BundesratStenographisches Protokoll767. Sitzung / Seite 103

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obliegt den Steirern, Herr Kollege Erlitz, dem Bundesrat den Blick in neue Dimensionen oder neue Galaxien zu öffnen. (Heiterkeit.) – Das als Eingangsstatement.

Wir haben schon gehört, es geht bei diesen drei Tagesordnungspunkten um die Euro­päische Südsternwarte. Warum Europäische Südsternwarte? – Die Erklärung hiezu lieferte in einer ganz interessanten Ausschusssitzung Herr Ministerialrat Mag. Dr. Da­niel Weselka, bei dem ich mich eingangs herzlich bedanken möchte. Ich glaube, das war die erste Ausschusssitzung, in der es eine Powerpoint-Präsentation gegeben hat, und diese war sehenswert. Auf jeden Fall herzlichen Dank dafür. (Allgemeiner Beifall.)

Zählt die Astronomie zu den ältesten Wissenschaften überhaupt, so ist sie auch ein Opfer ihrer Zeit und unserer Zeit geworden, weil es, wie wir gehört haben, durch die Lichtverschmutzung nicht mehr möglich ist, in jenen Regionen astronomische For­schung zu betreiben, die sehr stark bevölkert sind – das ist eben die Nordhalbkugel un­seres Planeten –, sodass es sich um außergewöhnliche Bedingungen handeln muss, damit es sich lohnt, solche Rieseninvestitionen zu tätigen.

Dazu zählt die Atacama-Wüste auf dem Staatsgebiet Chiles. Wir haben gehört, dort gibt es rund 300 Tage eine Fernsicht, wo man mit freiem Auge über 300 km weit sehen kann. Es gibt dort keinen Niederschlag; dieses Gebiet zählt zu den trockensten über­haupt auf unserem Planeten. In einer Höhe von 2 000 bis 5 000 Metern sind diese Ein­richtungen untergebracht.

Wir haben schon gehört – Kollege Erlitz hat es auch erwähnt –: Die Einrichtungen, die sich dort befinden, waren die Entwicklung eines über 40 Jahre dauernden Prozesses, im Zuge dessen sich europäische Staaten zusammengeschlossen haben, um gemein­sam astronomische Forschung zu betreiben.

Seit 2006 gibt es diese Beitrittsverhandlungen für Österreich, 2008 und mit dem heuti­gen Beschluss über die Bühne gegangen.

Es geht dort um Projekte, die natürlich vorzugsweise auch wieder den Forschungsstät­ten und Wissenschaftlern in den Mitgliedsländern zugute kommen. Wir haben gehört, dass die Beobachtungszeiten zwei- bis vierfach überbucht sind, ganz einfach dadurch, weil jeder versucht, zu dieser Spitzentechnologie seinen Beitrag zu leisten.

Interessantes Detail: Zwölf Monate gibt es dort ein Exklusivrecht für die jeweilige For­schungsstätte, ab dann sind die Ergebnisse auch allgemein zugänglich.

Das Headquarter oder der Hauptsitz, wie es auf Deutsch heißt, der ESO befindet sich interessanterweise in der Nähe von München, ein Großteil der technischen Einrichtun­gen, wie gesagt, in Chile.

Wir haben die Details schon gehört. Das Very Large Telescope, das derzeit in Betrieb ist, hat einen Spiegeldurchmesser von über acht Metern. Weitere technologische De­tails sind, dass diese vier Spiegel verbunden sind und noch einmal vier bewegliche Spiegel mit einem Durchmesser von 1,8 Metern das Ganze verstärken. Damit ist wirklich ein Vorstoß in neue Dimensionen möglich. Ein Beispiel dafür: Damit kann man 4 Milliarden mal mehr sehen als mit dem menschlichen Auge. Das sind Dinge, die dort wirklich Spitzentechnologie ermöglichen.

Das neueste geplante „Kind“ beziehungsweise Projekt der ESO ist das sogenannte European Extremely Large Telescope. Hier geht es um einen Spiegel mit einem Durch­messer von 42 Metern, der ab 2018 das weltweit größte Auge auf dem Himmel sein soll. Wozu? – Damit soll auch eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit, nämlich das Aufspüren von erdähnlichen Planeten und Sternen mit be­wohnbaren Zonen, möglich sein. Dazu kommen die Erforschung der Eigenschaften der ersten Sterne und Galaxien und das Sondieren der sogenannten dunklen Materie und dunklen Energie.

 


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