BundesratStenographisches Protokoll751. Sitzung / Seite 224

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Es erwähnt nämlich kaum jemand, dass unsere AHS-Schüler und unsere BHS-Schüler bei der PISA-Studie durchaus gut abgeschnitten haben. Die brauchen sich nicht zu verstecken. Aber das wird eben nicht so gerne erwähnt – vor allem dann, wenn man das Ziel Gesamtschule vor Augen hat, stört das durchaus!

Auch die Hauptschulen auf dem Land sind nach wie vor intakt. Über 50 Prozent der Hauptschüler kommen zur Matura. Das heißt, das Argument der sozialen Selektion – wenn die Eltern nicht die Matura haben oder nicht sogar Akademiker sind, dann kann einer nie maturieren – stimmt so nicht!

Wir haben tatsächlich ein Problem der Hauptschulen in den Ballungsgebieten. War­um? – Weil gerade in den Ballungsgebieten die Hauptschulen zur Ausländer-Rest­schule verkommen sind. Man kann das mittlerweile nicht mehr anders bezeichnen; wenn man sich die Zahlen anschaut, ist es so.

In Wien haben 45 Prozent der Volksschüler Deutsch nicht als Muttersprache. Dabei ist es nicht das Problem, dass sie nicht Deutsch als Muttersprache haben, sondern das Problem ist, dass sie nicht beziehungsweise nicht ausreichend Deutsch können. Mitt­lerweile sind auch die Wiener Eltern mit der Volksschule unzufrieden, und dass 15 Pro­zent beim Lesetest versagt haben, das spricht auch eine deutliche Sprache.

Von diesen 45 Prozent der ausländischen Schüler haben wir immerhin noch 29 Pro­zent außerordentliche Schüler. Das heißt, sie können gar nicht Deutsch und werden auch zwei Jahre lang nicht beurteilt. Das verursacht natürlich Probleme. 54 Prozent von ihnen gehen in die Hauptschule.

Wenn man es so nennen will, kann man jetzt sagen: In Wien ist eigentlich die AHS-Un­terstufe die Gesamtschule – auch mit bekannten Ergebnissen, so toll ist die nämlich nicht! In Wien ist es ja so, dass man weiß, wo man die Matura günstiger bekommt, wo man dafür nicht so viel können muss, und wo man dafür mehr können muss. Das wis­sen alle Wiener Eltern, und das ist, glaube ich, kein gutes Zeichen.

Wir fokussieren alles auf diesen Bereich: jeder muss maturieren können; das war ja auch eine sozialdemokratische Forderung. Die Folge war natürlich, dass das Niveau gesenkt werden musste, weil nicht jeder mitgekommen ist. Gleichzeitig sagen wir aber immer wieder, wir brauchen gut ausgebildete Facharbeiter. Wo bekomme ich die denn her, wenn ich sie nicht in einer guten Hauptschule ausbilde?

Es muss nicht jeder Facharbeiter – und deswegen ist er nicht dümmer als andere – un­bedingt eine Matura haben. Aber das ist auch so ein festgefügtes Denken: Das muss so sein. Dann kommt die Wirtschaft und sagt: Wir haben leider zu wenige ausgebildete Facharbeiter, die müssen wir uns jetzt wieder aus dem Ausland holen. Hier kann ja wohl im System etwas nicht stimmen!

Die Gesamtschule – ich bleibe dabei – wird das Problem auch nicht lösen. Und ob die Gesamtschule die 30 Prozent an Risikoschülern tatsächlich in den Griff bekommen wird, das sei auch noch dahingestellt.

Was wesentlich ist – jetzt in den weiter folgenden Gesetzen, also nicht nur beim Mo­dellversuch Mittelschule –, ist der Deutschunterricht. Es muss einen verpflichtenden Deutschunterricht vor Eintritt in die Schule geben, zum Schutz der eigenen Kinder, damit diese nicht immer hintennach sind und warten müssen, bis es auch der Letzte verstanden hat, aber durchaus auch im Sinne der Zuwandererkinder, weil es schlecht ist, wenn diese die Letzten in der Bildungsskala sind und ihnen außer Hilfsarbeiterberu­fen – um es jetzt salopp auszudrücken – nichts anderes übrig bleibt.

 


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