BundesratStenographisches Protokoll794. Sitzung / Seite 112

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Kindern plaudert. (Der Redner zeigt die entsprechenden Seiten der angesprochenen Zeitung.)

Das ist eigentlich das Bild, das wir Männer leider Gottes immer wieder von uns geben, an schönen Tagen, an denen es gilt, Reden zu halten, und wo die Journalisten mit dem Fotoapparat bereit stehen, um schöne Bilder zu schießen. Eine Nähe zu Kindern und Familien kommt ja sehr gut an bei der Bevölkerung, und es kommt gut an, wenn man sich mit glücklichen Kindern ablichten lässt. (Zwischenruf des Bundesrates Mayer.)

Gedankt wird dann auch der lieben Kindergartentante dafür, dass sie anderen Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht. Das ist die Realität in Österreich, und das ist die Realität insbesondere der ÖVP. (Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Da muss man schon sehr deutlich sagen: Frauen verdienen sich etwas Besseres als dieses unerträgliche Macho-Gehabe der wortgewichtigen, mediengewaltigen und selbst­ernannten Alpha-Männchen. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Mich als Mann, werte Kollegen, stört es enorm, wenn man so ein Gehabe an den Tag legt, sich zu bestimmten Tagen, und zwar meist Frauentag, mit Kindern und Kinder­gärtnerinnen abbilden lässt, dann aber eine Politik verfolgt, die jenseits dessen ist, was in diesem Bericht thematisiert wird, dass es nämlich gewaltig mit der Gleich­berech­tigung hapert. Die Schlechterstellung von Frauen zu beseitigen, das ist sicherlich eine große Herausforderung – und das ist natürlich nicht nur Aufgabe von ÖVP und SPÖ, sondern von uns allen.

Ganze Wirtschaftsbereiche, insbesondere jene, in denen viele Frauen beschäftigt sind, werden gesellschaftlich unterbewertet. Das ist doch ein Faktum! Der Dienstleistungs- und Pflegebereich ist in diesem Zusammenhang geradezu ein klassischer Fall. Und da es sich hiebei um schlecht bezahlte Tätigkeiten handelt, sind auch keine Männer für diese Berufe zu gewinnen. Das alles zeigt sich ja in der Praxis.

Ganz krass ist es im Kindergarten-Bereich, wo es viel zu wenig Kinderbetreu­ungsplätze gibt – und dass die überwiegende Zahl der Frauen immer noch grotten­schlecht verdient, das steht auf einem anderen Blatt. Das wird in der Tageszeitung „Neues Volksblatt“ nicht thematisiert, sondern vielmehr werden berechtigte Forderun­gen als – ich zitiere – theoretisch-feministischer Kauderwelsch“ verunglimpft.

Wer das im „Neuen Volksblatt“ nachlesen will, dem kann ich gerne die Zeitung zur Verfügung stellen.

Ich will aber nicht ungerecht sein und dazusagen: Das „Neue Volksblatt“ berichtet auf Seite 5 dann noch einmal über ein Frauenthema, und zwar im Zusammenhang mit der brenzligen Situation in Nordafrika. Die ÖVP fordert Frauen-Power für die arabische Welt!, steht da zu lesen. Ich war mir für kurz Zeit  nicht sicher, ob es sich hiebei um einen kleinen Faschingsdienstag-Scherz handelt oder um eine ernst gemeinte Forde­rung unter der Überschrift Frauentag.

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Situation von Frauen in vielen anderen Ländern, insbesondere arabischen und islamischen Ländern, ist sicher schwieriger als die Situation der Frauen in Österreich, und selbstverständlich gilt auch für die Frauen in anderen Ländern das Gleiche wie für die Frauen in Österreich, nämlich die Forderung nach Gleichberechtigung. Das heißt nicht mehr und nicht weniger als gleiche Rechte für Frauen. (Beifall bei den Grünen.)

Aber warum fordert die ÖVP nicht Frauen-Power für Aufsichtsräte? Der erste Ansatz in diese Richtung wurde ja gemacht, und ich finde das auch gut so, aber, liebe KollegInnen, wir wissen, dass sich in unserem Land mit Gut-Zureden und mit


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