BundesratStenographisches Protokoll796. Sitzung / Seite 71

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Es ist noch ungeklärt, wie die Frage des Volkskundemuseums und des Völkerkun­demuseums gelöst werden wird, die ja beide – meiner Meinung nach zu Recht – auf ih­rer Identität bestehen.

Wenn man sich die Besucherzahlen ansieht, merkt man, dass die Museen oder auch die Theater mehr Geld bekommen, aber rückläufige Besucherzahlen haben. Da ist mir zum Beispiel Folgendes aufgefallen: Beim Burgtheater hat man 2008 gesagt, da sind die Besucherzahlen deswegen zurückgegangen, weil wegen der Fußball-EM das Burg­theater über eine gewisse Zeit nicht bespielt werden konnte. – 2009 waren diese aber auch rückläufig, auch ohne EM.

Nehmen wir zum Beispiel die Besucherzahlen beim MAK. Wenn man sich nämlich an­schaut, wie viele voll zahlen und wie viele Karten ermäßigt sind – ich lese die Zahlen jetzt nicht vor, weil diese stehen ja in den Berichten drinnen –, dann kommt man, wenn man die Basisabgeltung dazurechnet, darauf, dass eine Karte mit rund 52 000 € sub­ventioniert ist.

Das Gleiche oder Ähnliches haben wir beim Kunsthistorischen Museum: Hier wird eine Karte mit fast 15 000 € subventioniert, wenn man die Zahler mit Eintrittsermäßigung, die Nichtzahler und die Basisabgeltung dazurechnet. Und beim MUMOK wird eine Kar­te mit 38 157 € subventioniert.

Jetzt sage ich ja nicht, der Staat darf kein Geld für die Kultur oder auch für die Museen oder die Theater in die Hand nehmen, nur: Es ist immer eine Frage der Verhältnismä­ßigkeit. Und da denke ich, dass die Subventionen tatsächlich sehr hoch sind.

Ich möchte aber auf einen Teil der Kulturberichte zu sprechen kommen, der sich dort gar nicht findet, hinsichtlich dessen ich aber gerne hätte, dass er einmal darin aufge­nommen werden könnte, weil das ein Bereich ist, um den wir uns überhaupt nicht mehr kümmern. Das sind die Österreicher deutscher Muttersprache, die in den ehemaligen Ost- beziehungsweise Südostländern leben, also etwa im ehemaligen Jugoslawien, in Slowenien, Kroatien und so weiter; wir kennen all diese Länder. Das ist auch ein Teil unserer Kultur! Nur, darum hat sich bis jetzt, über die Jahrzehnte, muss man sagen, seit dem Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich die Bundesrepublik Deutschland ge­kümmert. Österreich hat da wirklich sehr wenig gemacht. Wir kümmern uns zwar um die Minderheiten, die bei uns sind, was ja auch richtig ist – und das möchte ich auch nicht als Kritik verstanden wissen –, ich glaube aber schon auch, dass es unsere Pflicht wäre, uns um jene deutschen Österreicher zu kümmern, die in diesen Ländern geblieben sind und nicht ausgewandert sind.

Da gibt es ja auch ein Schmankerl, das zwar nicht Sie, Frau Minister, zu verantworten haben, aber Österreich insgesamt schon: Auswanderungswillige Österreicher deut­scher Muttersprache, ursprünglich aus Salzburg kommend, wollten nach Österreich kommen, und Österreich hat sie nicht genommen! Die sind dann nach Baden-Württem­berg ausgewandert, denn die haben sie als Einzige aufgenommen. – Also auch die Freu­de, diese Menschen, die ja volkszugehörig zu uns sind, aufzunehmen, ist offensichtlich nicht nur enden wollend, sondern gar nicht vorhanden.

Und da, glaube ich, könnten wir schon etwas tun. Es gibt ja vermehrt auch junge Men­schen, die die deutsche Sprache wieder lernen wollen. Es ist ja zum Teil schon so, dass die Sprache auch bei den Älteren nicht mehr so gut vorhanden ist, wie das einmal der Fall war, aber es gibt Junge, die wieder Deutsch lernen wollen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang als wirklich sehr positiv erwähnen, was uns diesbezüglich vor einigen Jahren gelungen ist. Wir haben da eine junge Dame in der Österreichischen Landsmannschaft, die ja immer als rechtsextrem hingestellt wird – ich kenne dort keinen Rechtsextremen, es sei denn, man bezeichnet die Volksverbunden­heit zu den früher zum Teil vertriebenen, zum Teil aufgrund der Religionskonflikte aus-


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