BundesratStenographisches Protokoll780. Sitzung / Seite 166

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

wichtig, damit die Betriebe Signale erhalten, dass sie Geld bekommen, wenn sie bereit sind, zu investieren und ihr Angebot zu verbessern. Das ist notwendig, das zeigen auch die Zahlen des Kollegen Perhab, der ausgeführt hat, dass die Auslastung umso höher ist, je höher die Kategorie ist, also mit je mehr Sternen ein Betrieb ausgestattet ist.

Nun zu den durchschnittlich 180 000 Mitarbeitern dieser wichtigen Branche, die 5,3 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Österreichs ausmacht. Die Me­dien, vom ORF bis zu den Printmedien, werden nicht müde, das Image dieser Berufe immer wieder zu beschädigen – das ist etwas, das eigentlich abgestellt gehört!

Wir bilden Lehrlinge aus, und wir haben mehr freie Lehrstellen als Lehrstellensuchen­de. Warum wohl? – Weil den jungen Leuten signalisiert wird, dass die Bedingungen, die es in der Tourismusbranche gibt, unmöglich sind, und über die Unterkünfte ge­schimpft wird. (Bundesrat Mag. Klug: Das ist ja auch so!) Wie viele Branchen gibt es denn in Österreich, in denen der Mitarbeiter gratis Unterkunft und Verpflegung be­kommt und damit auch keine Anreise zum Arbeitsplatz auf sich nehmen muss? Wann wird denn das einmal in den Medien positiv dargestellt?

Der Mechaniker hat keine Wohnung in seinem Betrieb, er muss pendeln. (Bundesrätin Kerschbaum: Der muss auch nicht so oft wechseln!) Ich weiß, dass es natürlich auch schwarze Schafe gibt, die ich auf keinen Fall in Schutz nehmen möchte, wenn es dar­um geht, dass schlechte Quartiere zur Verfügung gestellt werden. Ich gehe davon aus, dass die Quartiere in Ordnung sind, und es gibt kaum eine andere Branche, die das für ihre Mitarbeiter tut. Letztlich stellt das auch einen Teil des Einkommens dar.

Das Zweite ist, dass die Medien immer wieder darüber jammern, dass die Arbeitszeiten nicht akzeptabel sind. Aber die Arbeitsbedingungen in der Tourismuswirtschaft machen nicht die Betriebe, sondern die Arbeitszeiten gibt der Gast vor! Der Gast gibt vor, wann wir Leistungen zu erbringen haben: Wenn er nicht mehr samstags und sonntags Ur­laub machen und essen gehen möchte, dann werden wir auch am Samstag und Sonn­tag keinen Bedarf mehr an Arbeitskräften haben – oder zu Weihnachten, zu Ostern, in der Ferienzeit oder in den Abendstunden. Wir müssen die Leistung dann erbringen, wann der Gast es wünscht, und nicht dann, wann wir oder unsere Mitarbeiter es wol­len. – Das gehört einmal gesagt!

Deshalb möchte ich mich bei den vielen Mitarbeitern bedanken – 180 000 sind es im Schnitt, es sind ja noch mehr, plus die Betriebsinhaber selbst, die natürlich auch keine 40-Stunden-Woche haben und nicht von der Gewerkschaft vertreten werden. Bedan­ken möchte ich mich dafür, dass sie genau dann die Leistungen erbringen, wann sie vom Gast gewünscht werden.

Ich ersuche aber auch alle, auch die Betriebsinhaber, um ein positives Vorleben dieses an und für sich schwierigen, aber auch sehr, sehr schönen Berufes – denn im Unter­schied zu einem Arbeiter am Fließband oder bei Reparaturen und so weiter ist das Ma­terial, mit dem wir arbeiten, der Mensch, und das ist eine Herauforderung, die wirklich toll ist.

Wenn man es richtig macht und richtig vorlebt, dann hat man vielleicht auch das Glück – so wie ich, jetzt werde ich persönlich –, zu erreichen, dass man Nachfolger fin­det. Ich bin stolz darauf und froh darüber, dass ich mit 1. Jänner 2010 Ex-Wirt sein werde und mein Sohn in meine Fußstapfen tritt – dank des Vorlebens der Schönheit dieses Berufes. – Danke. (Beifall der Bundesräte Zwanziger, Schennach und Zangerl sowie Beifall bei der ÖVP.)

18.07


Vizepräsident Mag. Harald Himmer: Zu Wort gelangt Herr Bundesminister Dr. Mitter­lehner. – Bitte, Herr Minister.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite