BundesratStenographisches Protokoll777. Sitzung / Seite 102

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hat – als Kolleg/inn/en aus der Praxis etwas darüber erzählen können. Auch ich bin Lehrer. Ich bin Hauptschullehrer – nicht Direktor, Herr Kollege Schennach (Bundesrat Schennach: Entschuldigung!) – mit 21 Dienstjahren, und da hat man auch so einiges darüber zu berichten.

Aber jetzt zum Punkt: Sie alle wissen, dass unser Bildungssystem, insbesondere das Schulsystem und die Schulverwaltung, derzeit vor großen Herausforderungen stehen. Sie sind im Mittelpunkt vieler Diskussionen, und ob alle Beiträge aus der Politik und viele der – unter Anführungszeichen – „Expertenvorschläge“ dazu dienen, es im Sinne unserer Kinder und Jugendlichen zu verbessern, ziehe ich manchmal persönlich sehr in Zweifel.

Heute beschließen wir unter anderem die Reform der Matura. Auch dazu wurden in den vergangenen Monaten teilweise sehr kontroverse Diskussionen geführt. Schluss­endlich wurde nun aber doch eine brauchbare und zufriedenstellende Variante als Zen­tralmatura gefunden. Seitens der ÖVP war es uns wichtig, dass diese Einigung auch unter Einbindung der Schulpartner erfolgte. Einigkeit herrscht, glaube ich, quer über al­le Fraktionen hinweg darüber, dass es um eine Effizienzsteigerung gehen muss und dass es zu einer Verschlankung, wenn man es so nennen will, oder zu einer schlanke-ren Verwaltungsstruktur im Schulbereich kommen muss.

Tatsache ist – und das muss man sich vor Augen führen –, dass manche Jugendliche bei Bewerbungsgesprächen nicht nur nach den Noten ihres Reifeprüfungszeugnisses gefragt werden, sondern – wohl wissend, warum – auch danach, wo sie die Matura ab­gelegt haben. Unbestritten ist bei uns allen auch, dass es mit einer Zentralmatura keine Nivellierung nach unten geben darf. Es geht um die Festlegung eines Standards, es darf aber damit nicht verbunden sein, dass man diesen Standard so weit unten ansetzt, dass man letztendlich wirklich auch eine Nivellierung nach unten erreicht.

Künftig wird es – und das haben wir gehört – um dieses Drei-Säulen-Modell gehen; ich möchte hier nur ganz kurz darauf eingehen. Mir persönlich gefällt auch diese vorwis­senschaftliche Arbeit. Es geht darum – wir haben es heute und hier auch erlebt –, dass es oft darauf ankommt, Dinge auch präsentieren zu können. Das ist wahrscheinlich in der Politik genauso wichtig – was man beim Kollegen Schnider und beim Kollegen Schennach sehr gut sehen kann –, dass man Dinge auch in Worte kleiden und dass man dafür argumentieren kann.

Junge Menschen stehen oft vor der Herausforderung, dass sie zwar ein entspre­chendes Wissen haben, aber dieses Wissen, wenn es darauf ankommt, nicht umset­zen können. Es ist eine entscheidende Herausforderung, dass das auch im Bildungs­bereich künftig verstärkt gesetzt wird.

Die zweite Säule – wir haben es gehört –: Diese schriftliche Arbeit in Deutsch, in der le­benden Fremdsprache sowie in Mathematik wird zentral vom BIFIE ausgearbeitet und ist – und das ist das wirklich Neue – zu einem einheitlichen und gemeinsamen Termin österreichweit festgelegt. Die Korrektur – das war auch eine Sorge am Anfang der Dis­kussion – erfolgt weiterhin vor Ort in den Schulen, allerdings auch nach genau festge­legten Kriterien.

Die dritte Säule besteht aus der mündlichen Teilprüfung. Da fließen auch weiterhin die regionalen oder schulspezifischen Schwerpunkte ein.

Sehr geehrte Damen und Herren! Mir persönlich sind in diesem Zusammenhang aber noch drei weitere Punkte besonders wichtig und ein besonderes Anliegen. Erstens geht es darum, dass die jeweils schulautonomen Schwerpunkte weiterhin berücksich­tigt werden, ja sogar ausgebaut werden können und dass es nicht zu einem bildungs-politischen, wie manche gesagt haben, Einheitsbrei, aber ich würde sagen, zu einer bil­dungspolitischen Nicht-Vielfalt kommt.

 


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