BundesratStenographisches Protokoll778. Sitzung / Seite 53

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In dieser Woche findet der Hochschuldialog zur Weiterentwicklung des österreichi­schen Universitäts- und Hochschulsystems statt. Insofern hat natürlich Kollege Schnider schon einen guten Beitrag dazu geliefert, denn genau diese Fragen werden ja dort diskutiert werden müssen. Es bedarf eines gesellschaftlichen Grundkonsenses. Das Ziel ist, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen zu sichern und auszubauen. Teilnehmen daran sollen alle gesellschaftlichen Gruppen, wie die Öster­reichische Hochschülerschaft, die Studierenden, Vertreter der Universitäten und Hoch­schulen, die Sozialpartner, die Vertreter der Regierung, namentlich das Wissenschafts- und Unterrichtsministerium, sowie die Vertreter des Parlaments. Dieser Dialog ist erst der Anfang für eine neue Hochschulpartnerschaft, ein erster Schritt zu einer Gesamt­konzeption zur Gestaltung des Hochschulwesens.

Dazu einige Fakten – einige wurden ja schon genannt, ich möchte sie noch auf den Punkt bringen –: Die Akademikerquote in Österreich – Kollege Schennach hat das angesprochen – ist besonders niedrig. Die Zahl der Personen mit Hochschulabschluss, gemessen als Anteil an der gleichaltrigen Bevölkerung, ist in Österreich mit 10 Prozent die geringste unter allen OECD-Ländern. Der OECD-Durchschnitt ist mit 20 Prozent doppelt so hoch wie in Österreich.

Österreich verfügt über eine niedrige Studienanfängerquote – das wurde ebenfalls schon erwähnt – und eine niedrige Absolventenquote. Der Anteil der Studienanfänger im Hochschulbereich an einem Altersjahrgang liegt in Österreich mit 42 Prozent unter dem OECD-Schnitt von 56 Prozent. Zieht man die sogenannten Bildungsausländer ab, liegt Österreich sogar nur mehr bei 32 Prozent.

Der Anteil der Absolventen eines Hochschulstudiums an einem Altersjahr in Österreich ist mit 22,1 Prozent ebenfalls stark unterdurchschnittlich. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 38,7 Prozent.

Der Hochschulzugang hängt in Österreich stark von der Bildung der Eltern ab. In Österreich haben 27 Prozent der Väter von Studierenden einen Hochschulabschluss, aber nur 11 Prozent aller Männer in der vergleichbaren Altersgruppe. Obwohl der Bevöl­kerungsanteil also nur bei rund 10 Prozent liegt, sind knapp 30 Prozent der Studierenden mit einem solchen familiären Bildungshintergrund ausgestattet.

Die Studienbedingungen in einigen Studien an Universitäten sind unzumutbar, und das schon seit Jahren. In bestimmten Studienrichtungen sind die Studienbedingungen schon seit Jahren konstant schlecht; vor allem das Betreuungsverhältnis von Studie­renden zu Lehrenden ist in diesen Massenstudien untragbar.

Die Ausgaben für Hochschulen, gemessen an unserer Wirtschaftsleistung: Österreich investiert 1,3 Prozent des BIP in Hochschulen. Spitzenländer wie Kanada und Finnland investieren 1,7 Prozent. Korea investiert 2 Prozent. Ziel muss sein – und dieses Ziel hat sich auch die Bundesregierung gesetzt –, dass Österreich auf 2 Prozent kommt und dass wir schrittweise, sowohl durch öffentliche als auch durch private Investitionen, genau in diese Richtung gehen und 2020 dieses Ziel erreicht haben. Aber beginnen müsste man ab 2010.

Die Zahl der Maturanten steigt. Im Jahr 1990 hatten wir noch 31 744, im Jahr 2000 37 796, und im Jahr 2008 betrug sie bereits 41 868. Und die Zahl wird in den kom­menden Jahren noch weiter steigen.

Die Durchschnittsstudienzeit – dies wurde ebenfalls bereits angesprochen – ist in Österreich überdurchschnittlich lang. Österreich liegt mit 5,6 Jahren deutlich über dem OECD-Schnitt von 4,5 Jahren.

 


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