meisten richtig, aber auch am meisten falsch machen können, die kürzeste und oft die wissenschaftlich am wenigsten angesehene Ausbildung haben.
Ich glaube, da müssen wir sehr viel Hirnschmalz investieren und alles, was wir schon wissen, rasch umsetzen. Denn: Ähnlich wie in der Medizin gibt es auch in der Bildung sehr viel Evidenz, sehr viele Forschungsergebnisse; und jetzt gilt es, unabhängig von Ideologien und anderen Prädispositionen, die man so mit sich trägt, diese Erkenntnisse möglichst rasch umzusetzen, im Interesse der Kinder, der Familien und letztlich auch unserer Gesellschaft.
Abschließend will ich noch ein Vorhaben erwähnen, das auch in vielerlei Hinsicht mit Bildung zu tun hat. Das Thema Kultur wurde hier schon oft angesprochen: Was ist Kultur? Wo stehe ich selber mit meiner Kultur? – Nur wer ein festes Fundament hat, persönlich, sozial und kulturell, wer weiß, wo er oder sie steht, der oder die kann auch offen sein für andere, für Neues, für Zusammenarbeit in einem größeren Rahmen. Deswegen braucht die in der Vorschau, die wir heute debattieren, ausgeführte makroregionale EU-Strategie für den Donauraum, wie es richtig heißt, natürlich auch Menschen, die auf so eine Zusammenarbeit vorbereitet und dazu bereit sind.
Gleichzeitig ist die Donauraum-Strategie eine Chance für diese gesamte Region. Alle Staaten, die daran beteiligt sind, stehen sicherlich auf unterschiedlichen Niveaus, auf unterschiedlichen Entwicklungsschritten; doch jetzt haben wir eine Chance, wieder und neu zusammenzuwachsen.
Ich finde das persönlich sehr spannend, da ich selber aus der Donauregion, dem Nibelungengau, aus Niederösterreich stamme, aber meine Familie Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien weit stromabwärts hat. Da hat es viel gemeinsame Geschichte gegeben, auch viel gemeinsame Kultur, die der Verkehrsweg mit sich bringt; und ich finde, es ist eine großartige Chance, wenn man da gerade über Bildung, die eine wichtige Voraussetzung ist, investiert und letztlich allen, die dort leben, mehr Bildung ermöglicht.
Bevor ich zum Abschluss komme: Es ist heute öfter angesprochen worden, dass auch Lehrlinge mehr Möglichkeit zu internationalem Austausch, zu Erfahrungen im Ausland bekommen sollten. Fein, es werden Lehrlinge so oft in Sonntagsreden erwähnt, dass ich oft nicht mehr weiß, wie ernst das jeder meint. (Ruf bei der ÖVP: Die Wirtschaft meint es ja!) – Bei der Wirtschaft habe ich auch keine Bedenken, aber die Lehrlinge werden immer dann angesprochen, wenn man sagen will, wir nehmen die Jugend eh ernst in ihrer Gesamtheit.
Ich finde es fein, wenn man sagt, Lehrlinge sollen mehr ins Ausland gehen, und man kann das auch ausbauen, keine Frage. Es wird sich strukturell immer schwieriger darstellen, jemandem, der bei uns in der dualen Ausbildung ist, einem Betrieb zugeteilt ist, diese Chance zu geben – bei allem guten Willen und bei allen Förderungen, die es gibt. (Zwischenruf der Bundesrätin Michalke.) – Vielleicht gibt es einen anderen Weg, das zu schaffen, um das allen zu ermöglichen, vielleicht kann man in den Pflichtschulen stärker investieren. Warum nicht die Bratislava-Woche statt der Wien-Woche? Warum nicht schon in den Pflichtschulbereich gehen?
Ich denke, je früher man Erfahrungen macht, desto offener ist man dafür und desto prägender können solche Erfahrungen werden. Warum investieren wir nicht mehr in Auslandserfahrungen, die über Vereine in der Freizeit organisiert werden können? Da erreichen wir nämlich alle. Das ist aus meiner Sicht der wahrscheinlich richtigere Weg, als immer aufzuteilen: Das können die Lehrlinge machen, das die Studierenden, das die Schüler. – Ich glaube, da dividieren wir junge Menschen mehr auseinander, als sie das selber empfinden. (Bundesrätin Mühlwerth: Da interpretierst du mehr hinein, als gesagt wurde!) – Aber das ist meine Interpretation der Sache. (Vizepräsident Mag. Himmer übernimmt wieder den Vorsitz.)
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