Bundesrat Stenographisches Protokoll 707. Sitzung / Seite 114

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her, wie wichtig wir sind, was wir alles tun!, sondern im Mittelpunkt steht der Betrieb mit seinen Mitarbeitern. Das ist das Wichtigste, was wir im Tourismus haben, und zwar bis in die entlegensten Täler und Gebiete unseres schönen Österreich, und das Wichtigste auch als Devisenbringer, als Steuerzahler, als Arbeitgeber und vieles andere mehr.

Ich denke, dass wir gemeinsam einer Meinung darüber sind, dass es zu diesem flächendeckenden Tourismusgeschehen in Österreich keine Alternative gibt. Oder hätte jemand einen anderen Vorschlag? Denken wir zum Beispiel an die Täler – ich nehme da unsere Täler her –: Ötztal, Pitztal, Stubaital! Jetzt sage ich es einmal ein bisschen überspitzt: Zum Teil wären die Leute dort von den Bäumen noch nicht heruntergestiegen! – Ich hoffe, Sie verraten mich nicht in Tirol, denn dort darf ich das natürlich nicht sagen. (Heiterkeit der Bundesrätinnen Dr. Lichtenecker und Bach­ner. – Bundesrätin Bachner: Das steht im Protokoll!)

Aber die Menschen in diesen Tälern brauchen einmal eine Stunde lang, bis sie vom Talinneren zum Taläußeren gelangen, sie brauchen eineinhalb Stunden, bis sie zu den nächsten größeren Städten und auch zu den nächsten größeren Arbeitgebern gelan­gen. Wenn man sich das ein bisschen anschaut, liebe Freunde, dann weiß man, dass der Tourismus als Sicherung auch des Wohlstandes für ein Land von immenser Be­deutung ist: für Leistungsbilanzen, als Devisenbringer – das habe ich schon gesagt –, zur Arbeitsplatzsicherung.

Deshalb sollten wir uns aber auch folgenden Punkt überlegen und vielleicht auch darüber gemeinsamer Meinung sein: Wir sollten auch ja sagen zum Dienstleistungs­arbeitsplatz im Tourismus und ihn nicht als Arbeitsplatz zweiter Klasse abstempeln oder abqualifizieren, was zum Teil leider immer wieder geschieht. Es ist in den Köpfen mancher Leute einfach drinnen, dass sie sagen: Bevor wir dann gar nichts mehr bekommen, gehen wir auch in den Tourismus arbeiten. – Das ist Österreich und sei­nem Image nicht zuträglich!

Vieles hat sich im und um den Tourismus verändert, aber unser größtes Problem ist nach wie vor – der Herr Minister ist gerade nicht im Saal (Bundesrätin Bachner – auf den zwischen den Bankreihen der ÖVP stehenden Bundesminister Bartenstein wei­send –: Oja! Dort! Er schwätzt!), ist er da?, er weiß es aber ohnedies genau, weil wir ihm diesbezüglich immer wieder in den Ohren liegen –, genügend Mitarbeiter für unsere Branche zu finden. Ich weiß nicht, ob Dr. Gumplmaier jetzt im Saal ist – leider nicht –, aber ich glaube, wenn ich ihn richtig verstanden habe, dann bin ich mit meiner Meinung gar nicht so weit entfernt von seiner Meinung, die er zu äußern versucht hat. Er hat sich vielleicht da oder dort ein bisschen unglücklich ausgedrückt.

Ich möchte heute ein ganz offenes Wort sagen: Es wird sicher nicht der Weisheit letzter Schluss sein, jedes Jahr die Saisonniers-Kontingente um vieles zu erhöhen. (Demonstrativer Beifall der Bundesrätin Bachner.) – Das haben Sie von mir hier noch nie gehört, gell?

Liebe Frau Kollegin, ich hoffe, dass ich auch für den zweiten Satz, den ich jetzt sagen werde, noch ein bisschen Applaus bekomme (Bundesrätin Bachner: Den muss ich mir zuerst anhören! Sie können doch von mir keinen Freibrief haben!) – ich möchte auch keinen Freibrief haben, aber das würde mich dann auch freuen –, und zwar: Ich möchte vorausschicken, dass wir im Tourismus in den Klein- und Mittelbetrieben eine ganze Menge tragender Säulen haben, ohne die das ganze Spiel gar nicht mehr funktionieren würde, nämlich Mitarbeiter, auf die man sich bei Tag und Nacht verlassen kann und ohne die die Betriebe nicht funktionieren würden. Aber ich glaube, dass es auf der anderen Seite auch notwendig sein wird, so manchen einheimischen Arbeit­nehmer aus seinem lieb gewordenen Platz, nämlich im sozialen Liegestuhl, zu vertrei­ben. Ich glaube, da werden wir irgendwann ... (Bundesrätin Bachner: Zu dem erwarten


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