BundesratStenographisches Protokoll799. Sitzung / Seite 45

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wer die Schlagzeile produzieren wird, sondern ein klares Ziel gemeinsam vereinbart hat. Und dieses Vertrauen war letztendlich die Grundlage und genau der Gegenpol zum Misstrauen, das es jahrzehntelang rund um die Kärntner Frage gegeben hat.

Es gibt das Buch „Der Sonderfall“ zur Kärntner Zeitgeschichte. Das hat der ehemalige KTZ-Chefredakteur Hellwig Valentin geschrieben. Er hat sie von 1918 bis zum Jahr 2004 beleuchtet. Ich würde sie von 1914 bis 2011 kurz beleuchten wollen. Dann wird man wahrscheinlich verstehen, warum diese Lösung auch so schwierig war.

Sommer 1914: Sarajevo. Interessant ist, dass ein Kärntner Diplomat als Hoher Reprä­sentant seit einiger Zeit in Sarajevo tätig ist. Das Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand war letztendlich der Auslöser für das Ende des alten Europa, aber es gab auch – aus heutiger Sicht kann man das absolut bestätigen – eine dramatische Auswirkung auf den Süden Österreichs, besonders auf Kärnten und die Steiermark.

1914 bis 1918: der Erste Weltkrieg. Das Aus für die Habsburgermonarchie.

August 1918: Gründung des slowenischen Nationalrates in Laibach.

17. Oktober 1918: Der slowenische Nationalrat beschließt umfassende Gebietsan­sprüche an Österreich. Zuerst wurde ganz Kärnten beansprucht, später reduzierte Laibach seine Gebietsansprüche auf etwa ein Drittel der Landesfläche beziehungs­weise auf die Hälfte der Kärntner Landesbevölkerung.

11. November 1918: Die provisorische Kärntner Landesversammlung beschließt den Beitritt zum Staat Deutsch-Österreich. Kärnten wünscht die republikanische Staats­form.

Einen Tag später, 12. November 1918: In Wien ruft die Nationalversammlung Deutsch-Österreich als demokratische Republik aus. Das heißt, Kärnten hat einen Tag, bevor sich Österreich als demokratische Republik aufgestellt hat, schon ein Bekenntnis zu dieser demokratischen Republik abgegeben.

November 1918: Die SHS-Verbände besetzen viele Orte im Südosten Kärntens. Am 30. November 1918 überschreiten die SHS-Truppen die Drau und besetzen die Be­zirks­hauptstadt Völkermarkt. Auch die Landeshauptstadt Klagenfurt wird das erste Mal massiv bedroht.

1. Dezember 1918: Gründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, des sogenannten SHS-Staates.

5. Dezember 1918: Die Kärntner Landesversammlung fasst den Beschluss zum bewaffneten Widerstand, zum Kärntner Abwehrkampf. Landesverweser Dr. Arthur Lemisch, Landesbefehlshaber Ludwig Hülgerth, Kärntner Freiwilligenverbände und Volkswehreinheiten befreien große Teile des Landes.

Zum Kärntner Abwehrkampf ist zu sagen: Natürlich sind wir in Kärnten zu Recht dankbar dafür, dass es diesen Abwehrkampf gegeben hat, denn ohne ihn würde aus meiner Sicht die Republik Österreich unter Umständen so, wie wir sie heute, im Jahr 2011, erfreulicherweise und Gott sei Dank haben, vielleicht nie stattgefunden haben. Man denke nur daran, dass man in Vorarlberg und Tirol durchaus daran dachte, sich mit Deutschland oder der Schweiz zu verbinden. Auch in Salzburg und sogar in der Steiermark gab es Sorgen und Ängste und bereits so etwas wie private Abstimmungen darüber, ob sich zum Beispiel die Steiermark Bayern anschließen sollte.

Das heißt, Kärnten hat mit diesem Abwehrkampf letztendlich nicht nur die Grundlage dafür geschaffen, dass es ein ungeteiltes Kärnten und ein Ja zu Österreich gegeben hat, sondern hat mit Sicherheit auch einen wesentlichen und wahrscheinlich Kern­bei-


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