BundesratStenographisches Protokoll774. Sitzung / Seite 45

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ist das zugrundeliegende bildungspolitische und forschungspolitische Ziel? Wo ist das? Wo ist das Konzept?

Ich erinnere mich noch an die Schlussstunden des Jahres 2002 – ich lasse das jetzt einmal so kryptisch stehen –, als Bemühungen der Veränderung genau an jenem Punkt gescheitert sind, nämlich genau an diesem antiquierten und streng hierarchi­schen Kuriensystem. Das ist eine weitere Stärkung des Senats.

Gerade Sie, Herr Minister Hahn, treten immer wieder an – auch Kollege Schnider tritt immer wieder an – und sagen, wir brauchen teamorientierte Formen der Ausbildung, wir brauchen die Stärkung der Demokratie, wir dürfen das Wissen der Wissenschafter im Hause – diese sind ja nicht nur Mittel zum Zweck – nicht so brachliegen lassen und müssen eine moderne Universität, eine partizipative Universität ermöglichen.

Gleichzeitig bedeutet der Umstand, dass man den Universitäten eine Mangel­ver­waltung überträgt, Einschränkungen. Das heißt, genau die Universitäten müssen jetzt aufgrund des budgetären Mangels die Notbremse ziehen. Einerseits fordern Sie von den Universitäten zu erbringende Leistungen, andererseits ist aber die Budgetierung dafür nicht ausreichend, also müssen diese die Notbremse ziehen – die Notbremse wie zum Beispiel Studienplatzbeschränkungen oder Angebotsbeschränkungen. Das ist doch irgendwo genau nicht das, was wir wollen.

Herr Kollege Schnider, wir beide kämpfen doch immer wieder für ein Konzept, um auch sozial schwächeren Gruppierungen den Zugang zur Universität zu ermöglichen, damit es hier zu weniger Sozialdiskreditierungen kommt. Ich sehe diesbezüglich bis heute keine Umsetzungen.

Das Nächste ist die Situation der Frauen an den Universitäten. Noch einmal: Die Mehrheit, die maturiert, sind Frauen; die Mehrheit, die eine akademische Ausbildung in Österreich abschließt, sind Frauen. Wo sind denn die Frauen tatsächlich in der Leitungsstruktur der Universitäten vertreten? Wo sind sie? Wo sind die Professorinnen, Dekaninnen, Rektorinnen in Österreich? – Letztlich ist der Universitätsbetrieb mehr­heitlich, von den Studierenden her, weiblich, aber er folgt dieser Situation bis heute – und wir schreiben das Jahr 2009 – nicht. Die einzige Rektorin wurde schrecklich aus ihrem Amt gemobbt.

Interessant ist natürlich – du, Kollege (in Richtung von Bundesrat Dr. Schnider), kannst es bestätigen –, dass ich zu einem Zeitpunkt, als andere noch in die Suppe gespuckt haben, hier heraußen gesagt habe, das Konzept der Fachhochschulen ist ein intelli­gentes Konzept, ist ein zukunftsorientiertes Konzept, ist ein regionales und ein aus­bildungserweiterndes Konzept, das auch unsere darniederliegende AkademikerInnen­quote stark verbessert hat.

Aber wir müssen schon aufpassen: Einerseits haben wir die Fachhochschulen, das Bakkalaureatsstudium und andererseits haben wir die Universitäten. Und ein bisschen neigen wir dazu – ich weiß nicht, wie Sie das sehen, Herr Minister –, das jetzt zu verwischen. Da fragt man sich: Warum machen wir getrennte Körperschaften? – Mit der Fachhochschule wollten wir – und ich bekenne mich wirklich vollinhaltlich dazu – niederschwellige Zugänge zu einer höherwertigen Ausbildung schaffen. Aber eine Universität ist eben noch immer eine Universität. Da brauchen wir doch einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Unterschied. Ich stelle fest, dass wir gerade in diesem tertiären Bildungssektor zu Verwischungen neigen.

Wir kennen das aus der Praxis. Es ist zwar verboten, sozialrechtliche Kettenverträge zu haben, aber gerade im universitären Bereich ist das eigentlich der Fall. Ich nehme an, du (in Richtung von Bundesrat Dr. Schnider) bist ein Kettenvertragsnehmer; ich


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