Bundesrat Stenographisches Protokoll 678. Sitzung / Seite 104

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Herr Kollege Marizzi! Ich habe das Gefühl, dass deine Emotion manchen Argumentationsnotstand nicht übertünchen kann. Ich habe in deiner Aufregung schon gemerkt, dass du bei diesem Thema doch nicht so sattelfest bist, wie du vorgegeben hast.

Ich darf weiter Folgendes anmerken, Herr Kollege Marizzi und Herr Kollege Todt: Wo ist denn der Konsumentenschutz? Wo sind denn die Spezialisten? (Bundesrat Konecny: Man muss kein Rindvieh sein, um über BSE reden zu können!) Herr Konecny! Wo sind denn die Spezialisten, die in der ersten heißen Phase der Krise empfohlen haben, wir sollten von Rindfleisch auf Krokodil-, Känguru- und Klapperschlangenfleisch ausweichen? – Diese sehr "qualifizierten" Experten sind schon wieder verdächtig still geworden.

Ich darf hier eines festhalten, was gar nicht so durchkommt: Wir reden nur von den Testkosten. Wer spricht von den Milliardenverlusten, die unsere Rinderbauern erlitten haben? Wer spricht von diesen Einkommenseinbußen, die in weiterer Folge letztlich der Wirtschaft fehlen werden? Wer wird darstellen, wie viele Bauern, die am Rand der Entscheidung gestanden sind, ihren Betrieb zu schließen, jetzt leider diesen wirklich schließen mussten?

Diese Materie ist mir wirklich zu ernst, um damit Polemik zu betreiben. Bedenken wir, welche Auswirkungen diese ganzen Diskussionen haben!

Jetzt darf ich noch einige Aspekte zu diesem verpönten Tiermehl darlegen, das bis vor einem halben Jahr einer der wertvollsten Eiweißträger in den Futterrationen der Nichtwiederkäuer war. Ich darf schon festhalten, dass – natürlich sind das, Herr Kollege Schennach, Leistungen der Agrarpolitik – zehn Jahre lang die Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer in Österreich verboten war. Das ging bis zu dem Zeitpunkt, bis medial die "so genannte BSE-Krise" nach Österreich hereingetragen wurde. Anstatt vorne mit der Fahne zu gehen und zu sagen: Wir sind stolz auf unsere Bauern, wir haben ordentlich gewirtschaftet, wir haben ordentliches Tiermehl erzeugt – an dieser Stelle sei auch ein Dank an unsere Tiermehlverarbeiter gesagt –, wurde das Gegenteil gemacht.

Nach Dafürhalten von Direktor Baumann von der Tierkörperverwertungsanstalt Regau – so nebenbei erwähnt: 120 Arbeitsplätze – ist einer der Hauptgründe dafür, warum Österreich BSE-frei geblieben ist, dass wir beim Tiermehl im eigenen Land Spitzenqualität erzeugt haben. Das heißt: 5 Millimeter Teilchengröße, auf 130 Grad bei 3 Bar Druck erhitzt. Wir waren kein Zukaufsland. Die so oft glorifizierte Schweiz hat leider dieses riesige Problem, weil sie sich auf dem Weltmarkt bedient und anscheinend von England kein ordentliches Tiermehl gekauft hat.

Bleiben wir doch bei der Sache! Ich denke, dieses Thema ist viel zu essentiell, um hier Polemik hineinzubringen. Ich glaube, unter diesem Aspekt muss man die ganze Diskussion sehen.

Herr Kollege Marizzi! Ganz alleine bin ich mit meinem Standpunkt nicht. Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass es einen Europaabgeordneten von der SPD, Heinz Kindermann, gibt, der folgende Meinung vertritt – ich zitiere –: Nach Meinung des SPD-Europaabgeordneten Heinz Kindermann müssen tierische Nebenprodukte, die für die menschlich Ernährung geeignet sind, nach entsprechender Behandlung auch weiterhin als Tierfutter verwendet werden dürfen. Es ist für mich unverständlich, diese wertvolle Eiweißquelle dauerhaft verbieten zu wollen. – Zitatende.

Damit wir Klarheit und Ruhe in die Diskussion bringen: Wir sprechen von Lebensmitteln, bitte schön! Wir sprechen von Separatorenfleisch, das vor einem halben Jahr noch in die Wurst gegeben wurde. Und das darf jetzt das Tier nicht mehr fressen?

Herr Kollege Todt! Schauen Sie doch gelegentlich "Universum" an, dann werden Sie sehen, wie der Kreislauf in der Natur funktioniert! Ich bin stolz darauf, dass ich in einem Bergbauerndorf, es heißt Aurach am Hongar, wohne. (Zwischenruf des Bundesrates Konecny. ) Ihnen fehlt wohl der Blick für die Realität, aber der Realitätsverlust ist viel größer, weil man nur aus den Medien “ernährt” wird, Herr Kollege Konecny!

Ich sage hier eines ganz klipp und klar und nachhaltig ... (Bundesrat Konecny: Die Folge, wo die Rindviecher andere Tiere überfallen und bis auf die Knochen abgenagt haben, die muss ich


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