BundesratStenographisches Protokoll786. Sitzung / Seite 162

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Was mich – und im Übrigen auch viele andere – stört, ist, dass viel zu selten über die Sinnhaftigkeit und Praxistauglichkeit einzelner Vorschläge geredet wird und in der me­dialen Arena stattdessen ideologische Positionen einander gegenübergestellt werden, ferner prägen sehr oberflächliche Worthülsen und Sager die Diskussion. Diese bringen zweifellos jenen etwas, die dann in den Medien vorkommen – auch das gehört offen­sichtlich zum Geschäft –, den Schülerinnen und Schülern bringen sie jedoch leider am allerwenigsten.

Insofern freue ich mich, dass wir heute einige Beschlüsse fassen, an scheinbaren Ne­benschauplätzen, die aber für die Qualität der Bildung und des Bildungsangebotes in Österreich nicht weniger wichtig sind als die, die gerade öffentlich debattiert werden. Ich bin der festen Überzeugung und erlebe es in Gesprächen mit Betroffenen immer wie­der, dass sie meine Überzeugung teilen, dass wir jetzt mehr denn je eine Schule brau­chen, die auf das Leben vorbereitet.

So wie sich die Welt weiterentwickelt und weiterdreht, so braucht es auch in der Schule entsprechende Veränderungen. Anstatt über Namen und Bezeichnungen zu reden, al­so darüber, was außen, am Schuleingang draufstehen soll – das können wir uns auch nachher ausmachen –, sollten wir darüber reden, was in der Schule passiert.

Für eine Schule, die auf das Leben vorbereitet, brauchen wir definitiv zeitgemäße Lehr­inhalte. Das spüren wir immer wieder. Schülerinnen und Schüler müssen das lernen und können, was sie im Leben wirklich weiterbringt, was sie fit für die nächsten Jahr­zehnte macht – anstatt das zu lernen, was sich fachverliebte Expertinnen und Experten vielleicht schon seit Jahrzehnten einbilden.

In diesem Bereich, nämlich im Bereich „Was lernen wir?“ und „Woraus lernen wir es?“, setzen wir heute einen vermeintlich kleinen, aber doch ganz wesentlichen Schritt. Ab sofort kann zum Beispiel ein Schulbuch nur mehr als solches verwendet werden, wenn seine Inhalte den Bildungsstandards entsprechen, die wir hier schon beschlossen ha­ben und die heute auch schon mehrmals Thema waren – Bildungsstandards, die letzt­lich Auskunft darüber geben, wie viel meine persönliche Ausbildung wert war, wie viel Qualität in meiner Ausbildung gesteckt ist, Bildungsstandards, die eine echte Vergleich­barkeit möglich machen.

Da ich davon ausgehe, dass die Bildungsstandards letztlich auch mit der Zeit gehen wer­den, dass sie daran angepasst werden, was Schülerinnen und Schüler an Wissen und Kompetenzen brauchen, denke ich, dass auch die Schulbücher entsprechend ange­passt werden. Ich glaube, das ist eine sehr gute Sache, die direkt spürbar werden wird.

Im Bereich „Was lernen wir?“ ist aber noch einiges offen, und da die Frau Bundesminis­ter heute da ist, muss ich es ansprechen: zum Beispiel die Einführung des eigenen Un­terrichtsfaches Politische Bildung in allen Schulen ab der fünften Schulstufe. Nicht nur in persönlichen Gesprächen erfahren wir – alle, glaube ich –, dass junge Menschen politisch interessiert sind, ihr Wahlrecht ab 16 gerne ausüben wollen, aber – mir sagen sie das auch immer wieder – sich darauf nicht richtig vorbereitet fühlen, sich irgendwie allein gelassen fühlen, niemanden haben, mit dem sie wirklich darüber reden können.

Eine aktuelle, erst am Dienstag medial bekannt gewordene Studie hat uns das wieder vor Augen geführt: Österreichische Jugendliche wollen politisch mitgestalten, über Po­litik wissen sie aber leider viel weniger als Gleichaltrige in anderen Ländern der Welt. (Zwischenruf des Bundesrates Schennach.)

Apropos Studien: Da gibt es ja noch eine, die Sie kennen, Frau Bundesministerin, Sie haben sie ja selbst in Auftrag gegeben. Ich meine die Studie der Donau-Universität Krems, laut welcher sich 75 Prozent, also drei Viertel aller befragten Schülerinnen und Schüler dafür aussprechen, dass es ein eigenes Unterrichtsfach Politische Bildung oder Demo-


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