BundesratStenographisches Protokoll777. Sitzung / Seite 103

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Der zweite Punkt ist, dass ein differenziertes Schulsystem in Österreich erhalten bleibt, und drittens – und das kommt mir oft zu kurz – geht es darum, dass die Matura nicht als reine Zugangsbefähigung zur universitären Ausbildung zu dienen hat, sondern auch weiterhin der Berufsvorbereitung dienen soll. Vor allem die Absolventen der be­rufsbildenden höheren Schulen brauchen weiterhin eine praxisorientierte und praxis­nahe Ausbildung, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Ich habe vorhin mit Frau Präsidentin Zwazl gesprochen; auch ein weiterer Aspekt sollte bei der Diskussion um Bildung und Ausbildung nicht unerwähnt bleiben. Das sind jene zirka 130 000 Lehrlinge, die es in Österreich gibt und die tagtäglich vor Ort ausgebildet werden. Ich verweise nur darauf, dass vor wenigen Wochen österreichische Lehrlinge als Preisträger und erfolgreichste Teilnehmer eines weltweiten Lehrlingswettbewerbes ausgezeichnet wurden. Auch hier muss man einmal deutlich sagen, dass dies eine gute Ausbildungsschiene ist. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie bei Bundesräten ohne Fraktionszugehörigkeit.)

Ein weiterer neuer Aspekt – und hier kann man sagen, wie immer wird zu viel oder zu wenig Geld dafür ausgegeben – ist die Evaluierung durch das BIFIE. Kollege Schnider hat es erwähnt: Ob jetzt die Vergleiche mit Bayern zulässig sind oder nicht, ob es 5 € pro Kind oder 14 € pro Kind sind, ist letzten Endes nicht entscheidend. Wesentlich ist, dass es diese Qualitätssteigerung und diese Qualitätssicherung gibt, und es steht ... (Bundesrat Zwanziger: Warum ist das so teuer? Dreimal so viel!) – Das ist die Frage, ob ich einen Prototypen neu entwickle oder bereits länger mit etwas fahre; so werde ich gewisse Vorleistungen haben.

Aber ich möchte darauf hinkommen, dass es heißt, dieser Bericht über die Evaluierung wird im Nationalrat vorgelegt. Ich hoffe doch schon, dass er irgendwann auch in der Länderkammer landen wird und sich auch der Bundesrat mit den ersten Evaluierungs­ergebnissen befassen wird.

Warum interessiert mich diese Thematik noch besonders? – Kollege Erlitz hat es ange­sprochen: Sein Sohn ist im zweiten Durchgang dran, ich hoffe, meine Tochter bereits im ersten – ich habe mir das ausgerechnet –, das heißt also, 2014, wenn es österreich­weit diese Zentralmatura gibt.

Grundsätzlich darf ich festhalten, dass seitens der ÖVP im Bildungsbereich ein ausge­wogenes, mit allen Schulpartnern diskutiertes Gesamtkonzept gewollt wird und dass dieses auch umgesetzt wird. Auch wenn es nicht immer der große Wurf, der große Schritt ist, so muss es ein Schritt nach dem anderen in eine Richtung sein, die wir ge­meinsam festlegen.

Dies gilt meiner Ansicht nach vor allem auch für die ganztägigen schulischen Angebo­te. Dort, wo sie gebraucht werden, sollen sie ausgebaut, jedenfalls aber mit Wahlfrei­heit für Eltern und unter Einbeziehung der betroffenen Gebietskörperschaften umge­setzt werden. Wenn ich an die Diskussionen über die Budgets der Länder, aber auch der Gemeinden denke – und ich komme aus der Kommunalpolitik –, dann wissen wir, dass hier der Spielraum ein sehr, sehr geringer geworden ist. Letzten Endes sind ja auch die Gemeinden der Schulerhalter im Pflichtschulbereich.

Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Ich denke, mit der heutigen Beschlussfassung über die standardisierte und kompetenzorientierte Reifeprüfung wird ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gesetzt, nämlich zur Qualitätssicherung des Bildungssystems in Österreich. – Danke. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie bei Bundes­räten ohne Fraktionszugehörigkeit.)

15.11


Vizepräsident Mag. Harald Himmer: Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag. Rausch. – Bitte, Frau Bundesrätin.

 


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