BundesratStenographisches Protokoll769. Sitzung / Seite 66

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seiller Tanzgruppe – befanden sich bereits in der Stadt und erfuhren im Hotel, dass der neu gewählte Bürgermeister mit dem Programm nicht einverstanden war und das Haus zugesperrt wurde, bis es ein neues Programm gab. Das Haus war dann für zwei Jahre zugesperrt.

Das bedeutet politische Intervention im Kultur- und Kunstschaffen. Das wünsche ich mir nicht, und das soll auch die Frau Bundesministerin nicht machen. Die Frau Bundes­ministerin soll die Möglichkeit schaffen – dazu sind die Kultur- und Kunstpolitik des Landes herausgefordert –, und sie muss sich auch mit den sozialen Gegebenheiten auseinandersetzen, denn die Gruppe der Künstlerinnen und Künstler in Österreich – auch wenn wir heute stolz sind, darf man das nicht übersehen; alle bisherigen Redner haben ja den Kulturbericht 2007 und auch die Leistungen unseres Landes gewürdigt – hat ein Durchschnittseinkommen – laut Sozialbericht Ihres eigenen Ministeriums – von 700 € beziehungsweise 900 €. Das heißt, Künstlerinnen und Künstler sind in unserem Land extrem armutsgefährdet. Was das für die Absicherung im Alter bedeutet, das muss ich Ihnen hier nicht extra erklären.

Meine Vorredner und Vorrednerinnen haben immer wieder auf die Zahlen zurückgegrif­fen – aber das ist so eine Sache, wenn man über Kultur und Kunst spricht. Das ist nicht immer quantitativ messbar. Man kann nicht nur sagen: Dieses Museum hat mehr, des­halb ist es gut, und jene Initiative hat weniger, deshalb ist sie schlecht. Wir können nur davor warnen, Kunst und Kultur immer quantitativ zu bewerten.

Natürlich freut es einen, wenn man zum Beispiel sieht, dass das MUMOK eine große Annahme, eine hohe Akzeptanz, ein enormes Besucherplus hat. Das ist schön, aber jetzt ausschließlich quantitative Messungen zu machen, das halte ich für falsch.

Ich habe, Frau Bundesministerin, diesen Bericht mehrfach gelesen und mir geht etwas ab: der schlichte Hinweis auf eine der wichtigsten Initiativen – das sage ich auch als Mediensprecher –, einen der wichtigsten Motoren, die Lange Nacht der Museen. Es nimmt nach diesem Bericht kein einziges Haus darauf Bezug – das gibt es überhaupt nicht, weder das Kunsthistorische Museum noch irgendein anderes.

Ich bin immer wieder fasziniert und erlebe meine Hauptstadt immer wieder neu, weil ich immer die für mich seltsamsten Museen aussuche, weil man dorthin normalerweise nicht geht, dort aber interessante Dinge erlebt – selbst das Schokolademuseum war ganz interessant, aber auch das Kriminalmuseum im 2. Bezirk, das Feuerwehrmuse­um. Man sagt ja nicht explizit, dass man jetzt in genau dieses Museum geht, sondern im Rausch einer solchen Nacht, wenn sich so viele Menschen bewegen und etwas an­schauen, gelangt man dorthin.

Ich halte die Lange Nacht der Museen für eine der ganz wichtigen Initiativen, und gera­de diese kommt in dem Bericht nicht vor. Sie bringt Menschen in Museen, die norma­lerweise nicht in Museen gehen. Das ist eine erste Form von Kulturvermittlung. Und wenn wir von lebenslangem Lernen sprechen, muss ich sagen, auch kulturell sollte man lebenslang lernen. Man sollte das auch lernen, wenn man es als junger Mensch nicht gemacht hat, und man mit solch einem Event konfrontiert wird. Das sollte, wie ich meine, löblich erwähnt werden.

Kollegem Kühnel muss ich darin zustimmen, dass in Wien eine Museumskoordination vermisst wird. (Bundesrat Konecny: Kühnel wird gelobt!) – Herr Kollege Kühnel, ich lobe Sie gerade! Sehen Sie, jetzt machen Sie den Fehler des Regietheaters: Ich spre­che zu Ihnen, und Sie wenden sich von der Sprachstimme ab! (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.) Genau das aber kritisieren Sie! Weder die Frau Ministerin noch die Frau Präsidentin kann jedoch hier per Verordnung bestimmen, dass Zuhörende zum Redner gewandt die Debatte verfolgen müssen. (Zwischenruf des Bundesrates Dr. Kühnel.) –


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