BundesratStenographisches Protokoll770. Sitzung / Seite 59

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

wenn man sagt, das fängt beim Kindergarten an, das fängt schon davor an und zieht sich bis in den tertiären Bereich!

Wann nehmen wir uns dieser wichtigen Fragen an, wann geben wir uns nicht einfach damit zufrieden und sagen, jetzt haben wir da ein bisschen gedreht und dort ein biss­chen gedreht? Wir wissen – die alten Uhrmacher wissen das, wenn man ein Rad zu viel dreht und eines zu wenig, ist das schlecht –, dann geht überhaupt nichts mehr, ja es wäre besser gewesen, man hätte die Uhr falsch ticken lassen. Ich halte es leider Gottes auch so, wie wir es eben in guter österreichischer Politik hier immer tun, dass wir sagen, seien wir mit dem, was ist, auch einmal zufrieden.

Ein letzter Punkt, den ich schon noch ansprechen will und ansprechen muss. Wenn wir jetzt neue Standorte zulassen, müssen auch Bedingungen erfüllt sein. Wir haben das im Ausschuss auch angesprochen, das hat uns dort der Vertreter des Ministeriums, Mi­nisterialrat Dr. Bachmann, sehr klar und deutlich gesagt. Ich möchte überhaupt darauf verweisen, dass man unter www.neuemittelschule.at alles nachlesen kann, auch vieles, was heute hier angesprochen worden ist. Dort wurden drei Merkmale zitiert, auf die es in Zukunft ankommen wird, dass es überhaupt so weit kommen kann.

Erstens: Ganztagesbetreuung, zweitens: AHS-Standort bevorzugt, drittens: pädagogi­sches Konzept. Jetzt muss ich ganz ehrlich sagen, alles gut und schön, aber bei man­cher Begrifflichkeit möchte ich schon über etwas nachdenken. Es hat ja hier auch schon eine Diskussion über diese Ganztagsbetreuung gegeben. Seien wir doch dies­bezüglich auch offen im Denken! Überlegen wir uns einmal: Müsste nicht so ein Tag, der Tag des neuen Lernens und Lehrens, anders aussehen?! Gestehen wir uns doch endlich hier ein, dass wir schon lange keine Halbtagsschule mehr haben. Seien wir doch ehrlich und sagen, dass unsere Volksschulkinder deswegen, weil der Samstag frei ist und so weiter, schon längst bis halb eins oder ein Uhr in der Schule sitzen. Das ist für uns schon keine Mittagszeit mehr, sondern Nachmittagszeit. Seien wir doch ein­mal ehrlich und reden wir über neue Zeiten!

Denken wir auch darüber nach – weil ich von Zeit spreche –, dass in Zukunft für Leh­rerinnen und Lehrer selbstverständlich die Zeit neu aufgeteilt wird! Und da geht es noch nicht um die „Kohle“ – Entschuldigung, wenn ich das hier offen sage –, sondern es geht darum, dass halt Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit mit den Schülerinnen und Schülern verbringen. Also ich muss ehrlich sagen, als Hochschullehrer bin ich froh dar­über und lege wesentlich darauf Wert, dass ich mit meinen Studentinnen und Studen­ten viel mehr ins Gespräch komme, als dass ich mir einbilde, ich bin der große Fronta­list und nachher prüfe ich fleißig. Die Prüfungen sind mir mittlerweile schon ziemlich Wurscht. Entschuldigung, ich sage das hier ganz offen. Was mir aber nicht Wurscht ist, ist die ständige Präsenz, nämlich auch geistige Präsenz der Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter – und ich sage jetzt bewusst nicht Studierende, ich sage Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – in einem Lern- und Lehrprozess.

Ich fordere dazu auf, dass man da mittut. Und Studierende, die sich einbringen, haben es bei mir bei einer Prüfung ziemlich einfach, sage ich ganz offen, nämlich im alten Schema.

Das Zweite ist, wenn wir hier nach neuen zeitlichen Modellen Ausschau halten und jetzt diese Diskussion führen, die ja wirklich letztlich nur darum gegangen ist, wer sich wo ein Stückerl zum Schluss herausholt, dann stimme ich allen, die vorhin gesprochen haben, zu, denn das kann es an Bildungsdiskussion nicht gewesen sein. Nur leider habe ich momentan den Eindruck, es wird wieder vieles sozusagen heruntergestoppt. Ich glaube, wir müssen das offen andiskutieren und fragen: Wie schaut die Zeit des Lehrenden und Lernenden aus? Das hat übrigens auch schon ein Pestalozzi und ein


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite