BundesratStenographisches Protokoll778. Sitzung / Seite 51

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Sie ja zum Beispiel merken, dass dieses neue „Format“, wie ich immer so schön sage, einer Hochschulveranstaltung, das „VÜ“ heißt – Vorlesung mit Übung –, kaum genützt wird. Wir haben die meisten immer noch als „VO“ – Vorlesung –, denn wenn man – ich sehe es an mir selbst – „VÜ“ anbietet, dann fragen einen die Kollegen: Fühlst du dich nicht irgendwie herabgesetzt, dass du „Vorlesung mit Übung“ machst? – Dabei be­deutet „Vorlesung mit Übung“, dass man mit den Studierenden wirklich in einen Dialog tritt, und „VO“ bedeutet eindeutig, dass die Leute dasitzen und man sie einige Monate lang frontal bearbeitet, und zum Schluss gibt es halt eine Prüfung.

Jetzt ist aber die Mehrheit dieser Veranstaltungen immer noch so orientiert! Aber das ist doch nicht Sache des Minoritenplatzes – seid mir nicht böse –, sondern das ist Sache der Hochschulen! Deshalb habe ich da den gleichen Vorwurf – und da können mich jetzt ruhig alle in den Hochschulen steinigen –, dass das nicht unbedingt nur eine Frage des Geldes ist, sondern die Frage ist, ob nicht dort inhaltlich mit der Autonomie nicht entsprechend umgegangen wird. Dann müssen wir hergehen und fragen, ob eben die Curricula nicht dementsprechend gemacht worden sind. – Ja, soll vielleicht der Herr Minister ein eigenes Referat im Ministerium einrichten, wo die Curricula ein bisschen dahin gehend untersucht werden, ob sie sich an den modernen hochschul­didaktischen Gegebenheiten orientieren? – Wenn wir das wollen, dann sagt das!

Ich muss ehrlich sagen, ich will das nicht! Ich will, dass diese Hochschulen lernen, autonom zu arbeiten. Und ich glaube, dazu sollten wir ihnen eine große Chance geben. Und deshalb glaube ich, dass wir hinsichtlich mancher dieser Dinge – die ihr hier berechtigt fragt, das möchte ich auch sagen, und ich bin auch sehr froh darüber, denn dann können wir uns hier wirklich einmal auch über dieses Thema unterhalten, nämlich über den tertiären Bereich, der hier in unserer Bildungskammer ohnedies bisher noch zu kurz gekommen ist, weil wir uns ja oft nur mit den Zehn- bis Vier­zehnjährigen und mit der Sekundarstufe eins und zwei beschäftigen – nicht umhin­kommen werden, anstatt nur zu sagen: Je mehr Geld, umso mehr kommt heraus!, auch darüber nachzudenken, ob vielleicht manche inhaltlichen Dinge nicht so laufen.

Damit komme ich zu meinem letzten, aber auch noch wichtigen Punkt: Bologna. (Bundesrat Schennach: Und vielleicht, dass der Studierende als Kunde und nicht als zu Versorgender betrachtet wird!) – Ja, natürlich! Damit redest du auch darüber, was Input und Output betrifft. Selbstverständlich stimme ich dir da zu!

Da hier auch der Bologna-Prozess angesprochen wurde: Ich weiß, da gibt es einige Probleme. Nur: Fangen wir nicht an, bei Dingen, die eigentlich europäisch gesehen eine klasse Geschichte sind, sofort alles in Frage zu stellen! Was nämlich das von euch angesprochene Klassenzimmerproblem betrifft, so sehe ich dieses teilweise auch. Das ist aber nicht das Problem von Bologna, denn – ein Beispiel: Wenn es in Österreich schwieriger ist, von einer Hochschule auf eine andere, von Graz nach Wien oder Innsbruck zu wechseln, als von hier nach Brüssel zu gehen, dann ist das ja genau das Problem, das wir intern haben, wo sichtlich wir es noch nicht geschafft haben, an den Hochschulen über unseren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, dann ist das nicht das Bologna-Problem. Was die Klassenzimmer-Geschichte betrifft, also den Vorwurf, es würden die Leute nur mehr verschult, so ist das genau das Problem, dass manche gedacht haben: drei Jahre, zwei Jahre – genau das hat der Herr Bundes­minister für mich ganz schlüssig erklärt –, so ist das das Problem, dass wir darüber nachdenken müssen, ob nicht dort etwas nicht stimmt.

Denn schaut, da gibt es noch etwas anderes: das Betreuungsverhältnis. 14,6 Studie­rende pro Mitarbeiter – damit liegen wir im EU- und OECD-Vergleich an vierter Stelle in den EU-Ländern und an siebenter Stelle in der OECD. Da sind wir ja auch nicht gerade die Schlechtesten!

 


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