Bundesrat Stenographisches Protokoll 731. Sitzung / Seite 115

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geworfen hat beziehungsweise wirft! Ja, wir übernehmen diese Schulden!, sagte Hai­der, aber: Was hat er dann tatsächlich gemacht? – Nichts! Er ist ein politischer Zech­preller! (Bundesrat Wolfinger: Das interessiert ja keinen!)

Wenn wir heute hier über einen aktuellen Fall sprechen, interessiert es sehr wohl, auch ein bisschen in die Vergangenheit zu schauen und Licht dort hineinzubringen. (Zwi­schenruf des Bundesrates Dr. Kühnel.) Wenige Wochen nach dem Gründungskonvent des BZÖ war es so, dass seitens des BZÖ immer wieder von „interessierten Bürgerin­nen und Bürgern“ gesprochen wurde. – In Wahrheit waren dort versammelte Mitarbei­ter von Ministerbüros, die sozusagen zwangsverpflichtet wurden und die auch das Par­tei-Programm, wie man hörte, schreiben mussten.

Als wir von der Freiheitlichen Partei Einsicht in die Bücher nehmen konnten, hat sich das interessanter gestaltet als jede noch so spannende Kriminalgeschichte: Es war un­glaublich, wie da mit Mitteln der öffentlichen Hand, wie da mit Mitteln aus der Parteien­förderung umgegangen wurde! Die Tageszeitungen haben ja berichtet über diese gi­gantischen Spesen-Etats – bis hin zu luxuriösen Autos, die gleichfalls mit öffentlichen Mitteln gekauft wurden!

Nächstes Beispiel in dieser Chronique scandaleuse: Plötzlich taucht auf, dass der „Bündnissprecher“ des BZÖ in eine Autoschieberaffäre verwickelt gewesen sein soll. Die SPÖ hat eine parlamentarische Anfrage gestellt, in der stand, dass ein Haftbefehl gegen Herrn Scheuch vorliege. Wir sind in der EU, und jetzt wäre es ja an sich recht einfach, dass die österreichische Innenministerin Auskunft erhält vom Nachbarland Ungarn; nur war das nicht der Fall. Ungarn hat bis heute Informationen darüber ver­weigert – und bis heute ist daher unklar, ob die Handschellen klicken, wenn ein Manda­tar der Republik Österreich, nämlich Herr Scheuch, nach Ungarn fährt. – Auch diesbe­züglich wäre es gut, wenn Herr Scheuch einmal Licht in diese ganze Sache bringen würde; er drückt sich jedoch davor.

Zum Wiener Wahlkampf: Wir erinnern uns alle daran, dass vom Justizressort eine Printwerbung geschaltet wurde, die hauchnah daran war, wie das BZÖ werblich auftritt.

Wir erinnern uns an den Fall des geschäftsführenden Obmannes des BZÖ, Hubert Gorbach, der in seiner aktiven Zeit als Verkehrsminister den Verkauf der ÖBB-Boden­seeschifffahrt so in die Wege geleitet hat, dass er sich, wenn das BZÖ nach der kom­menden Nationalratswahl nicht mehr vertreten sein wird, quasi seinen künftigen Arbeit­geber über ein Geschäft der Republik herausverhandelt hat.

Und jetzt haben wir eine neue „Bombe“: 4,2 Millionen € an Steuergeld, die da höchst unsauber verwendet worden sein sollen. – Ich frage mich: Für wie blöd halten einige den „Kurier“, für wie blöd halten einige dieses Hohe Haus, wenn sie uns glauben ma­chen wollen, dass man diese offensichtliche Nähe mit irgendwelchen PANTONE-Zah­len verschweigen kann, wenn sie uns glauben machen wollen, dass hier nicht eine parallele Parteiförderung stattgefunden hat? – Diese Sache ist so offensichtlich, dass ein Blinder den Zusammenhang wahrscheinlich besser sieht als diejenigen, die die Augen jetzt davor verschließen.

Ich habe mich in der Geschäftsordnung des Nationalrates kundig gemacht: Die Ge­schäftsordnung des Nationalrates sieht die Möglichkeit vor, dass 20 Mandatare einen Prüfauftrag in die Wege leiten können. Wir haben ja heute erlebt, dass der Präsident des Rechnungshofes, Herr Josef Moser – ein guter Freund von Landeshauptmann Hai­der und der Familie Haider (Bundesministerin Haubner: Das ist ein Wahnsinn!) –, gleich einmal festgestellt hat: Das brauchen wir nicht zu prüfen, wozu denn auch? (Bundesministerin Haubner: Das ist ein Wahnsinn! Das ist jetzt wirklich tief!) – Ich sage, dass ein Prüfauftrag in Bezug auf diese Kampagne, die mittlerweile die Schlag-


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