BundesratStenographisches Protokoll786. Sitzung / Seite 73

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Aber Österreich hat in der Gleichstellung noch einen langen Weg vor sich, und den müs­sen wir beschreiten. Da müssen wir aufpassen und einfordern – nicht nur Frauen, son­dern Männer und Frauen –, dass Gleichstellung ein Muss ist, etwas Wichtiges und Po­sitives sein muss. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Bundesräten von ÖVP und Grünen.)

Nach wie vor belegen die von der Europäischen Kommission vorgelegten Zahlen, dass das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in vielen Bereichen weiterhin be­steht – da gebe ich Ihnen recht –: Ungleichheit bei der Beschäftigungsquote, Ungleich­heit bei der Teilzeitquote, beim Einkommensniveau, bei unbezahlter Arbeit – und hier meine ich, bei der Betreuungsarbeit, in der Pflege, bei der Hausarbeit –, bei Entschei­dungsprozessen sowie im Hinblick auf die Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gewalt ist kein Privatdelikt, bei Gewalt dürfen wir nicht zuschauen. Es ist für mich nicht romantisch, zu wissen, dass fast jede fünfte Frau Op­fer von Gewalt ist. Wen trifft denn die Gewalt am meisten? – Frauen und Kinder! Da dürfen wir nicht zuschauen, da müssen wir Ansätze und Maßnahmen setzen, um die­ser Gewalt entgegenzuwirken.

Gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit: Im Vorfeld des hundertjährigen Jubiläums des Internationalen Frauentages wurde festgestellt, dass sich insbesondere die Lage der Frauen in Österreich, in Europa, aber auch weltweit nicht verändert hat, sondern leider verschlechtert hat. Die Gehaltsschere ist immer größer geworden, und Österreich liegt bei dieser Gehaltsschere an vorletzter Stelle. Nur Estland ist hinter Ös­terreich, alle anderen EU-Staaten haben bessere Werte als Österreich, sogar diese – unter Anführungszeichen – „Macho“-Regionen liegen vor Österreich. (Bundesrat Per­hab: In Bulgarien verdienen die Damen weniger als in Österreich! – Weitere Zwischen­rufe.)

Na ja, dann fragen wir eben: Ist es gerecht, dass in Österreich Frauen ein Drittel weniger als Männer verdienen, nur weil sie Frauen sind? Ist es gerecht, dass 39 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit arbeiten? Ist es gerecht, dass die Frauen, der Großteil der Frauen, noch immer Betreuungsarbeit, Hausarbeit und Arbeit für die Kindererziehung machen? Ist das gerecht? (Zwischenruf des Bundesrates Dönmez.) – Nein, es ist nicht gerecht!

Deswegen müssen wir Ansätze machen, dass vor allem auch bei der Hausarbeit, bei der Pflege- und Kinderbetreuungsarbeit der Begriff „unbezahlte Arbeit“ neu verteilt wird. Halbe-halbe müsste im 21. Jahrhundert kein Slogan mehr, sondern eine Selbstverständ­lichkeit sein! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Bundesräten von ÖVP und Grünen.)

Noch etwas: Höchstens die Hälfte der Einkommensunterschiede ist rational zu erklä­ren, der Rest ist Lohndiskriminierung! Freilich müssen wir uns fragen: Sind vielleicht auch die Frauen daran schuld? Sind die Frauen zu wenig selbstbewusst? – Meine Ant­wort: Man muss die Frauen selbstverständlich dazu ermutigen, nicht immer die typi­schen Frauenberufe wie Verkäuferin, Friseurin, Sekretärin zu erlernen.

Ich kann euch sagen, in der Schule – ich bin nämlich Berufsschullehrerin und unter­richte drei dritte Klassen – sind in einer Verkäuferklasse zu hundert Prozent Mädchen, die gerade diesen typischen Frauenberuf auswählen, in dem sie keine Aufstiegsmög­lichkeit haben und wenig verdienen. Da müssen wir bei den Frauen ansetzen! Wir müs­sen aber auch da ansetzen, dass ein Grund für diesen Einkommensunterschied die unterschiedliche Einstufung ist, die unterschiedliche Anrechnung von Vordienstzeiten, außerordentliche Gehaltserhöhungen, Prämien, Zulagen und Überstundenabgeltung.

Noch zwei Punkte zum Thema Diskriminierung: Die Zahl der Frauen in Führungsfunk­tionen sinkt, statt zu steigen, und Österreich fällt immer weiter zurück. In Kärnten, oder eigentlich überhaupt in Österreich, ist es so, dass Frauendomänen von Männern be-


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