Aber Österreich hat in der Gleichstellung noch einen langen Weg vor sich, und den müssen wir beschreiten. Da müssen wir aufpassen und einfordern – nicht nur Frauen, sondern Männer und Frauen –, dass Gleichstellung ein Muss ist, etwas Wichtiges und Positives sein muss. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Bundesräten von ÖVP und Grünen.)
Nach wie vor belegen die von der Europäischen Kommission vorgelegten Zahlen, dass das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in vielen Bereichen weiterhin besteht – da gebe ich Ihnen recht –: Ungleichheit bei der Beschäftigungsquote, Ungleichheit bei der Teilzeitquote, beim Einkommensniveau, bei unbezahlter Arbeit – und hier meine ich, bei der Betreuungsarbeit, in der Pflege, bei der Hausarbeit –, bei Entscheidungsprozessen sowie im Hinblick auf die Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gewalt ist kein Privatdelikt, bei Gewalt dürfen wir nicht zuschauen. Es ist für mich nicht romantisch, zu wissen, dass fast jede fünfte Frau Opfer von Gewalt ist. Wen trifft denn die Gewalt am meisten? – Frauen und Kinder! Da dürfen wir nicht zuschauen, da müssen wir Ansätze und Maßnahmen setzen, um dieser Gewalt entgegenzuwirken.
Gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit: Im Vorfeld des hundertjährigen Jubiläums des Internationalen Frauentages wurde festgestellt, dass sich insbesondere die Lage der Frauen in Österreich, in Europa, aber auch weltweit nicht verändert hat, sondern leider verschlechtert hat. Die Gehaltsschere ist immer größer geworden, und Österreich liegt bei dieser Gehaltsschere an vorletzter Stelle. Nur Estland ist hinter Österreich, alle anderen EU-Staaten haben bessere Werte als Österreich, sogar diese – unter Anführungszeichen – „Macho“-Regionen liegen vor Österreich. (Bundesrat Perhab: In Bulgarien verdienen die Damen weniger als in Österreich! – Weitere Zwischenrufe.)
Na ja, dann fragen wir eben: Ist es gerecht, dass in Österreich Frauen ein Drittel weniger als Männer verdienen, nur weil sie Frauen sind? Ist es gerecht, dass 39 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit arbeiten? Ist es gerecht, dass die Frauen, der Großteil der Frauen, noch immer Betreuungsarbeit, Hausarbeit und Arbeit für die Kindererziehung machen? Ist das gerecht? (Zwischenruf des Bundesrates Dönmez.) – Nein, es ist nicht gerecht!
Deswegen müssen wir Ansätze machen, dass vor allem auch bei der Hausarbeit, bei der Pflege- und Kinderbetreuungsarbeit der Begriff „unbezahlte Arbeit“ neu verteilt wird. Halbe-halbe müsste im 21. Jahrhundert kein Slogan mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit sein! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Bundesräten von ÖVP und Grünen.)
Noch etwas: Höchstens die Hälfte der Einkommensunterschiede ist rational zu erklären, der Rest ist Lohndiskriminierung! Freilich müssen wir uns fragen: Sind vielleicht auch die Frauen daran schuld? Sind die Frauen zu wenig selbstbewusst? – Meine Antwort: Man muss die Frauen selbstverständlich dazu ermutigen, nicht immer die typischen Frauenberufe wie Verkäuferin, Friseurin, Sekretärin zu erlernen.
Ich kann euch sagen, in der Schule – ich bin nämlich Berufsschullehrerin und unterrichte drei dritte Klassen – sind in einer Verkäuferklasse zu hundert Prozent Mädchen, die gerade diesen typischen Frauenberuf auswählen, in dem sie keine Aufstiegsmöglichkeit haben und wenig verdienen. Da müssen wir bei den Frauen ansetzen! Wir müssen aber auch da ansetzen, dass ein Grund für diesen Einkommensunterschied die unterschiedliche Einstufung ist, die unterschiedliche Anrechnung von Vordienstzeiten, außerordentliche Gehaltserhöhungen, Prämien, Zulagen und Überstundenabgeltung.
Noch zwei Punkte zum Thema Diskriminierung: Die Zahl der Frauen in Führungsfunktionen sinkt, statt zu steigen, und Österreich fällt immer weiter zurück. In Kärnten, oder eigentlich überhaupt in Österreich, ist es so, dass Frauendomänen von Männern be-
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