BundesratStenographisches Protokoll786. Sitzung / Seite 159

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Ich möchte jetzt zu einzelnen Punkten der Gesetzesvorlagen Stellung beziehen. Ich be­danke mich sehr für das konstruktive Gesprächsklima und freue mich – also ich möch­te jetzt nichts verschreien – auf die erwartbare breite Zustimmung zu den Regierungs­vorlagen.

Einen Punkt möchte ich jetzt besonders herausgreifen, der auch von Frau Bundesrätin Astleitner erwähnt wurde, ein Hinweis darauf kam von Frau Bundesrätin Mühlwerth und auch Bundesrat Präsident Erlitz hat darauf Bezug genommen, nämlich das Thema Bil­dungsstandards. Ich stimme auch in vielen Punkten mit Herrn Bundesrat Dönmez über­ein, nur in der einen Aussage, dass die Bildungsstandards – also ich weiß nicht, ob ich das richtig mitgeschrieben habe – nur ein kleiner Schritt wären, nicht. Also das sehe ich ganz anders!

Die Bildungsstandards und die neue Matura, AHS und BHS, sind für mich die größten Systeminterventionen, die wir bisher im Bildungsbereich überhaupt beschlossen haben, beschließen werden. Ich richte meine volle Aufmerksamkeit auf diese Projekte, nicht nur weil sie technisch anspruchsvoll sind – also wir werden ab dem Jahr 2012 österreich­weit jährlich 90 000 Schüler und Schülerinnen entsprechend den Bildungsstandards testen. Dann brauchen wir in Wirklichkeit nicht mehr auf PISA zu warten, wir haben un­sere Qualitätstests dann selbst.

Ab dem Schuljahr 2014/15 werden an einem Tag in ganz Österreich – und ich ergänze, auch in den Auslandsschulen – 45 000 Schüler und Schülerinnen die teilstandardisierte Matura machen. Das sind Großprojekte, für die die technische Vorbereitung wichtig ist. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Kultur, ist der Paradigmenwechsel, sind der Einsatz und der Umgang mit diesen Instrumenten. Es muss uns einfach gelingen, dass die Schule auch eine Kultur der Wertschätzung lebt, dass wir in eine Schule der Wahr­nehmung kommen und dass wir uns verabschieden von diesem wirklich zu nichts füh­renden Spiel: Wer hat Schuld?

Es gibt kaum einen Bereich, der sich so ideal dafür eignet – Täter/Retter/Opfer, Schü­ler/Eltern/Lehrer –, wir kommen jedoch mit Schuldzuweisungen nicht weiter. Es ist also entscheidend, dass uns mit der Einführung der Bildungsstandards auch eine Änderung in den Haltungen und Kulturen gelingt, dass Wertschätzung dominiert, dass Ergebnis­se genutzt werden, um sich damit auseinanderzusetzen, wie wir es in Zukunft besser machen können. Wie schaffen wir es, wenn wir Top-Ergebnisse haben, das Niveau zu halten? Was ist zu tun, um in Zukunft bessere Ergebnisse zu erreichen?

Ein Grundsatz ist fundamental: Wenn wir – und da gibt es große Übereinstimmung – sagen, wir müssen in der Schule besser auf jedes einzelne Kind eingehen, wir müssen es individuell betreuen, wir müssen es auch mögen und wertschätzen und es gehört auch Zuversicht dazu, dann ist das ein ganz wichtiger Grundsatz.

Auf der anderen Seite müssen wir bei bildungspolitischen Maßnahmen differenziert vor­gehen. Ich bringe jetzt zwei Extrembeispiele: Es macht eben einen großen Unterschied, ob ich bildungspolitische Maßnahmen – ich bringe nur ein Beispiel – in der Hauptschu­le in Wien am Reumannplatz setze oder in der Hauptschule in Reichenau an der Rax. Es gibt einfach auch je Schulstandort ganz unterschiedliche Herausforderungen und Anforderungen. Deshalb und nur deshalb ist es auch so wichtig, dass wir die Schu­len besser ausstatten, dass wir ihnen aber vor allem auch Verantwortung übertragen. Die Schulleitungen müssen Verantwortungsspielräume im pädagogischen Bereich ha­ben, ob sie jetzt Teamteaching machen, Nachmittag, Vormittag, Förderunterricht, Schwer­punktsetzungen, da brauchen die Schulen dringend mehr Gestaltungsspielraum und Freiraum.

Mit den Bildungsstandards – Präsident Erlitz hat das auch angesprochen – bekommen natürlich auch die Schulleiter ein klareres Rollenverständnis und brauchen auch ein ent-


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite