BundesratStenographisches Protokoll799. Sitzung / Seite 46

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

trag dafür geliefert, dass wir diese Zweite Republik auch im Jahr 2011 stolz erleben dürfen.

Jänner 1919 – und das war entscheidend –: Die Miles-Kommission bereist Kärnten. Durch die Kämpfe zur Jahreswende 1918/19 wird die Aufmerksamkeit einer amerika­nischen Studienkommission auf die Kärntner Frage gelenkt. Ende Jänner 1919 bereist eine amerikanische Delegation unter der Leitung von Sherman Miles Kärnten. Die amerikanischen Experten, durchwegs ausgezeichnete Fachleute, versuchen, sich ein objektives Bild von der Stimmung der Bevölkerung zu machen. Ihr Abschlussbericht, der die Haltung der amerikanischen Friedensdelegation in Paris entscheidend beein­flussen wird, fällt eindeutig zugunsten Österreichs aus.

Ich zitiere aus dem Miles-Bericht, aus Archivmaterial:

„Hinsichtlich der nationalen Wünsche überzeugte uns unsere Untersuchung, dass die Mehrheit der Bevölkerung zwischen der Drau und den Karawanken die österreichische Herrschaft bevorzugt. Die herausragende Tatsache ist eine große Zahl von Slowenen, die ausdrücklich die österreichische Herrschaft bevorzugen und deren politische Überzeugung ein ungeteiltes Kärnten ist. Der Slowene, der kein Jugoslawe sein will, ist eine merkwürdige Erscheinung, an die wir niemals geglaubt hätten, wenn wir ihm nicht selbst begegnet wären, und noch dazu in großer Zahl.“

Das ist der Miles-Bericht; US-Präsident Wilson setzt dann gegen den Widerstand der anderen alliierten Mächte für Kärnten eine Volksabstimmung durch. Das war eine amerikanische Hilfe, die es möglich gemacht hat, nach den Entscheidungen im Lande, nach dem Start des Abwehrkampfes zu einer Lösung zu kommen. Und heute ist unsere Dankbarkeit insofern im Gebäude der Kärntner Landesregierung festgehalten, als es dort eine entsprechende Tafel gibt, mit der Herrn Präsidenten Wilson und auch Herrn Sherman Miles gedankt wird.

Die Kärntner Volksabstimmung hat ein klares Ja zu Österreich ergeben. 60 Prozent haben für den Verbleib bei Österreich gestimmt. Dabei muss man auch festhalten, dass, obwohl es in diesem Gebiet 70 Prozent slowenischsprachige beziehungsweise windische Kärntner gegeben hat, insgesamt 60 Prozent für Österreich gestimmt haben. Und dafür sind wir in Kärnten dankbar. Deshalb wird auch alle Jahre der 10. Oktober – das ist unser Landesfeiertag –, auch heute noch, mit großer Dankbarkeit, mit großem Respekt gefeiert.

Dann kam die wohl schwierigste Zeit – in der Zwischenkriegszeit gab es zwar einige Jahre Not, aber Frieden –: der Zweite Weltkrieg. Das war wahrscheinlich, wenn man es rückblickend betrachtet, die größte Verwundung, die man einerseits der Kärntner Volksgruppe, aber auch dem Land insgesamt zugefügt hat, nicht nur den Österreichern insgesamt.

In der Zeit der NS-Diktatur ist unseren slowenischsprachigen Landsleuten schweres Unrecht angetan worden. Im April 1942 wurden mehr als tausend Menschen von ihren Bauernhöfen in Kärnten vertrieben und in Umsiedlerlager nach Deutschland deportiert. Das muss man sich vorstellen, was da der Volksgruppe angetan wurde! Da gibt es nichts daran herumzudeuteln: Dass das auch die Geburtsstunde für die Partisanen­tätigkeit in Kärnten war, ist natürlich eine bedauerliche Abrechnung – eine Zeit der Ab­rechnung, die natürlich im Lande auch Furchtbarkeiten vor Ort gebracht und letzt­endlich schon auch das Ziel verfolgt hat, dass Kärnten wieder ein Teil oder erst recht ein Teil Jugoslawiens werden soll.

Die jugoslawischen Gebietsforderungen blieben jedoch aufrecht. Trotzdem war es dann glücklicherweise so, dass sich Tito mit Stalin zerkracht hat und diese Gebiets­an-


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite