haben! Das ist ja überhaupt keine Frage. Ich glaube, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.
Aber was man schon auch ein bisschen selbstkritisch anmerken muss – und ich nehme mich da jetzt gar nicht aus –, ist, dass wir Frauen auch von uns aus zu wenig tun. Und wir neigen dazu, denn wir sind so fleißige Arbeiterinnen (Bundesrat Gruber: Bienen! Fleißige Bienen!), uns unter unserem Wert zu verkaufen. Ich habe einmal mit einem Unternehmer gesprochen, der mir gesagt hat, dass er viel lieber Frauen einstellt. Auf die Frage, warum er das macht, hat er gesagt – und das ist jetzt Wasser auf Ihre Mühlen –: Die verlangen weniger Geld, und sie arbeiten mehr; und daher nehme ich natürlich mit Handkuss eine Frau und ziehe Frauen den Männern vor!
Und genau das ist ein Punkt, wo wir auch an uns selbst arbeiten müssen. Wir geben uns immer mit viel zu wenig zufrieden. Wir verlangen grundsätzlich einmal weniger Lohn als die Männer, weil die Männer viel selbstbewusster sind und ihre Leistung viel höher einschätzen, als wir Frauen das tun. Das ist meistens so. Es gibt immer Ausnahmen von der Regel, aber meistens ist es so. Wir warten, bis jemand auf unsere Leistungen aufmerksam wird und uns dann endlich irgendeinen Posten anbietet, anstatt zu sagen: Ich möchte diesen Posten, und der steht mir zu, und ich habe das gleiche Recht, um diesen Posten zu kämpfen, wie das auch ein Mann tut!
Also insgesamt: Mehr Selbstbewusstsein, mehr Selbstvertrauen würde uns Frauen nicht schaden. Dazu muss aber auch jede an sich selbst arbeiten. Das kann man weder in einem Gesetz verordnen, noch nützt es, etwas über die Quote zu machen, noch nützt es, wenn man das im Bericht schreibt. Also ich glaube, da müssen wir uns auch ein bisschen am Riemen reißen.
Was mich bei dieser Diskussion aber schon auch ein bisschen verwundert, ist, dass wir oder dass Sie immer nur über die Aufsichtsratsfunktionen reden. Ich habe fast nichts darüber gehört dort, wo es um die Vorstandsetagen geht, nämlich dort, wo entschieden wird. Der Aufsichtsrat ist ein Kontrollgremium. Das ist durchaus wichtig, aber eigentlich sollten wir – wenn wir schon so denken – sagen, unsere Frauen sollten auch in der Chefetage sitzen, und zwar an dem Platz, wo entschieden wird. Da gibt es aber auch nur wenige Beispiele. (Bundesrat Boden: Siemens!) Aber trotzdem darf ich doch kritisch anmerken, dass wir nur vom Aufsichtsrat reden, statt dass wir unser Augenmerk auf jenen Bereich legen, wo die wirkliche Macht konzentriert ist und wo wir auch tatsächlich etwas entscheiden können. Aber das wird ja auch noch irgendwann einmal kommen.
Wie gesagt, der Bericht bietet uns ein bisschen zu wenig an Lösungsansätzen – ich sage nicht, gar keine, aber doch ein bisschen zu wenig. Denn: Die Frauenarmut ist ein großes Thema, das ja fast eine Querschnittmaterie ist und das auch im Armutsbericht jedes Mal wieder zum Tragen kommt, wo immer wieder zum Ausdruck kommt, dass die Armut in erster Linie weiblich ist. Auch da ist es über die Jahrzehnte – die SPÖ ist schon lange genug in einer Regierung – nicht gelungen, das zu beseitigen. Ich hoffe, dass das irgendwann einmal gelingen wird.
Das liegt schon an den niedrigen Einkommen, das Frauen aufgrund der Wahl ihres Berufes haben, aber eben nicht nur daran, denn – und ich nehme jetzt auf den Armutsbericht Bezug –: Wenn rund 300 000 Personen 40 Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem nicht das Auslangen finden – das sind nicht nur Frauen, sondern auch Männer –, dann muss man sagen, dass wir generell einmal dorthin kommen müssen, dass man mit seinem Einkommen – auch dann, wenn es nicht gerade ein hohes ist – auch auskommen können muss, und dies auch dann, wenn man nicht höchst qualifizierte Jobs hat.
HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite