BundesratStenographisches Protokoll783. Sitzung / Seite 18

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Meine sehr verehrten Damen und Herren, was lässt sich daraus ableiten? – Unser Ziel muss ein moderner österreichischer Hochschulraum sein, der auch den europäischen Standards, der europäischen Norm entspricht. Dazu brauchen wir Klarheit beim Hoch­schulzugang, dazu brauchen wir aber auch eine gesicherte Qualität bei Lehre und Aus­bildung, auf die man sich im Inland und im Ausland verlassen kann. Die Zahl der Ab­solventinnen und Absolventen soll sich positiv entwickeln, anstatt dass die Qualität in den Studien abnimmt.

Wir sehen nämlich auch folgendes Problem in den Massenstudien: Wir bekommen die guten Lehrenden nicht mehr. Das ist ein Faktum. Stellen Sie sich einen ausgezeichne­ten Professor vor. Wenn er wirklich gut ist, wenn er eine Kapazität im Bereich Lehre und Forschung ist – das ist ja das Optimum –, dann bekommt er Angebote von mehreren Universitäten, nicht nur von österreichischen. Wenn er das Angebot hat, an eine Uni­versität zu gehen, an der er Kleingruppen betreuen kann, an der er vielleicht Lehrveran­staltungen und Seminare mit 30 Studierenden abhalten kann (Bundesrat Mag. Erlitz: Das ist ein Argument!), an der wirklich eine für beide Seiten befruchtende Diskussion stattfindet, und wenn er auf der anderen Seite ein Angebot von einer Massen-Uni hat, wo er Hunderte Studierende im Hörsaal hat und vor allem auch keine Zeit zu for­schen – wofür wird er sich entscheiden?

Da sieht man noch ein weiteres Problem: Die Lehrenden in den Massenstudien haben keine Zeit zu forschen. Sie sind mit Lehre zugekübelt. Sie kommen nicht mehr zum Forschen. Das Postulat und Ideal der forschungsgeleiteten Lehre, wie wir es uns an unseren Universitäten wünschen, wird leider nicht mehr umgesetzt, und das ist schade, denn das ist ja das Humboldt’sche Ideal, dass Forschung und Lehre ineinanderfließen. Wie sollen aber Forschung und Lehre ineinanderfließen, wenn nicht mehr geforscht werden kann, weil die Lehre einfach zu viel an Zeit in Anspruch nimmt, wobei aber auch die Lehre in einem Massenstudium nicht mehr die nötige Qualität bieten kann? Wenn wir wirklich Interesse an der Qualität der Studien an unseren Universitäten ha­ben, dann sollten wir tatsächlich über Zugangsverfahren nachdenken! (Beifall bei der ÖVP.)

Deshalb werde ich alles dafür tun, für optimale Rahmenbedingungen an unseren öster­reichischen Universitäten zu sorgen. Als kurzfristige Maßnahme, für optimale Rahmen­bedingungen zu sorgen, sehe ich den § 124b des Universitätsgesetzes. Darin geht es um diese sogenannte Notfallverordnung.

Es wurde ja bereits angesprochen, dass in drei Bereichen ein Antrag auf Notfallverord­nung gestellt wurde, nämlich von der Publizistik, der Architektur und der WU. Ich hoffe, dass ich mich diesbezüglich mit dem Koalitionspartner noch einigen kann, weil ich es für wichtig halte, dass es da zu Lösungen kommt.

Mir fällt schon auf, dass diesbezüglich vonseiten der SPÖ mit zweierlei Maß gemessen wird. Es wird zwar gesagt, okay, in der Publizistik brauchen wir Zugangsregelungen, da liegt ein echter Notfall vor. Es wird auch gesagt, dass wir bei der Lehrerausbildung Zugangsregelungen brauchen. Das ist völlig richtig! Ich finde auch, dass wir bei der Lehrerausbildung Zugangsregelungen brauchen. Aber wenn wir sie in der Publizistik und in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung brauchen, warum nicht in den anderen Fächern?

Frau Bundesrätin Duzdar hat gesagt, wir brauchen Zugangsregelungen nur dort, wo der Zustrom der Deutschen so groß ist. Da frage ich mich aber schon, wieso man dann an den Fachhochschulen Zugangsregelungen hat. Wieso braucht man dann an den Kunstuniversitäten Zugangsregelungen? Das hat überhaupt nichts mit dem Ansturm aus Deutschland zu tun, und da sind die Zugangsregelungen akzeptiert! Auch bei den Sportwissenschaften hat niemand gesagt, na ja, das ist ein Notfall, weil die Deutschen


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