Wie gesagt, es geht nicht darum, dass wir ein Problem mit dem Tragen eines Fahrradhelms haben, sondern wir haben ein Problem mit der Verpflichtung, diesen zu tragen. Und wenn die Kinder dann zehn sind (Bundesministerin Bures: Zwölf!), dann brauchen sie ihn plötzlich nicht mehr, dann ist der Kopf nichts mehr wert. 87 Prozent der Kinder fahren jetzt schon mit Helm, und im Prinzip hat sich das ja in den letzten Jahren gesteigert. Wer ist vor zehn Jahren mit Helm gefahren und wie viele fahren jetzt mit Helm? Es steigert sich ja. Wenn man an das Gewissen der Leute appelliert und ihnen sagt: So und so solltet ihr es machen!, dann machen sie es auch so.
Aber sie zu verpflichten und zu sagen: Eigentlich verstößt ihr gegen ein Gesetz, wenn ihr den Helm nicht aufsetzt!, ist kontraproduktiv. Und das ist auch nicht vergleichbar mit dem Angurten, denn einen Gurt habe ich in jedem Auto. Einen Fahrradhelm kann ich einmal vergessen. Und was mache ich dann? – Dann darf ich eigentlich nicht fahren. (Ruf: Aber beim Skifahren funktioniert es auch!) – Naja, beim Skifahren funktioniert das auch, aber beim Skifahren ist es schon ein bisschen anders.
Da Kollege Himmer – jetzt ist er nicht mehr hinter mir – im Ausschuss so nett gesagt hat, es ist eindeutig, wenn man mit dem Kopf gegen eine Betonwand fährt, dann ist es besser, wenn er durch einen Radhelm geschützt ist, möchte ich ihm sagen: Die wenigsten Kinder fahren mit dem Kopf gegen eine Betonwand. Das größte Problem für Kinder am Rad sind eigentlich die Autofahrer, die sie übersehen. (Zwischenruf des Bundesrates Stadler.) – Die haben aber ein anderes Tempo.
Ich möchte nur ganz kurz zitieren, weil ich ja gesagt habe, dass die ganzen Experten das auch unterstützen. Also, wie gesagt, die ganzen Radexperten unterstützen die Radhelmpflicht nicht. Der VCÖ kritisiert zum Beispiel zehn Punkte und sagt, warum es keine zusätzliche Sicherheit bringen soll. Ich nehme einmal an, Sie kennen diese Materialien, Frau Ministerin. (Bundesministerin Bures: Ist aber ein Blödsinn!) – Es ist kein Blödsinn (Bundesministerin Bures: Ja, leider!), weil nämlich – und ich glaube, das hat sich inzwischen herumgesprochen – das Wichtigste zur Hebung der Verkehrssicherheit für FahrradfahrerInnen möglichst viele Fahrräder auf der Straße sind, damit die Autofahrer sich daran gewöhnen.
In Holland war das einfach immer so. Da war man es immer gewöhnt, da sind die aneinander gewöhnt. Bei uns hat in letzter Zeit der Radverkehr zugenommen, und die Autofahrer haben sich noch nicht daran gewöhnt. Das ist ein Hauptproblem. Je mehr Räder unterwegs sind, umso sicherer wird es. Und dazu gibt es schon Studien, dass ein doppelter Radverkehrsanteil die tödlichen Unfallrisiken beim Radfahren um 37 Prozent verringert. Also möglichst viele Räder auf die Straßen. (Zwischenrufe bei der ÖVP.)
Zu den 900 Kindern, die man angeblich durch den Helm vor Kopfverletzungen schützen kann. Der Anteil der verletzten Kinder unter zehn Jahren im Straßenverkehr im Zusammenhang mit einem Fahrrad betrug in den Jahren 2005 bis 2010 9 Prozent. 9 Prozent der Rad fahrenden Kinder sind verletzt worden. Dagegen sind im Pkw 59 Prozent Kinder verletzt worden. Also müsste man eigentlich den Kindern im Auto einen Helm aufsetzen. Das wäre dann noch effizienter. Vielleicht solltet ihr das auch noch überlegen. (Rufe bei der ÖVP: Da sind nur die Grünen dagegen!) – Nein, es sind nicht nur die Grünen dagegen. Es sind eben nicht nur die Grünen dagegen.
Es gibt eine ganze Menge Gründe, warum das mit der Pflicht kontraproduktiv ist. Deswegen würde ich schon wirklich bitten, dass ihr euch das überlegt, weil eine Verpflichtung nicht immer dazu führt, dass es besser angenommen wird.
Und zum Schluss noch den Titel dieser Broschüre, denn den finde ich nämlich ganz besonders aussagekräftig und er gibt eigentlich das wieder, woran das Gesetz leider auch krankt, nämlich: „Radfahren ist die Lösung und nicht das Problem“. – Danke. (Beifall des Bundesrates Dönmez.)
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