BundesratStenographisches Protokoll780. Sitzung / Seite 159

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

schuss erwähnt – eine ausgezeichnete Grundlage für alle, die am Tourismus interes­siert sind. Ich danke dem Team um Frau Sektionschefin Udolf-Strobl auch wieder für diesen wirklich sehr ausführlichen Bericht.

Ich darf mich in meiner kurzen Wortmeldung aber auf die betriebliche Situation be­schränken, auf die Lage der Betriebe, die ja letzten Endes überhaupt die Leistungsträ­ger des österreichischen Tourismus sind, und darf doch ein paar Zahlen kundtun, die doch eine andere Sichtweise der gesamt positiven Situation, glaube ich, eröffnen.

Unsere etwa 18 000 Betriebe in der österreichischen Hotellerie kämpfen natürlich in Zeiten wie diesen – und das ist bereits ein Sprung in die Gegenwart – mit neuen Rah­menbedingungen, die die Weltwirtschaftssituation hervorgerufen hat. Es gibt Umsatz­einbrüche, denen man in erster Linie mit Preisdumping, mit Betriebsgrößenoptimierun­gen entgegentreten will. Erschwerte Bedingungen werden auch für das Jahr 2010, für die kommende Wintersaison erwartet.

Vielleicht kann ich Ihnen am Beispiel der Auslastungsproblematik der österreichischen Hotellerie doch ein paar Argumente liefern. So haben wir in der 4- und 5-Stern-Hotelle­rie trotz schwieriger Bedingungen 2009 die Vollbelegungstage auf 174 Tage steigern können, in der 3-Stern-Hotellerie immerhin auf 119 Tage. In der 2- und 1-Stern-Beher­bergung, sage ich einmal, haben wir 82 Tage Vollbelegung. Das zeigt uns, dass gewis­se Betriebsgrößen, gewisse Beherbergungstypen mit dieser Auslastung betriebswirt­schaftlich keinesfalls eine Zukunft haben. Daher sind wir aufgerufen, hier zu handeln – und wir von der Wirtschaftskammer haben das auch dementsprechend dokumentiert –, dass es in diesem Bereich zu Förderungsmaßnahmen kommt. Ich bedanke mich auch beim Herrn Minister, der im Zuge des Konjunkturpaketes über die ÖHT, über die Mittel­standsmilliarde doch auch den Tourismus mit eingebunden hat.

Ein kleines positives Erlebnis ist auch, dass die Kreditklemme, die wir vor ein paar Mo­naten noch hier heftig diskutiert haben, sich in der Statistik heuer nicht mehr ausdrückt, denn es haben sich die Investitionen wieder erhöht, und die Kreditvolumina in der Ho­tellerie sind steigend. Auch die Förderansuchen innerhalb der ÖHT haben sich positiv entwickelt, sodass wir diese Instrumente sehr wohl nützen können.

Ich darf auch darüber berichten, dass es gelungen ist zu beschließen – und darauf können wir ein wenig stolz sein –, dass wir ab 1. Jänner 2010 neue Hotelklassifizie­rungsrichtlinien haben, über unsere europäische Interessenvertretung, gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland; die Schweiz wird 2011 folgen. Es gibt bereits sehr großes Interesse der mitteleuropäischen Staaten Slowakei, Ungarn und so weiter, auch Dänemark zeigt sich interessiert. Ich kann frei weg behaupten, dass 80 Prozent österreichisches Know-how dahinter steckt und auch die sogenannte Software dieser Richtlinien österreichische Hotelrichtlinien sind. Wir kommen damit einen Schritt näher, nicht nur einer Harmonisierung dieser Richtlinien in Europa, sondern auch dem Ziel, dass, wenn 3-Stern oder 4-Stern draufsteht, sozusagen auch drei oder vier Sterne drin­nen sind. Das ist, glaube ich, für den Kunden, für unseren Gast und für den Konsumen­ten in Zukunft von entscheidender Bedeutung.

Wenn der Vertrag von Lissabon in Kraft tritt, bekommt die EU doch eine Zuständigkeit im Tourismus, obwohl der Bereich Tourismus weiterhin im Bereich der Nationalstaaten verbleibt, das letzten Endes nach dem Prinzip der Subsidiarität in den nationalen Staa­ten geregelt wird. Aber es gibt zumindest von der Thematik her eine gewisse Zustän­digkeit, eine Koordinierungsfunktion der Europäischen Kommission. Das, glaube ich, ist summa summarum positiv zu sehen.

Die Beschäftigungssituation – und damit bin ich schon am Ende meines Beitrages – hat sich weiter positiv entwickelt. Es sind rund 180 000 Mitarbeiter im österreichischen Tourismus beschäftigt. Wenn man die geringfügig Beschäftigten auch noch dazurech­net, wie es in anderen Sparten gemacht wird, kommen wir auf 200 000.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite