BundesratStenographisches Protokoll796. Sitzung / Seite 83

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rolle auch für den sozialen Zusammenhalt innerhalb dieser Union, aber auch innerhalb der Staaten und Regionen.

Ein Vorhaben – auch dieses wurde schon angesprochen – in diesem Bericht ist die Senkung der Schulabbrecher- und Schulabbrecherinnenquote. Ich denke, uns allen ist klar, dass man ohne eine fertige Ausbildung persönlich schlechtere Chancen hat, und zwar nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern in weiterer Folge auch im eigenen Leben. Ich denke, wir in Österreich stehen da im Vergleich zu anderen Ländern relativ gut da.

Umso mehr, meine ich, muss es uns ein Ansporn sein, in andere Bereiche, die damit zusammenhängen, zu investieren. Was meine ich damit? Es geht nicht nur darum, dass jemand irgendeine Schule abgeschlossen hat; vielmehr muss es uns darum ge­hen, dass jeder und jede die für sie und für ihn richtige Ausbildung, den passenden Ab­schluss macht – passend zu dem, was man im Leben vorhat, sowie zu dem, was man an Talenten mitbringt.

Im Bereich der Studien – wir setzen leider sehr oft am Ende der Ausbildungskarriere an – ist es gelungen, mit der Studieneingangsphase mehr Orientierung zu bringen und den jungen Menschen zu helfen, die richtige Ausbildung zu finden. Aus meiner Sicht haben wir noch viel zu tun, was den Beginn der Ausbildung betrifft. Bildungs- und Lauf­bahnberatung fängt nicht erst dann an, wenn ich kurz vor dem Eintritt ins Arbeitsleben stehe; sie muss dort anfangen, wo junge Menschen das erste Mal mit Bildung in Be­rührung kommen.

Es gibt schon das Projekt „TALENTE CHECK“, es gibt einige gute Modelle, die die Länder schon umgesetzt haben, doch muss da wesentlich mehr passieren. Auch die Wirtschaftskammer hat einiges umgesetzt (Bundesrätin Mühlwerth: Potenzial ...!) – im Bereich der Potenzialanalyse. Aber ich glaube, all diese Pilotprojekte dürfen keine Pilotprojekte und Versuche bleiben; sie müssen Realität werden, in das Regelschulwe­sen integriert werden. Sie müssen aus meiner Sicht im Kindergarten beginnen, damit ich da schon weiß, wo ich stehe, wo mein Weg hingehen kann, welche Möglichkeiten ich habe.

Ich denke, dass damit einerseits – nicht automatisch, es bedarf noch vieler Anstren­gung – einhergehen wird, dass Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher weniger wer­den, denn was mir Freude macht, was zu mir passt, kann ich auch viel eher zu Ende bringen. Andererseits werden wir damit auch die Akademikerinnen- und Akademiker­quote steigern können – nicht der Quote, sondern der Menschen wegen, die dann ei­nen zukunftsfähigen Arbeitsplatz haben.

Ein weiteres Vorhaben in der Vorschau besteht darin, besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass Elementarpädagogik – oder anders formuliert: frühkindliche Förde­rung – mehr Platz hat. Ich finde es gut, dass man diese Ansicht auch auf europäischer Ebene teilt.

In Österreich ist aus meiner Sicht – wir haben darüber hier oft debattiert – schon eini­ges weitergegangen. Das verpflichtende Kindergartenjahr ist ein richtiger Schritt; dass es auch für die frühkindliche Förderung gemeinsame Lehrpläne gibt, ist ebenfalls ein wichtiger Schritt; zur Förderung der Elternbildung gibt es in vielen Ländern schon gute Modelle, auch das ist ein wichtiger Schritt. Ich glaube, man sollte hier festhalten, dass Bildung nicht nur in der Öffentlichkeit, in Einrichtungen, sondern auch zu Hause statt­findet.

Aber wir müssen hier weiter dranbleiben. Ich denke etwa an die Aus- und Weiterbil­dung von Pädagoginnen und Pädagogen im Kindergartenbereich. Ich finde es immer noch befremdend, dass gerade die, die in einer sehr entscheidenden Phase die meiste Auswirkung auf die Weiterentwicklung von Kindern haben, die, wenn man so will, am


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