BundesratStenographisches Protokoll785. Sitzung / Seite 60

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schaften zu schicken und in der jüngeren Geschichte auch zu den Europameister­schaften. Da muss ich dazusagen: Da sieht man auch den Wert unseres dualen Ausbildungssystems, weil diese jungen Leute erfolgreich abschneiden, weil wir Nationensieger werden, weil wir immer mit Goldenen nach Hause kommen. Nur ist auch da wieder das zu beobachten, was ich schon eingangs gesagt habe: Es findet in der Öffentlichkeit und in den Medien viel zu wenig Aufmerksamkeit. Ich würde mir wünschen, dass unsere Weltmeister genauso viel Aufmerksamkeit erhalten, wie wenn einer ein alpiner Weltmeister wird oder sonst ein Weltmeister im Sport, etwa im Tennis. Wenn ich mir da anschaue, welche Berichterstattung wir haben, wenn einer in das Viertelfinale kommt! Wenn hingegen unsere jungen Leute am Podest stehen, Erste, Zweite oder Dritte werden, dann sind es einzig und allein wir als Wirtschaftskammer, die immer schauen, dass wir die Leistungen unserer Jugend und der gut ausgebildeten Fachkräfte irgendwie der Öffentlichkeit näherbringen.

Auslandsaufenthalte werden auch von unserem Verein IFA, dem Internationalen Fachkräfteaustausch, organisiert. Dieser Verein ist von der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung im Jahr 1995 gegründet worden und ermöglicht jährlich mehr als 400 Jugendlichen ein Praktikum im Ausland, und das Interesse wächst von Jahr zu Jahr. Wir in Niederösterreich haben zusätzlich eine Initiative ins Leben gerufen: „Let’s walz“, anknüpfend an die Wanderjahre, wo wir eben junge Leute motivieren, ins Ausland zu gehen, wo wir zusätzlich noch diese Auslandspraktika zahlen. Ich muss sagen, unsere Betriebe unterstützen uns, und es ist für mich immer sehr erfreulich, wenn die jungen Leute aus dem Ausland zurückkommen. Ich lade sie dann immer ein, gemeinsam mit ihren Ausbildnern, und da sieht man schon, dass das ganz andere Persönlichkeiten sind, dass sie sehr angetan sind von dem, was sie gesehen haben, aber vor allem auch, weil sie eine ungeheure Freude ausstrahlen über das, was sie eigentlich gelernt haben. Das deckt sich mit ihren Aussagen – viele kommen zurück und sagen: Jetzt weiß ich erst, was ich für eine tolle Ausbildung in meinem Betrieb genossen habe, weil meine Fähigkeiten und mein Können im Ausland so sehr anerkannt werden!

Deshalb ist es uns in der Wirtschaft schon lange ein Anliegen, dass der anrechenbare Zeitraum eines Auslandsaufenthaltes eben von vier auf sechs Monate pro Lehrjahr ausgedehnt wird. Das ist ein besonderer Grund, warum ich diese Novelle begrüße.

Erleichtert wird das Ganze aber durch eine neue Bestimmung, die auch sehr wesent­lich ist: dass jetzt auch Vereinfachungen für die Anerkennung von im Ausland abge­legten Prüfungen eingeführt werden. Bisher ist es den Antragstellern kaum gelungen, selbst die Gleichwertigkeit von Prüfungen nachzuweisen. Die Behörde konnte diesen Nachweis nur durch ein sehr aufwendiges Verfahren führen. Mit dieser Novelle soll diese Prüfung der Gegenseitigkeit wegfallen, was von meiner Seite besonders unter­stützt wird.

Im zweiten Bereich der Novelle habe ich schon ein bisschen gemischte Gefühle (Bundesrat Mag. Klug – den Kopf schüttelnd –: Geh!) – ja, ja, wir haben gestern schon darüber diskutiert (Bundesrat Mag. Klug: Eben!); da geht es um die Schaffung einer gesetzlichen Interessenvertretung für Jugendliche in einer überbetrieblichen Ausbil­dungs­einrichtung –, und zwar vor allem deshalb, weil eine überbetriebliche Lehrwerk­stätte für mich ganz einfach kein Zukunftsmodell ist und wir sie nicht als solches betrachten sollen. Dass es derzeit die Notwendigkeit dafür gibt, dem stimme ich zu. (Bundesrat Mag. Klug: Gut! Das beruhigt!) Ich weiß auch, dass die Notwendigkeit deshalb entstanden ist, weil wir durch die internationale Wirtschaftskrise, die 2008 eingesetzt hat, einen Anstieg der Arbeitslosenrate von 5,8 Prozent im Jahr 2008 auf 7,2 Prozent im Jahr 2009 gehabt haben und dass wir eine Entspannung des Arbeitsmarktes frühestens für 2011 zu erwarten haben.

 


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