Freiwilligkeit gerade in dieser Frage nichts bewegt hat. Insofern ist also die Kritik der Kollegin Mühlwerth berechtigt, die gesagt hat: Quoten okay – dazu kann man stehen, wie man will –, aber wenn es keine Sanktionen gibt, dann ist das ein zahnloses Instrument! Wir wissen ja aus Erfahrung, dass sich da leider, wenn man nicht auch Sanktionen mit ins Paket schnürt, so schnell nichts ändern wird.
Nichtsdestotrotz: Es ist das einmal ein Schritt in die richtige Richtung.
Wo gibt es noch einen aktuellen Handlungsbedarf? – Angesprochen wurde das ja auch schon von meinen Vorrednerinnen: Handlungsbedarf gibt es bei den Migrantinnen. Frauen-Power für Migrantinnen!, sage ich. Das ist eine Forderung, die uns unmittelbar betrifft, denn der Aufenthaltstitel für Frauen leitet sich in vielen Fällen von dem des Mannes ab. Da könnte die ÖVP also einmal kräftig auf den Tisch hauen, wie sie es ja tut, wenn es um Frauenrechte in fernen Ländern geht.
Frauen-Power für Österreich!, das ist die Forderung, die ich an diese Regierung richte. Und ich kann das auch glaubwürdig vertreten, da wir Grünen diese Forderung seit Jahren berücksichtigen und Gleichberechtigung täglich leben.
Ich wende mich jetzt an die Kollegen, sozusagen von Mann zu Mann, und zwar mit einer klaren Botschaft: Wir brauchen keine Angst vor Quoten zu haben, werte Kollegen! Sicher sind Quoten-Lösungen immer eine Notlösung, aber immer besser als gar keine Regelung.
Wir brauchen auf allen Ebenen Instrumente, die eine gerechte Verteilung von Macht und Einfluss gewährleisten. Macht und Einfluss müssen zwischen Männern und Frauen 50/50, halbe-halbe aufgeteilt werden. Aufgrund der Situation bei den Grünen und der in unserem Statut verankerten Prinzipien der paritätischen Besetzung aller Gremien und Listen kann ich sagen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man in einem Gremium sitzt, das zu 50 Prozent aus Frauen besteht – oder ob es sich eben um ein reines Männergremium handelt: mit gar keiner Frau oder nur mit einem geringen Anteil an Frauen.
Bei einer paritätischen Besetzung ist die gesamte Stimmung eine andere, es ist die Arbeitsweise eine andere, und es ist das Arbeiten in einem solchen Fall angenehmer – und auch produktiver.
Ich bin der festen Überzeugung – und ich habe das an mir selbst erfahren dürfen –, dass viele Männer, vielleicht sogar besonders jene, die typisch männliche Verhaltensweisen wie Imponiergehabe und Machtverhalten an den Tag legen, besonders davon profitieren können, wenn sie quasi dazu gezwungen werden, auf gleicher Augenhöhe mit Frauen zusammenzuarbeiten.
Ich sehe auch außerhalb der Einflusssphäre der Grünen eine Aufbruchsstimmung bei zahlreichen Frauenorganisationen, und ich freue mich ganz besonders darüber, wenn sich Frauen, speziell wenn es sich um Frauen aus traditionell-konservativen Kreisen handelt, vermehrt einbringen.
Aber nicht nur bei konservativen Männern werden Frauenthemen hintangestellt. So hat mir beispielsweise die Arbeiterkammer Oberösterreich vorige Woche den „Frauenmonitor 2011“ zukommen lassen.
Das ist eine wirklich hervorragende Broschüre, in der detailliert und trotzdem sehr übersichtlich die Lage der Frauen in Oberösterreich beschrieben, analysiert und bewertet wird. Ausschließlich Frauen sind für deren Inhalt verantwortlich. Ich kann diese Lektüre wirklich nur jedem ans Herz legen.
Aber schauen wir uns diese Broschüre noch ein wenig genauer in ihren Details an! Wer schreibt das Vorwort? – Zwei Herren!
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