Bundesrat Stenographisches Protokoll 711. Sitzung / Seite 113

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Es wird hier immer wieder angesprochen, dass ich die Betriebshilfe führe. Das ist ein Verein zur Unterstützung von Kleinstbetrieben. Wenn eine Unternehmerin ein Baby bekommt, bekommt sie acht Wochen vorher, acht Wochen nachher eine Betriebshilfe. Oder wenn in einem Kleinstbetrieb der Unternehmer, die Unternehmerin durch Krank­heit oder Unfall ausfällt, bekommt sie eine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt. Ich muss Ihnen sagen: Ich nehme durchwegs ältere Arbeitskräfte, weil es sehr schwierige Arbeitseinsätze sind, weil die Arbeitskräfte immer wieder in einen neuen Betrieb kom­men, und es ist nicht sehr einfach, sich immer wieder auf einen anderen Betrieb umzu­stellen.

Ich muss Ihnen auch sagen: Ich habe immer Probleme, die nötigen Arbeitskräfte für diese Einsätze zu bekommen. Ich habe derzeit 46 Facharbeitskräfte fix angestellt, und ich suche laufend Fachkräfte nicht nur für die Gastronomie, sondern ältere Friseurin­nen, Kosmetikerinnen, Schlosser, Fachkräfte aus allen Berufen, und es ist wahnsinnig schwierig. Ich bekomme diese Leute nicht über das AMS, mit dem wir gute Kontakte haben, ich bekomme sie nicht über Personalleasingfirmen. Ich muss immer wieder auch Kollegen und Kolleginnen ansprechen und ersuchen, dass sie mir eine Zeit lang helfen, diese Einsätze zu machen, denn bei Unfall kann man sich den Zeitpunkt eben nicht aussuchen. Daher frage ich mich: Wo sind dann die vielen Leute?

Meine Bitte heute, weil ich schon die Gelegenheit habe und weil ich das angesprochen habe, ist: Wenn Sie eine ältere Arbeitskraft kennen, die eine Fachausbildung hat, dann, bitte, soll sie sich an die niederösterreichische Betriebshilfe wenden, und wir werden sie aufnehmen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihnen das nächste Mal schon darüber berichten könnte und wir sie in der Wirtschaft einsetzen könnten. Wir haben ein sehr gutes Betriebsklima. Ich habe sehr viel Kontakt mit unseren Arbeitskräften. Ich setze mich alle vier bis fünf Wochen mit ihnen an einem Samstagnachmittag zusam­men und bespreche die Art und Weise der Einsätze. Es sind schon sehr viele – ich mache das jetzt seit zehn Jahren – nach ihrer Tätigkeit bei der Betriebshilfe in Pension gegangen sind. Viele, auch Langzeitarbeitslose, haben durch ihre Tätigkeit bei der Betriebshilfe wieder Freude gefunden und auch eine positivere Lebenseinstellung.

Durch das vorliegende Gesetz, meine sehr geehrten Damen und Herren, werden auch die Maßnahmen des Jugendausbildungs-Sicherungsgesetzes verlängert. Ende dieser Woche ist Schulschluss, und für viele Jugendliche beginnt mit dem Berufseinstieg ein neuer Lebensabschnitt. Doch viele Jugendliche haben enorme Schwierigkeiten, den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. Wir in Niederösterreich haben hervorragende Erfahrungen mit Maßnahmen der Jugendausbildungssicherung gemacht. Ich bin auch sehr stolz auf die wirklich gut funktionierende Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, mit dem AMS und dem Land, denn die Sicherung der Jugendausbildung geht uns, wie wir wissen, alle an. Daher begrüße ich auch die Verlängerung der JASG-Maßnahmen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe in den letzten Wochen zahlreiche Betriebsbesuche durchgeführt und mit unzähligen Wirtschaftsvertretern gesprochen. Immer wieder werde ich auf die Lehrlingsausbildung angesprochen, oft auch auf das Ausbildungsniveau. Unsere Kinder werden vielfach auf die Erfordernisse des Berufes, der Lehrberufe nicht vorbereitet. Maler oder Tischler erzählen mir immer wieder: Du, die Jugendlichen kommen, können aber ganz einfach keine Fläche ausrechnen. Sie können zwar die Mengenlehre, aber wenn ich Ihnen sage: Rechnen Sie bei dem Raum die Sesselleisten aus, rechnen Sie die Grundflächen aus!, dann fällt es ihnen nicht auf, ob sie 16 Quadratmeter, 16 000 oder irgendwas anderes herausbekommen. Sie kön­nen das ganz einfach nicht. Das liegt, wie ich meine, in der Verantwortung der Pflicht­schullehrer, und da sollten wir sie auch wirklich mehr in die Pflicht nehmen und ge­meinsam schauen, dass die Jugendlichen bessere Chancen haben. Diese Ausbildung kann wirklich nicht der Betrieb machen. Die Klein- und Mittelbetriebe sorgen, wie ich


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