Bundesrat Stenographisches Protokoll 667. Sitzung / Seite 188

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kontrolle und eine Ausweitung einer weiteren "Schmalspurausbildung": Ich darf hiezu auf den Lehrberuf "Gastgewerbeservice" verweisen, der auf gut Deutsch nichts anderes ist als eine Ausbildung zum Speisenträger oder zur Speisenträgerin.

Meine sehr geehrten Damen und Herren der Österreichischen Volkspartei, der Freiheitlichen Partei und der Regierung! Ich darf hier auch die Wirtschaft ansprechen. Ich möchte an Sie appellieren und Sie eindringlich ersuchen, den jungen Menschen in unserem Lande, die in einer solchen Situation sind oder in eine solche Situation gedrängt werden, weiterhin die reale, die ehrliche Chance zu geben, aktiv und qualifiziert ihren Beitrag in der Wirtschaft zu leisten. Geben Sie den jungen Menschen die Chance, aber auch die Gewissheit, qualifiziert ausgebildet zu werden, mit ihrer Ausbildung, mit ihrer Qualifikation ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft zu sein und sich auch international im Wettbewerb behaupten zu können!

Mit diesem vorliegenden Gesetzentwurf entfernen wir uns von unserer bisherigen sehr hoch qualitativen Lehrlingsausbildung im dualen Ausbildungssystem, und wir verfehlen auch die Zielsetzung, zu der wir uns sicherlich alle gemeinsam bekennen. Es ist daher, so glaube ich, keine Überraschung, dass die Sozialdemokratie dieser Novellierung des Berufsausbildungsgesetzes nicht die Zustimmung geben wird. (Beifall bei der SPÖ.)

21.56

Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach: Als nächste Rednerin ist Frau Bundesrätin Grander zu Wort gemeldet.  Bitte.

21.57

Bundesrätin Maria Grander (ÖVP, Tirol): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Herr Kollege Drochter! Ich habe die Lehrlingsausbildung anders erlebt. Mein Mann hat sehr viele Kochlehrlinge ausgebildet. Wir haben im Betrieb meiner Schwiegereltern selbst Kochlehrlinge gehabt (Bundesrat Drochter: In der Vorlehre?)  nein, keine Vorlehrlinge (Bundesrat Drochter: Von denen habe ich aber geredet!)  , und es hat dort der Lehrling auch Tennis gespielt  meisterhaft sogar.  Aber auch die Vorlehre ist sicher keine Sackgasse.

Ich kann Ihnen auch aus der Krankenpflegeausbildung berichten, dass sich die Krankenpflegeschüler wünschen würden, einen Status zu haben, der zum Beispiel in die Richtung einer Lehrlingsausbildung gehen könnte. Sie stehen zwischendrin, zwischen Lehrling und Schüler: Sie sind weder Schüler noch Lehrling. Es kommt oft der Wunsch durch, auch in diesem Bereich eine Lehrlingsausbildung zu haben. Ganz so ist es also nicht!

Die duale Ausbildung gibt es nicht nur im Lehrlingsbereich, sondern auch besonders bei uns in der Krankenpflege hat sich die duale Ausbildungsform, bei der Theorie und Praxis miteinander verknüpft werden  das ist sehr sinnvoll, was Schule betrifft , bewährt.

Ich persönlich stelle also fest, dass das Lehrlingswesen an Bedeutung gewonnen hat. Durch die Berufsreifeprüfung haben sich auch für ausgebildete Lehrlinge sehr viele Wege eröffnet. Im internationalen Wettbewerb können wir es immer wieder bestätigt sehen, dass die Qualität der Lehrlingsausbildung sehr gut ist. Das sehe ich bei uns in Tirol zum Beispiel an den Tischlerlehrlingen, für die es sehr viel Anerkennung gibt  ich weiß das von einem Bekannten, der in diesem Bereich im Wifi ausbildet.

Die Entwicklung, dass es offene Lehrstellen gibt, ist sehr begrüßenswert. Man muss das nicht nur negativ sehen, sondern das hat auch seine guten Seiten. In vielen beruflichen Bereichen wie etwa in der Krankenpflege  ich nehme jetzt meinen eigenen Beruf als Beispiel  ist ein Lehrberuf mit Abschluss oft auch ein Schritt auf dem Weg zur späteren beruflichen Neuorientierung. Wir haben in der Krankenpflege sehr viele Leute, die gelernte Schlosser, gelernte Tischler oder Kunsttischler sind. Sie kommen aus allen möglichen Bereichen oder Sparten, sind dort in einer Fachausbildung in ihrem jeweiligen Beruf gestanden und haben sich dann später neu orientiert.


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