Deshalb bin ich auch dankbar dafür, dass wir endlich die Frühkindförderung angegangen sind, dass uns der Kindergarten ein Anliegen ist, dass uns auch schon die Zeit vor dem Kindergarten ein Anliegen ist.
Deshalb bin ich ein bisschen skeptisch, wenn ich im Zusammenhang mit Bildung immer nur höre, dass es um Betreuung geht. Es geht überhaupt nicht um Betreuung, sondern es geht um Bildung.
Wesentlich muss für uns die von Frau Mühlwerth aufgeworfene Frage nach unserem Ziel dieser Bildungsdiskussion sein. Ein paar markante Punkte sind uns gelungen und einige werden wir noch vornehmen müssen. Ein gelungener Punkt etwa betrifft die Matura und den autonomen Standort. Wir haben auch gestern im Unterausschuss darüber debattiert, Autonomie soll nicht nur vom Ministerium ausgehen, sondern bei den Schulen ansetzen, die ihre Schwerpunkte in verschiedenen Bereichen setzen, wo die Schulen etwas leisten. Deshalb glaube ich auch, dass die Matura ihre autonomen standortbezogenen Schwerpunkte bewahren können muss. In der Diskussion ging es ja um teilstandardisierte, teilzentrale Matura.
Frau Mühlwerth – ich möchte da meine Gedanken einbringen –, Sie sagen, dass die vorwissenschaftliche Arbeit im Grunde ja nur die Fachbereichsarbeit ersetzt. (Bundesrätin Mühlwerth: Das hat man uns gestern so gesagt!) – Stimmt, es ist so, dass sie jetzt einen anderen Namen hat. Ich sehe das bei meinen eigenen Kindern, wobei meine Tochter die Fachbereichsarbeit bereits abgeschlossen hat und mittlerweile studiert, während mein Sohn sie gerade macht. Die jungen Leute müssen sich selbst – und das steht ja im Gesetz so drinnen – Fragen stellen, sich damit beschäftigen, was sie interessiert, welches Thema sie bearbeiten wollen, so wie es dann auch in der Wissenschaft gefordert wird. Die jungen Menschen müssen sich selbständig auf etwas einlassen, selbständig nach Forschungsfragen und nach Argumenten pro und kontra suchen. Eine vorwissenschaftliche Arbeit ist ja genau das selbständige Suchen nach den eigenen Forschungsfragen und Argumenten.
Das ist das, Frau Kollegin Mühlwerth, was Sie, meines Erachtens ganz richtig, bei der Bildungsdiskussion fordern und der Bildung abverlangen.
Gestern wurde es schon im Ausschuss gesagt, meiner Meinung nach müsste man schon in der 7. Klasse einen Kurs ansetzen – das sehe ich selber zuhause –, um den Umgang mit dem richtigen Instrumentarium – Quellenkunde, die richtige Art und Weise des Zitierens et cetera – zu erlernen, damit die Schüler es dann auch können, wenn sie es in der 8. Klasse bei der Erstellung ihrer ersten selbständigen wissenschaftlichen Arbeit umsetzen müssen. So war es auch immer auf der Uni, dass man zuerst in einem Proseminar das Handwerkszeug erlernt und anschließend im Seminar die wissenschaftliche Arbeit erstellt.
Endlich gehen wir bei der mündlichen Matura von diesem Frage/Antwort-Spiel weg hin zu nur einer Frage. Die vorwissenschaftliche Arbeit wird präsentiert und muss argumentiert werden – so wie auf einer Hochschule. Ich finde das wahnwitzig spannend, weil für mich Bildung gegenseitiges Lernen ist. Warum soll ich als betreuender Lehrer nicht auch unglaublich viel davon lernen?
Ich halte es für eine tolle Geschichte, dass wir jetzt eine Matura haben mit dem Schwerpunkt: Ich habe mir selbständig etwas erarbeitet und muss es selbständig nicht nur präsentieren, sondern auch argumentieren. Das ist Bildung! Ich muss vom ersten Tag an, wenn ich etwas von Bildung hören will, die richtigen Fragen stellen wollen und müssen.
Wir müssen immer mehr wegkommen von diesem Frage/Antwort-Spielchen, denn es bringt nichts, wenn wir 30 Fragen haben. Wir wissen doch alle, die wir aus der Fachwelt kommen – wenn ich jetzt auch zu dir deuten darf (der Redner wendet sich in Rich-
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