Bundesrat Stenographisches Protokoll 680. Sitzung / Seite 63

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Ergänzend zu den Statistiken darf ich einige Preisbeispiele bringen, anhand derer wir sehen, dass es ausgehend von der BSE-Krise natürlich fatale Verluste im gesamten Rinder- und Grünlandbereich gab. Es gab bisher noch keine Entschädigung für die krisengeschüttelten Rinderbauern.

Wenn man sich um die Bauern im ländlichen Raum sorgt, Herr Kollege Würschl, dann sollte man bedenken, dass  ich bringe ein Preisbeispiel  im Jahre 1989 das Kilogramm Stier netto 54 S gekostet hat, 1994 47 S, 1999 37 S und jetzt vor einem Monat, also 2001, von meinem Sohn vermarktet, 33 S.

Ich darf auch noch das Beispiel der Milchproduktion bringen, weil Sie sich so um die kleinen Betriebe sorgen. Verglichen mit dem europäischen Durchschnitt sind die Strukturverhältnisse in der österreichischen Landwirtschaft sehr klein. Wir liefern  durch einen gewaltigen Strukturwandel verursacht  im Jahr durchschnittlich 40 000 kg Milch pro milcherzeugendem Betrieb ab. Das sind 100 Liter pro Tag, was ein "riesiges" Tageseinkommen in der Höhe von 535 S brutto ausmacht. Abzüglich der Produktionskosten, AVA und zusätzlicher Kosten ergibt sich ein Nettoverdienst in Höhe von 220 bis 240 S, je nach Betriebsform.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich mache mir große Sorgen, wenn man im Vergleich dazu bedenkt, dass der Spengler 900 S pro Stunde kostet, wenn das Auto in einer KFZ-Werkstätte repariert werden muss, dass beim Landmaschinenschmied 650 S pro Stunde zu bezahlen sind und dass vom Tierarzt unter 1 000 S überhaupt keine Behandlung mehr erfolgt.

Ich möchte mir auch eine Seitenbemerkung erlauben, weil immer wieder Ratschläge von Tierschützern kommen und in offenbarer Unwissenheit Verschärfungen der Gesetze gefordert werden. Präsident Schwarzböck hat es auf den Punkt gebracht, was mit dieser ständigen Verschärfung der Gesetze, der Vorschriften und der Normen erreicht wird, nämlich die Gefährdung eben jener kleinen Betriebe. Außerdem schwanken die wissenschaftlichen Meinungen hier gewaltig. Ich habe das Beispiel von Herrn Professor Haiger hier an dieser Stelle schon gebracht, der vor 15 bis 20 Jahren noch auf der Seite der Intensivstbetriebe gestanden ist und heute auf der Seite der so genannten Tierschützer steht. Man muss im Umgang mit dieser Materie sehr vorsichtig sein.

Wie sieht es denn mit der landwirtschaftlichen Praxis aus? Hat sie der Bauer, der im Betrieb arbeitet oder hat sie derjenige, der es in den Büchern gelesen hat? Herr Kollege Würschl! Sie haben ein Beispiel dazu gebracht, wie gefährlich es ist, wenn man Bücher liest und kommentiert.

Ich möchte noch eines erwähnen. Herr Kollege Würschl! Bleiben wir beim ländlichen Raum! Ich habe Sorge, wenn sich die SPÖ in Form einer neuen Linie besonders stark um den ländlichen Raum bemüht. Ich weiß nicht, wo diese Entwicklung herkommt, vielleicht aus einem Glaubwürdigkeitsverlust bei der eigenen Klientel. Wenn Gewerkschaftsproteste und Urabstimmungen mit gewissen Schwierigkeiten erfolgen, dann sucht man sich neue Betätigungsfelder.

Aber ich frage, Herr Kollege: Wo war Ihre Stellungnahme zum Finanzausgleich, zum abgestuften Bevölkerungsschlüssel, womit ganz bewusst  und ich habe es Kollegen Konecny damals gesagt  der ländliche Raum schlechter gestellt wird? Wer erklärt mir den Unterschied in der Wertigkeit und warum ein Wiener finanziell in etwa doppelt so hoch abgegolten wird wie ein Einwohner einer Landgemeinde?  Erst dann können wir glaubwürdig über die Erhaltung der Struktur im ländlichen Raum, über Investitionsmaßnahmen und über die Attraktivität des ländlichen Raums diskutieren.

Ich bringe noch ein Beispiel aus dem ländlichen Raum. Studiengebühren sind für uns am Land kein Thema, weil sich die Universitäten im Zentralraum befinden. Aber wie gehen wir denn mit der Ausbildung der Facharbeiter um? Wie gehen wir mit der Unterstützung von "Karriere mit Lehre" um? Wir diskutieren scheinheilig. 5 000 S Studiengebühren?! Wissen Sie, was meine Tochter bezahlt hat, damit sie in Wien im Anschluss an eine Kochlehre die Patisserieschule besuchen kann? 29 000 S vorweg, damit man überhaupt einen Platz bekommt! Darüber müssen


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