BundesratStenographisches Protokoll749. Sitzung / Seite 85

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Wenn jetzt also jeder einzelne Tourismusbetrieb in diesem Ort plötzlich anfängt, sich eine Wellness-Anlage einzubauen, weil dann die Leute auch im Fall, dass es vielleicht drei Tage lang schlechtes Wetter, also keinen Schnee gibt, trotzdem etwas tun können, dann sind das einerseits große finanzielle Belastungen für die jeweiligen Betriebe, die aber langfristig auch nichts an der Situation ändern können, dass eben die Grundlage des Wintertourismus wegfällt.

Das heißt, einerseits müssen die Gemeinden hier gemeinsam etwas überlegen – denn das ist jedenfalls eine Herausforderung, die die einzelnen Unternehmer, die einzelnen Wirtschaftsbetriebe zu sehr belasten würde, finde ich –, und man muss sich auch politisch überlegen, wie man vorgehen kann; zum Beispiel Förderungen genau in jene Bereiche zu stecken, die entweder schon gut ausgebaut sind oder vielleicht schon zu gut ausgebaut sind, das wird nicht sehr viel Sinn machen.

Damit komme ich auf die Thermen zu sprechen. Die Thermen waren lange Zeit wirklich ein absolutes Erfolgsprojekt und sind auch nach wie vor ein durchaus interessantes Urlaubsziel. Man muss aber sagen, dass der Markt, was Thermen betrifft, an und für sich gesättigt ist und dass auch hier die Buchungslage schon wieder zurückzugehen beginnt.

Das heißt, öffentliche Gelder zu investieren dafür, dass noch mehr Thermen aus­gebaut, eröffnet werden – dafür, dass sie dann nicht besonders gut laufen und auch schon existierende Betriebe schlechter laufen –, das kann nicht Sinn der Sache sein.

Um den Tourismus gesund und arbeitsfähig zu erhalten, ist es nötig, in nachhaltige Projekte zu investieren, sich auch ein bisschen alternativere Projekte zu überlegen. Alles, was Monokultur ist, ist gefährlich, vor allem im Tourismus, der eben so sehr abhängt vom Wetter – pauschal gesagt.

Die andere Säule, auf der der Tourismus massiv beruht, sind die Arbeitskräfte. Da gibt es dieses schöne Kapitel im Bericht, wo von Tourismus als Chance für die Jugend die Rede ist. Wieder ein Beispiel aus Tirol: Die meisten freien Lehrstellen in Tirol gibt es – wenig überraschend – im Tourismus. Das sind auch die Lehrstellen, die am längsten frei bleiben, nämlich genau aus dem Grund, weil einfach sehr wenige junge Leute wirklich gerne und von sich aus eine Lehrstelle im Tourismus suchen.

Ich kenne ganz viele Menschen, deren Eltern selbst Tourismusbetriebe haben, und die haben lange Zeit Lehrstellen gesucht, bis sie letztendlich eine im Tourismus ange­nommen haben, weil es in ihrer Situation doch besser ist, diese Lehrstelle zu haben als keine, aber gewünscht war das nicht.

Einen Beruf macht man dann gut, wenn man ihn auch gerne macht. Und dass die Motivation, vor allem für junge Menschen, in den Tourismus zu gehen, gering ist, das liegt nicht daran, dass das Image des Tourismus schlecht wäre, sondern dass einfach die Arbeitszeiten wirklich sehr belastend sind, dass auch die Berufsperspektiven nicht so berauschend sind, dass das Arbeitsfeld nicht unbedingt so attraktiv ist, dass man sagt, das ist meine Wunschvorstellung, das möchte ich gerne machen.

Das heißt, es geht nicht so sehr darum, dass wir jetzt das Image des Tourismus ver­bessern müssen, sondern wir müssen tatsächlich die Arbeitssituation für junge Menschen im Tourismus verändern. Es muss auch möglich sein, dass ein Familien­leben und eine Arbeit im Tourismus vereinbar sind. Es ist natürlich eine Belastung, wenn gerade an Wochenenden, gerade an Feiertagen, gerade dann, wenn die Kinder einmal nicht in der Schule sind, die Eltern arbeiten. Das ist auch für eine Familie nicht so leicht.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite