BundesratStenographisches Protokoll778. Sitzung / Seite 47

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Statistiken, die dann als Rechtfertigung präsentiert werden, über wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die es gar nicht gibt – so, wie es zum Beispiel in der Grundschule Lehrer und Lehrerinnen an Schulen gibt, die gar nicht mehr existieren, nur die Lehrer und Lehrerinnen werden geführt!

Schauen wir uns zum Beispiel Folgendes an – da gibt es auch Rechtfertigungen –: Die beste Universität im Ranking ist die Universität Wien, und die ist abgestürzt vom Platz 85 zwischen 150 und 200, während die Universitäten Indiens und so weiter nicht nur auf der Überholspur sind, sondern die fliegen ja geradezu im Düsenjet an uns vorbei!

Wenn wir uns das heurige Jahr ansehen: Wir haben 300 000 Studierende erwartet, 250 000 sind es nur geworden! Das ist zu wenig! Warum gehen unsere jungen Menschen nicht studieren?

Man kann in Österreich davon ausgehen – und man braucht keine Scheuklappen zu haben; Kollege Schnider, das haben wir bei anderen Themen schon bewiesen, dass wir keine haben –, dass die durchschnittliche Studiendauer sieben Jahre ist. Das kostet zirka 70 000 €. Was heißt „freier Hochschulzugang“? 70 000 €: Das ist der Verdienst­entgang, das sind Studien-, Prüfungsgebühren, Taxen, Kosten fürs Leben. Und wenn ich dann das Studium absolviert habe, was bleibt dann?

Schauen wir uns doch einmal die Wirklichkeit an! – Prekäre Beschäftigungs­verhält­nisse noch und nöcher, junge Leute, die in geringfügige Beschäftigungen gehen – manche sammeln sie geradezu. Ich kenne eine Studienabsolventin, sie macht jetzt ihren zweiten Magister; alles tiptop, voll ausgebildet: drei Mal prekäre Beschäftigung. Sie wissen, was das Maximum ist: 350 €; dreimal 350 € – doppelter Magister!

Das ist die Realität! Und das beantwortet zum Teil die Frage, warum unsere Univer­sitäten nicht gestürmt werden.

Wir, Bundesrat und Nationalrat, waren in einem nationalen Kraftakt sofort bereit, einen großen „Schirm“ über unsere Bankenwelt zu spannen, aber wir wissen seit zehn Jahren, dass an unserer universitären Ausbildung irgendetwas nicht mehr stimmt, dass mit Sicherheit 3 000 Lehrstellen fehlen, dass die Frauen in den Professuren – von Rektoraten will ich gar nicht reden – mit der Lupe zu suchen sind. Wenn wir aber davon ausgehen, dass über 50 Prozent jener, die studieren, Frauen sind, müssen wir sagen: Das wissen wir seit Jahren!

Herr Bundesminister Hahn, Sie verweigern hier die Beantwortung einer Reihe von Fragen, weil Sie sagen, das geht in die Schulautonomie. Da gibt es schon etwas, was wir schon noch immer Hochschulpolitik nennen, wo es um klare Vorgaben geht. Und wie sieht es tatsächlich aus? Ist jetzt jemand bereit, 60 000, 70 000 € zu „investieren“, um danach in prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder in 1 000-€-Praktika – die kann man nämlich auch aneinanderhängen; 1 000 € für 1 000 € – zu gehen, dann gibt es ja noch immer die nächste Zugangshürde – die haben Sie heute nur so ein bisschen gestreift –: diese undurchsichtigen Studieneingangsphasen in manchen Studienbe­reichen, oder es müssen nach wie vor in den Hörsälen die Leute auf dem Boden sitzen bei Pflichtvorlesungen, wo sie sich um 5 oder 6 Uhr anstellen müssen, und wenn ich mich nicht richtig anmelde, verliere ich schon wieder ein Semester, und Professoren, die gar nicht wissen, in welcher Massenabfertigung sie sind, wenn sie 104, 105, 110 Studierende gleichzeitig zu betreuen haben!

Das sind die Gründe, warum wir in der Politik sagen oder die Gesellschaft insgesamt zu den Jugendlichen sagt: Ihr habt euch zu bilden! Und umgekehrt: Was ermöglichen wir den Jugendlichen? Ermöglichen wir ihnen überhaupt die Bildung? Ermöglichen wir ihnen überhaupt das Vertrauen in die Politik und dass die Politik genau das ernst


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