Bundesrat Stenographisches Protokoll 730. Sitzung / Seite 105

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und sehr genau anschauen. Ich weiß jetzt nicht, ob ich zuständig bin für die Lehrer oder für die Trainer oder wen immer, die das Land Burgenland zusätzlich anstellt. (Bundesrat Preiner: Das müssen Sie wissen!) Ich glaube, für die bin ich auf keinen Fall zuständig, aber wir werden uns das sehr genau anschauen, wie das funktioniert.

Zum Vorschlag der Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 20. Meine Damen und Herren! Stellen Sie sich das einmal realistisch vor: Dann ist die Teilungszahl 21, dann haben wir Klassen mit zehn und mit elf Schülern. (Bundesrat Preiner: Das wurde in einer gemeinsamen Resolution von SPÖ und ÖVP gefordert!) – Sie wollen also Klas­sen mit zehn und mit elf Schülern haben? Ich meine, dass wir gerade in diesem Be­reich sehr verantwortungsbewusst schauen müssen: Wie ist das mit dem Schülerrück­gang? Wie können wir Kleinschulen noch erhalten?

Sie haben behauptet, dass Schüler in wenig gegliederten Klassen Nachteile haben. Da muss ich Ihnen leider widersprechen. Die neueste Pädagogik gerade auch in Wien zielt darauf ab, so genannte Familienklassen zu machen, in denen die erste, zweite, dritte und vierte Schulstufe beieinander ist, damit die Kinder das Erlebnis der Geschwister haben. Es gibt in Wien ganz moderne Modellprojekte, wo Klassen nicht nach Alters­jahrgängen zusammengestellt werden, sondern wo so genannte ganz moderne Fami­lienklassen gebildet werden. In diesen wird dann in Form des Abteilungsunterrichts unterrichtet, lernen die Kleinen von den Großen und kümmern sich die Großen um die Kleinen. Ich sage Ihnen also: Es gibt viele Entwicklungen, die dafür sprechen, dass in diesen niedrig gegliederten Schulen sehr guter Unterricht erteilt wird.

Meine Damen und Herren! Leider ist Kollege Schennach jetzt nicht im Saal. Er hat großmächtig davon gesprochen, wie schrecklich es sei, dass wir zu wenig Stützlehrer haben, wenn wir die Kinder mit nicht deutscher Muttersprache wirklich gut betreuen wollen. Wissen Sie, ich mache meine Berechnung nicht auf Grund eines Wunschzet­tels. Ich meine, es ist Aufgabe der Opposition, das sehe ich ein, die Länder zu fragen: Was wollt ihr? Das „Was-wollt-ihr-Spiel“ ist das Oppositionsspiel. Wir fragen: Wie viele Kinder mit nicht deutscher Muttersprache, also außerordentliche Schüler habt ihr? Wie hat sich das in den letzten Jahren verändert? Und dann machen wir eine realistische Berechnung. Wir haben die Länder gefragt. Die Länder haben uns gesagt: Im Schul­jahr 2000/2001 gab es 16 717 außerordentliche Schüler. Für diese Schüler sind in den bereits jetzt bestehenden Dienstpostenplänen 1 513 Planstellen vorgesehen. Wir haben 1 513 Planstellen in den Volksschulen für die Betreuung dieser Kinder. In Wien kommt ein Sonderkontingent dazu, weil das dort sicher eine besondere Herausforde­rung ist.

Wir haben dann gefragt: Wie viele außerordentliche Schüler habt ihr jetzt mehr? – Er­gebnis, nach Angaben der Länder: rund 2 300.

Wenn man sagt, diese Kinder müssen betreut und zusätzliche Angebote müssen ge­macht werden, und wenn eine Gruppe zehn Kinder umfasst – ein Lehrer kann zwei Gruppen betreuen –, dann brauchen wir für rund 2 300 Kinder, die mehr betreut wer­den müssen, wo es Zusatzangebote geben muss, 230 Gruppen. Multipliziert mal zwei sind das 460 Gruppen. Ein Lehrer betreut zwei Gruppen – dividiert also wieder durch zwei –, so heißt das: 230 zusätzliche Dienstposten. Wir haben jedoch gesagt, wir wollen nicht kleinlich sein und geben 300 Dienstposten dazu. Ich betone: zusätzlich zu den 1 513 Planstellen!

Wir vom Unterrichtsministerium können da nicht sozusagen „Ich wünsch mir was!“ spielen, sondern haben dem Finanzminister die Zahlen vorzulegen. Was wiegt’s, das hat’s; dafür brauchen wir mehr – und das wird vom Ministerium auch bezahlt, meine Damen und Herren. Das heißt: Wir stellen die Lehrer und Lehrerinnen, die notwendig sind, zur Verfügung; der Einsatz obliegt den Ländern.

 


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