Europäischen Union mit Gio Hahn als verantwortlichem Kommissar und zum anderen die Gemeinsame Agrarpolitik, und es macht auch Sinn, dass dieser Sektor, der für Europa nach wie vor von zentraler Bedeutung ist, auf europäischer Ebene gemeinsam bewirtschaftet wird, damit es nicht zur Wettbewerbsverzerrung und zu einem unnötigen Förderwettlauf der Mitgliedstaaten untereinander kommt. Das heißt, die Gemeinsame Agrarpolitik in ihrer Ausrichtung auf europäischer Ebene soll auch weiter Bestand haben.
Ab 2014 bis 2020 gibt es eine neue Finanzperiode und auch eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik, und dabei geht es auch für Österreich um sehr viel. Uns geht es um einen Mehrfachnutzen, zum einen um die Absicherung der österreichischen Landwirtschaft und gewisser Perspektiven für die Bäuerinnen und Bauern in Österreich. Es geht aber auch um die Dynamik im ländlichen Raum. Wir brauchen dort zusätzliches Wachstum, um auch, wie wir gehört haben, Besiedelung zu sichern, und wir müssen uns in Richtung einer hochwertigen Lebensmittelproduktion bewegen, die in einer Welt, in der es immer mehr in Richtung Massenproduktion geht, von entscheidender Bedeutung ist. Es geht aber auch um Sicherheit für die Konsumentinnen und Konsumenten. Diese sollen auch als Steuerzahler einen Vorteil aus dieser Gemeinsamen Agrarpolitik haben.
Die Diskussion wird seit zwei Jahren intensiv geführt, weil die Vorbereitungsphase läuft, und Österreich – das kann ich Ihnen berichten – ist in allen Gremien, in allen Arbeitsgruppen dabei; wir haben ja sehr viel Expertise.
Es ist auch wichtig, eine Standortbestimmung vorzunehmen. Ja, es stimmt, es hören Agrarbetriebe auf. Es hat immer einen Strukturwandel gegeben, und der ist auch notwendig in einem dynamischen System. Niemand von uns hat Interesse daran, eine Käseglocke über den Agrarsektor zu stellen und zu sagen: Alles soll so bleiben wie bisher! Das muss ein dynamischer Sektor sein. Das ist ein Sektor, der sich auch am Markt behaupten muss. Aber wir haben den Strukturwandel verlangsamt – auch als ein Ergebnis dieser Gemeinsamen Agrarpolitik.
Die Bilanz kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Wir haben in Österreich nach wie vor eine der kleinststrukturierten Landwirtschaften in Europa, das heißt, eine der vielfältigsten Landwirtschaften, und zwar nicht nur in den Gunstlagen, sondern auch in schwierigen Regionen, im Berggebiet, im hochalpinen Raum – im vollen Bewusstsein, dass es schwer ist, das dort aufrechtzuerhalten.
Wir haben auch eine der jüngsten Landwirtschaften in Europa: Bis zum 35. Lebensjahr sind wir an der zweiten Stelle. Und unsere Landwirtschaft ist weiblich: 40 Prozent der Betriebe werden von Frauen geführt. Es wäre der Agrarsektor nicht vorstellbar, wenn die Frauen nicht eine zentrale Rolle spielten und auch eine wichtige Führungsfunktion in den Betrieben hätten. Die Frauen sind auch oft mehrfach belastet, weil sie zusätzlich die Familie betreuen, alte Menschen pflegen und Ähnliches. Daher ist ein Teil meiner Politik auch, das Augenmerk darauf zu legen, die Situation der Bäuerinnen zu verbessern, sie von der Mehrfachbelastung zu entlasten.
Wir haben in der Biolandwirtschaft etwas erreicht, was wir im Fußball nicht erreichen: Wir sind Bioweltmeister. Kein Staat der Erde hat so viel biologische Landwirtschaft wie wir – auch ein Ergebnis der Agrarpolitik. Dass Sie da keinem Irrtum aufliegen: Es war das Umsteigen der Großbetriebe auf Biolandwirtschaft der Grund dafür, warum wir so einen hohen Anteil haben – 20 Prozent der Fläche. Der Grund war, dass 200, 300, 400 Hektar große Betriebe auf Bio umgestiegen sind, gerade in der Ackerbauregion. Also nicht, dass Sie glauben, nur die Kleinen, Lieben, Netten sind Bio, sondern in Wirklichkeit haben wir diese Marktstärke, weil große Betriebe umgestiegen sind – dank einem Bioaktionsprogramm, weil wir Märkte abdecken wollen. Wenn heimische Kon-
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