-Statistik aus der "Wiener Zeitung" vom 11. 1. 2000 442 000 AlleinerzieherInnen sein, die dann 582 000 Kinder zu betreuen haben. Das sind also um rund 60 000 Kinder mehr als jetzt. Ich bitte Sie, sehr geehrte Frau Bundesministerin, schon jetzt dafür Vorsorge zu treffen, dass auch dann die Finanzierung der Kinderbetreuungsplätze gewährleistet ist. (Beifall bei der SPÖ.)


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite