BundesratStenographisches Protokoll783. Sitzung / Seite 8

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heißt, wir bringen sofort etwas, das im heutigen Bildungssystem einen positiven Grund­klang haben müsste – ich werde dann erklären, warum ich das jetzt sage –, in einen Zusammenhang damit, dass irgendjemand beschränkt wird. Wenn wir zum Beispiel von „Zugangsregelungen“, von „Vereinbarungen“, von „Zugangsmöglichkeiten“ reden wür­den, dann wäre das schon etwas ganz anderes.

Aber was meine ich damit? – Ich glaube, dass ein modernes Bildungskonzept eines ist, wo es um lebenslanges Lernen und Bilden geht. Und da müssen wir als diejenigen, die für Bildung hier verantwortlich sind, auch einmal selbst einen Bewusstseinswandel mit­machen, nämlich dass es nicht mehr ein Bildungskonzept ist, das eine Linearität auf­weist, sondern so wie heute ein Bildungsweg, wie wir früher gesagt haben, wo es ein­zelne Gabelungen gibt. Und mit Gabelungen verbindet man natürlich sehr schnell: Aha, ich entscheide mich für das eine und kann mich für das andere nicht mehr entschei­den, also bin ich für das andere irgendwie beschränkt oder begrenzt worden.

Ich glaube, wir müssen heute von einem Bildungsnetzwerk reden, mit unterschiedli­chen Knoten und mit verschiedenen Richtungen, die mir ermöglicht werden. Schauen Sie, wir können das anhand eines guten Beispiels bringen. Früher war es immer von unten nach oben, dass man gesagt hat: Kindergarten, Volksschule, Hauptschule, AHS. Aber da muss man sich dann schon entscheiden. Das ist ja auch ein großes Diskus­sionsthema, auch bei uns: Gehe ich in die AHS, gehe ich in die Hauptschule? Und dann war ich auf diesem Weg. Dann ist der eine zur Matura gegangen und der andere zur Lehre.

Wenn wir uns aber anschauen, was wir in den letzten Monaten und Jahren hier be­schlossen haben, dann sehen wir, dass wir plötzlich eine größere Durchlässigkeit ent­wickelt haben, sodass jeder, der will, auch zur Matura kommt. Das ist das eine. Das heißt, wir haben unterschiedliche Wege, aber diese sind eher mit Verknüpfungen gleich­zusetzen.

Zweiter Punkt: Wenn dem so ist, dann haben wir in den letzten Jahren entwickelt, dass an wichtigen Schnittpunkten, an bestimmten Knotenpunkten immer so etwas wie eine Selbst- und eine Fremdevaluierung stattfindet. Und das sind nicht nur die großen inter­nationalen Testungen, ob das jetzt PIRLS, TIMMS oder PISA ist. Das heißt, die jungen Leute sind vom Kindergarten an gewohnt – wenn man etwa an die Frühsprachförde­rung denkt –, dass sie auch ein Stück getestet werden, wo ihre Eignungen, wo ihre Talente liegen. Und ich glaube, das ist gerade bei einem innendifferenzierten System etwas ganz, ganz Wichtiges. Und da ist es doch nicht verwunderlich, dass es, wie vom Kindergarten in den Primärbereich, vom Primärbereich in den Sekundarbereich, auch vom Sekundarbereich in den Tertiärbereich, nicht darum geht, jemandem einen Zugang nicht zu ermöglichen – deshalb bin ich gegen dieses Wort „Beschränkung“ –, sondern zu schauen: Wer hat wo die größten Talente und Fähigkeiten und wer ist wo bereit, sich voll und ganz einzulassen? – Das heißt, es geht darum, ein Stück zu schauen: Wer hat welche Eignung?

Jetzt haben wir – das ist der dritte Punkt – in Österreich in den letzten 20 Jahren eine große Typenvielfalt entwickelt, was Hochschulbereiche betrifft: Wir haben die Fachhoch­schule, wir haben die klassische Universität, wir haben die Pädagogische Hochschule. Und da denke ich mir, da müsste man doch auch schauen: Wie spielen die zusam­men?

Was nun die Pädagogischen Hochschulen betrifft, so sind, glaube ich, alle einer Mei­nung – und das sehen wir jetzt gerade an dem Papier, das herausgekommen ist, dem Schlusspapier der Expertengruppe, die immerhin von Hahn und Schmied eingesetzt worden ist und jetzt von Karl und Schmied in Finalisierung gebracht worden ist, wo das eindeutig drinnen steht –, dass es ohne eine bestimmte Eignung auch schwer möglich


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