Man kann feststellen, dass sich in den letzten Jahren zwar viel Positives getan hat, aber auch noch viel Diskussions- und Änderungsbedarf vorhanden ist.
Die Lebenswelten von Frauen sind enorm vielfältig. Deshalb ist es unsere Aufgabe, denke ich, die Rahmenbedingungen von politischer Seite so zu schaffen, dass jede Frau die Möglichkeit und die Wahlfreiheit hat, ihr eigenes Leben so zu gestalten, wie sie es möchte.
Frau Kollegin Mühlwerth, im Gegensatz zu Ihnen sehe ich das so, dass der Frauenbericht sehr umfangreich und interessant ist. Ich kritisiere das nicht, dass es hier keine Änderungsvorschläge gibt, denn es ist ein Bericht mit Daten und Fakten, und ich glaube, da sind wir alle gefordert, aufgrund dieser Grundlage die Rahmenbedingungen entsprechend zu ändern und die Weichen demgemäß zu stellen. (Beifall bei der ÖVP und bei Bundesräten der SPÖ.)
Gerade weil ich als Tirolerin weiß, wie die ländlichen Räume in vielerlei Hinsicht benachteiligt sind, habe ich mich im Frauenbericht für die Daten und Fakten rund um das Thema Frauen im ländlichen Raum besonders interessiert. Es freut mich sehr, dass dieses Thema im Bericht so viel Raum findet, da diesem bisher relativ wenig Beachtung geschenkt wurde.
Die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit ländlicher Räume, insbesondere der peripheren Regionen, muss uns ein besonderes politisches Anliegen sein. Die Abwanderung aus diesen Gebieten in die Städte ist laut dem Bericht bei Mädchen und Frauen im Alter von 18 bis 26 Jahren am häufigsten. Ab dem Alter von 18 Jahren ist die Bildungsbeteiligung von Mädchen und Frauen in ländlichen Regionen geringer als im städtischen Raum. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Konzentration der Ausbildungsstätten auf die Großstädte. Das wiederum hat aber zur Folge, dass in Großstädten Frauen ein höheres durchschnittliches Qualifikationsniveau haben, welches aber zu einem großen Teil auf die Abwanderung von hochqualifizierten Frauen aus den ländlichen Räumen mangels Beschäftigungsmöglichkeiten zurückzuführen ist.
Die Stadt-Land-Unterschiede in der Bildungs- und Beschäftigungskultur finden somit auch in der Höhe der Verteilung der Einkommen entsprechenden Niederschlag.
Eine weitere starke Benachteiligung ländlicher Gebiete zeigt sich auch hinsichtlich der Kinderbetreuung. Während in Wien neun von zehn Einrichtungen mindestens acht Stunden täglich geöffnet haben, stehen im stark ländlichen Raum drei Viertel der Kindergärten weniger als acht Stunden zur Verfügung. Wien darf aber nicht immer als Maßstab herangezogen werden. Ländliche Räume haben mit ganz anderen Strukturproblemen zu kämpfen und müssen deshalb auch entsprechend beachtet werden.
Deshalb freut es mich sehr, dass wir in Tirol nun mit der möglichst flächendeckenden Einführung der ganztägigen und ganzjährigen Kinderbetreuung begonnen haben, wobei wenigstens die Kinderbetreuung am Vormittag kostenlos ist. Die Gemeinden haben nun zwei Jahre Zeit, diese Angebote umzusetzen. Natürlich ist mir das auch zu langsam, aber man muss dazusagen, gerade der ländliche Bereich wie bei uns St. Jakob, also überhaupt das Defereggental oder das Lesachtal, wo wirklich die Gemeinden sehr weit auseinander sind, ist hier gefordert, die Gemeinden müssen schauen, wie man kosteneffizient mit den Geldmitteln, die zur Verfügung stehen, Zusammenlegungen macht, wie man die gemeindeübergreifenden Projekte, die vom Land Tirol am meisten gefördert werden, betreffend Infrastruktur, Qualität ins Leben rufen kann. Zu glauben, dass jede Gemeinde das für sich machen kann, das wäre weltfremd, das ist einfach nicht möglich.
Erst wenn diese Voraussetzungen auch bei uns im ländlichen Raum passen, dann können Frauen, die eine hohe Qualifikation haben, sich erst darauf verlassen, dass
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