BundesratStenographisches Protokoll786. Sitzung / Seite 165

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glauben, dass uns das gelungen ist, dann haben wir falsch gehandelt. Ich habe es schon gesagt: Das alles muss sich entwickeln – und Entwicklungen müssen zugelassen wer­den. Also haben all jene unrecht, die sagen, es muss alles bewahrt werden, es soll al­les beim Alten bleiben – aber auch jene haben unrecht, die sagen: Festplatte aus, neu formatieren!

Sehr, sehr viele gute Ansätze gab es ja gerade in den letzten Jahren, und es sind Dis­kussionsprozesse in allen – ich betone: in allen – Parteien in Gang gekommen, die uns jetzt, hier und heute diese Diskussion ermöglichen. Eine solche Diskussion wäre wahr­scheinlich vor einigen Jahren, ja selbst vor einigen Monaten noch nicht möglich gewe­sen.

Ich bin in der Bildungsdebatte all jenen dankbar, die ein Stück aufeinander zugehen, auch wenn diese ersten Schritte manchmal schwer fallen, aber es ist ein Weg in die richtige Richtung.

Meine Damen und Herren, was ist denn heute eigentlich eine gute Schule, wie es in dem Artikel heißt? – „Als ‚gut‘ gilt eine Schule heutzutage, wenn ein engagiertes Leh­rerteam unter einer Leitung, die ‚leadership‘ ausstrahlt, für ein freundliches Schulklima sorgt, wenn den Kindern glaubwürdig und konsequent vermittelt wird, dass ihre Lern­fortschritte ernst genommen werden, wenn für individuelle Schwächen und für außer­ordentliche Begabungen professionelle Förderung eingesetzt wird und wenn ein reich­haltiger, kreativer, zielstrebiger Unterricht es den Schülern ermöglicht, in einer von Fair­ness und gegenseitigem Respekt geprägten Atmosphäre ihre Ich-, Sozial- und Sach­kompetenz zu entwickeln.“

Na bum!, habe ich mir gedacht: Wenn du da in der Klasse stehst und das alles berück­sichtigen sollst, dann ist die Stunde zu Ende, bevor du damit begonnen hast.

Oft ist es ja so – und da bin ich der Frau Ministerin auch sehr, sehr dankbar, die das gleichfalls gesagt hat, und das eint uns ja –, dass diese Diskussion regional sehr ver­schieden ist. Wir hören ja immer wieder – und das tut ganz besonders jenen weh, die in einer Hauptschule am Land unterrichten –, die Hauptschule sei kaputt. Dazu: ein kla­res Nein! Es gibt im Bereich Hauptschule lediglich Probleme – das wissen wir alle – im urbanen Bereich. Was sind die Gründe hiefür? – Dazu lese ich Ihnen auch noch etwas kurz vor. Es gibt aber sehr, sehr viele Beispiele, die positiv sind. Das ist doch ein Streit um des Kaisers Bart, also lediglich um den Namen.

Ich zitiere Direktor Enzenhofer aus einer Hauptschule im Mühlviertel, der sagt:

„Um den Status einer Neuen Mittelschule hat sich Leonfelden nicht beworben. ‚Wozu auch. Für uns wär’s nur mehr Bürokratie. Wir machen seit 20 Jahren das, was die Neue Mittelschule bietet. Und wir sind quasi eine geheime Gesamtschule. In unseren Klas­sen sitzen hochbegabte Kinder, aber auch Schüler mit speziellem Förderbedarf.‘ Ideal für diese ,Durchmischung‘ seien da die Leistungsgruppen: ‚Sie machen ein individu­elles Fördern möglich. Bei uns ist die erste Leistungsgruppe noch mit der AHS vergleich­bar.‘“

Das heißt, da gibt es Ansätze, die altbewährt sind, aber einen anderen Namen haben.

Mich persönlich stimmt aber immer wieder traurig, die Praxis vor Ort zu sehen: Dass eben aufgrund eines sehr geringen Stundenkontingents – Herr Präsident Erlitz weiß das sehr genau – alles sehr knapp bemessen ist, dass oft der Regelschulbetrieb und der nor­male Fächerkanon kaum mehr zu unterrichten möglich ist. Da ist dann auch kein Platz – auch wenn das gewollt ist – für autonome Entscheidungen, für Schwerpunktbildungen und so weiter.

All das – das ist jetzt die leichte Kritik, die ich anbringen möchte – ist dann nur unter dem Titel Neue Mittelschule möglich, denn dafür gibt es dann zusätzliche Stunden. Ich


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