Lehrerinnen aktiv sind, die den Stoff entsprechend vermitteln können, die Spaß am Lehren haben.
Ich nehme an, es wird Ihrer werten Aufmerksamkeit nicht entgangen sein, denn Sie haben ja ein großes Interview im „Standard“ gehabt, wo man am letzten Samstag einen Schwerpunkt auf das Thema Bildung gelegt hat: Da hat man das skandinavische Modell – Finnland, Schweden – mit dem österreichischen Modell verglichen. Das gilt nicht nur für diesen Bereich, aber wenn man sich anschaut, wie viel Ressourcen und Mittel wir dafür aufwenden und was der Output ist, muss man sagen: Da haben wir allerhöchsten Handlungsbedarf.
Die Finnen haben den Ansatz – ich glaube, diesen Ansatz sollten auch wir übernehmen –, dass sie es sich einfach nicht leisten können, dass Kinder und Jugendliche einfach sitzenbleiben oder fallengelassen werden. Das Schuljahresende naht, in ein paar Wochen ist Semesterende, und wir werden in etwa 14 500 oder knapp 15 000 Kinder und Jugendliche haben, die mit einem Nichtgenügend oder mehreren Nichtgenügend die Klasse wiederholen werden müssen oder sitzenbleiben. Bitte, liebe Kolleginnen und Kollegen, bedenken Sie das! Ich glaube, es bedarf hier keiner weiteren Ausführung, was das für den weiteren Berufsverlauf bedeutet.
Aber nun zu der vorliegenden Gesetzesmaterie. Hier möchte ich eines explizit betonen: Ich bin zwar als Kontraredner gemeldet, aber ich bin nur mit einem Punkt nicht zufrieden – alle anderen Punkte kann ich mittragen –, und das ist der Punkt der Bildungsdokumentation. Wir haben das auch im Ausschuss diskutiert. Für mich ist nach wie vor nicht nachvollziehbar, warum wir eine Sozialversicherungsnummer anführen und diese verwendet wird. Ich denke, die Sozialversicherungsnummer sollte dort belassen werden, wohin sie gehört, nämlich im sozialversicherungstechnischen Bereich. Man könnte hier auch den Vorschlag des Datenschutzrates aufgreifen, wonach mittelfristig Personenkennzahlen eingeführt werden sollen, ähnlich wie die Matrikelnummern an der Universität.
Aber jetzt zum Thema Bildung. – Es sind einzelne Verbesserungsvorschläge da. Das ist gut und sehr schön, die brauchen wir besser gestern als heute. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber es ist nicht der große Wurf, den wir in der Bildungsdebatte brauchen würden, denn die Entwicklung der Gesellschaft muss sich auch mit der Entwicklung in der Bildungslandschaft im Einklang befinden. Was im 19. Jahrhundert gut war, passt eben für das 21. Jahrhundert nicht mehr, und das müssen die Bewahrer und Blockierer endlich einmal begreifen.
Das differenzierte Bildungssystem ist ein Spiegel, ein Spiegel der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts: Die Volksschule für das Volk, Bürger- beziehungsweise Hauptschule für die Bürger und die Mittelschicht und das Gymnasium für die oberen Schichten. Nun liegt es doch auf der Hand, dass wir es heute mit einer ganz anderen Gesellschaftsstruktur zu tun haben, die aus einer breiten Mittelschicht besteht, und deswegen ist eine gemeinsame Schule für alle nicht nur gerechtfertigt, sondern auch notwendig (Beifall bei den Grünen sowie bei Bundesräten der SPÖ) für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für eine optimale Förderung unserer Kinder und Jugendlichen.
Ich bin zwar nicht so sensibel in dieser Materie, aber es ist doch kennzeichnend, wenn man eine solch wichtige Debatte am Ende eines doch langen Plenartages ansetzt, wo manche schon auf die Uhr schauen, viele schon weg sind und manche vielleicht gerade noch aufpassen. Ich versuche, es dennoch spannend zu halten, und ich hoffe auch, dass mein Kollege Andreas Schnider zur Gesamtschule noch einige Worte sagen wird. (Beifall des Bundesrates Schennach.)
Wir müssen in unserer Umgebung auch jene berücksichtigen, die aufgrund ihrer familiären Situation nicht die schulische Unterstützung bekommen können und nicht so ge-
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